Josef – Modell des Christusweges – Verworfen von aller Welt

Josef im Haus von Potifar    1.Mose 39,1 – 40,23

Mit Grenzen leben
Josef wurde mit einer Karawane nach Ägypten deportiert und dort auf dem Sklavenmarkt verkauft. Der oberste Leibwächter vom majestätischen Pharao, ein Herr Potifar, kaufte ihn. Josef war ein besonderer Mensch. Er war ein schöner, junger Mann und alles gelang ihm. Die Bibel sagt: Gott war mit ihm (1.Mose 39,2). So wurde er schon bald damit beauftragt, für das ganze Haus von Potifar zu sorgen, so dass dieser sich nur noch darum kümmern musste, was er essen wollte. Dennoch war Josef kein freier Mann mehr. Er war Sklave. Er konnte sich nicht mehr frei bewegen und nach Hause gehen. Er hatte enge Grenzen bekommen.

So wie auch Jesus, als er im Garten Gethsemane den Soldaten überliefert wurde. Ab jetzt konnte sich Jesus nicht mehr frei bewegen und seinen Weg nicht mehr selbst bestimmen. Auch wir erleben immer wieder, dass uns Grenzen gesetzt sind. Wie gehen wir damit um? Dienen wir innerhalb unseren Grenzen Gott, so wie es Josef getan hat? Von Jesus heißt es, dass er durch das Leiden den Gehorsam lernte (Hebräer 5,8).

Auch die Jünger von Jesus erlebten solche Situationen. Jesus prophezeite Petrus, dass er bis jetzt hingehen konnte wohin er wollte, später ihn aber ein anderer führen wird (Johannes 21,18-19). Paulus war bereit, für Jesus einen Weg des Leidens zu gehen (Apostelgeschichte 21,13).

Grenzen gehören zu unserem Leben. Wir alle haben und erleben Grenzen. Manchmal haben wir eigene Grenzen und ein andermal werden sie uns gesteckt. Wie gehen wir dann in solchen Situationen um? Hadern wir mit Gott oder sind wir wie Josef bereit, innerhalb unserer Grenzen Gott zu dienen? Wenn wir bereit sind, in allen Lebenslagen Gott zu dienen, dann können wir wie Josef zum Segen werden.

Den Prozess gemacht
Josef hatte es sehr gut. Gott segnete ihn und er konnte vieles machen im Hause von Potifar. Josef hatte sich auch eigene Grenzen gesetzt. Er wollte mit seinem Leben Gott dienen. Nun war in diesem Hause auch Frau Potifar. Sie scherte sich keinen Deut um ihr Eheversprechen und versuchte mit Josef anzubändeln. Sie redete Tag für Tag auf Josef ein, sich doch mit ihr zu vergnügen. Doch dieser lehnte ab, weil er sich nicht gegenüber Gott und Potifar versündigen wollte. Josef wusste von seiner Schwester Diana, dass wilde Beziehungen nicht Gottes Segen bringen. Wie viel Leid war doch über die Familie von Jakob gekommen, weil Sichem sich an Diana vergangen hatte (1.Mose 34). Alles endete mit Mord und Totschlag. Die ganze Familie musste flüchten. Josef wollte Gott dienen, darum wehrte er sich.

Als Josef einmal mit Frau Potifar allein Zuhause war, zog sie ihn gewaltsam zu sich. Josef konnte nur noch fliehen, indem er aus seinem Kleid schlüpfte und ihr so entwischte. Nun kehrte Frau Potifar die Sachlage um. Sie schrie wie am Spieß und behauptete, dass Josef sie verführen wollte. Aus der anfänglichen Sympathie von Frau Potifar wurde Hass, weil Josef sich nicht vereinnahmen liess.

Bei Jesus kehrte auch eine anfängliche Sympathie der Schriftgelehrten in Hass um, weil Jesus sich nicht nach den Vorstellungen der Schriftgelehrten verhalten wollte. Sie erwarteten zwar einen messianischen König, doch weil Jesus nicht nach ihren Pfeifen tanzte, drehten sie den Spieß um und verklagten ihn als König (Lukas 23,2).

Das ist die Eigenart von Gottes Gegenspieler. Er versucht uns für sich zu gewinnen. Wenn es nicht klappt, dann ist er gegen uns. Er bietet sich uns freundlich an, jedoch um uns zu verderben. So wie es auch bei Josef geschehen war.

Als Potifar nach Hause kam, klagte seine Frau Josef an. Potifar wurde zornig. Das komische hier ist, dass der Text es offen lässt, über wen er zornig wurde. Hatte Potifar Josef oder seiner Frau geglaubt? Wurde er zornig, weil seine untreue Frau so ein Spektakel machte und er handeln musste, um sein Gesicht nicht zu verlieren? Auf jeden Fall ordnete er nicht eine Hinrichtung an, sondern ließ Josef ins königliche Gefängnis bringen, dem er selber vorstand. So hat er Josef nicht aus den Augen verloren. Das sehen wir auch später, als zwei prominente Gefangene, der Mundschenk und der Bäcker, in dieses Gefängnis kamen. Da heißt es in der Bibel: Der Oberste der Leibwache, das ist Potifar, brachte sie selbst zu Josef (1.Mose 40,4).

Josef stieg Stufe um Stufe ab, obwohl er sich nichts zuschulden kommen gelassen hatte. In diesem Gefängnis war er so gut wie lebendig begraben. Im wahrsten Sinne des Wortes eingelocht. Doch Josef gab nicht auf. Auch innerhalb dieser engsten Grenzen diente er wieder Gott. Das prägte dieses Gefängnis, so dass er als Gefangener so viel Autorität hatte, dass alle internen Angelegenheiten ihm übergeben wurden.

Josef im Gefängnis: Die Deutung der Träume ist Gottes Sache

Begegnung zum Leben und Tod
Der Mundschenk und der Bäcker hatten eines Nachts jeder je einen Traum. Der Mundschenk träumte von einer Rebe mit drei Ranken, von dessen Früchten er Wein pressen und dem Pharao geben konnte. Der Bäcker träumte, dass er drei Körbe auf dem Kopf hatte und die Vögel daraus fraßen. Am Morgen waren sie sehr bedrückt. Als Josef hineinkam sah er das und fragte: „Was habt ihr? Warum seid ihr heute so traurig?“ „Wir haben einen Traum gehabt und es gibt hier keine Zauberer und Weise, die uns den Traum deuten könnten.“ Da sagte Josef: „Die Deutung der Träume ist Gottes Sache. Erzählt sie mir doch“ (1.Mose 40,8). Mit Gottes Hilfe konnte Josef dem Mundschenk sagen, dass er in drei Tagen aus diesem Gefängnis komme und wieder in sein Amt eingesetzt werde. Für den Bäcker hatte er die traurige Nachricht, dass er in drei Tagen hingerichtet werde und die Vögel sein Fleisch fressen werden.

Für den einen war die Begegnung mit Josef Evangelium, gute Nachricht, für den anderen brachte die Begegnung mit Josef den Tod. Ich habe mich gefragt, warum hier Josef ausgerechnet zwei Männer begegnete. Für den Verlauf der Geschichte hätte auch nur der Mundschenk gereicht. Zeichnet sich hier wieder eine Vorherdarstellung von Jesus ab?

Als Jesus in den Todesstunden war, begegneten ihm auch zwei Menschen. Die Verbrecher rechts und links am Kreuz. Dem einen konnte Jesus Leben zusprechen, weil er seine Schuld einsah und der andere, der über Jesus spottete, fand den Tod. Jesus hatte öfter davon gesprochen, dass eine Begegnung mit ihm entweder das ewige Leben oder den Tod bringt. Was löst die Botschaft, dass Jesus stellvertretend für mich am Kreuz starb, bei mir aus?

Durch den Tod zu neuem Leben
Josef war auf dem Abstieg. Den letzten Vers vom Kapitel 40 finde ich sehr tragisch: „Aber der Oberste Mundschenk dachte nicht mehr an Josef und vergaß ihn“ (1.Mose 40,23). Josef wurde vergessen.

Als Jesus am Kreuz hing, da schrie er: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46). Das ist der tiefste Punkt in einem Leben, wenn man sich vergessen und verlassen fühlt. Der geliebt Sohn steigt ab bis in die Vergessenheit. Warum führt Gott seine geliebten Kinder so?

Weil ohne Zerbruch niemand fähig ist, Würde und Macht nicht zu missbrauchen. Jesus sagte einmal: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12,24). Von Jesus heißt es im Hebräerbrief: „Denn in dem was er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden“ (Hebräer 2,18). Wer für Gott brauchbar werden will, muss den tiefsten Abgrund des Lebens erfahren.

Ohne selbst unsere schwierigsten Veranlagung zu erleben und von uns abzulegen, werden wir immer fordern und nicht verstehen, wie Gott uns in seiner Gnade beschenkt. Wenn unser Egoismus und unsere Eigenleistung nicht sterben, dann kann Gottes Gnade nicht wachsen. Wir verstehen nicht, wie Gott die Menschen liebt und die Sünde hasst. Erst wenn ich erlebe, dass ich nie so leben kann, um vor Gott bestehen zu können, dann kann Gott mein Leben mit seiner Liebe prägen und umgestalten. Wer vor Gott kapituliert, erfährt wie Gott ihn und andere liebt.

Text: Hanspeter Obrist August 2017

Bild: Künstler: Rick Weinicke / Ort: Beit Avinu, Ein Karem, Israel

Jesus in der jüdischen Bibel
Abel – Der getötete Gottesknecht
Noah – Das Vertrauen in Gott hat ihn gerettet
Melchisedek – König der Gerechtigkeit
Der geheimnisvolle Gast von Abraham
Abrahams eigenartiger Opfergang
Jakobs Himmelsleiter
Jakobs Wende und neue Identität
Josef – Modell des Christusweges
Josef – gesandt, unterwegs, verworfen, verleumdet, verkauft
Josef – verworfen von aller Welt

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Josef bei Potifar    1.Mose 39,1 – 40,23  HFA
1 Die Ismaeliter hatten Josef nach Ägypten gebracht. Dort war er an den Ägypter Potifar verkauft worden, den Hofbeamten des Pharaos und Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache. 2 Der HERR half Josef, so dass ihm alles glückte, was er unternahm. Er durfte im Haus arbeiten, 3 und auch Potifar merkte bald, dass der HERR auf seiner Seite stand und ihm großen Erfolg schenkte. 4 Deshalb bevorzugte er ihn vor allen anderen Sklaven und machte ihn zu seinem persönlichen Diener. Er setzte Josef zum Hausverwalter ein und vertraute ihm seinen ganzen Besitz an. 5 Von da an segnete der HERR Potifar und ließ es ihm Josef zuliebe gut gehen. Die Arbeiten im Haus waren erfolgreich, es gab eine gute Ernte, und die Viehherden vergrößerten sich. 6 Potifars Vertrauen wuchs: Er ließ Josef freie Hand und kümmerte sich selbst um nichts mehr, außer um seine eigenen Speisen. Josef sah sehr gut aus. 7 Darum hatte auch Potifars Frau mittlerweile ein Auge auf ihn geworfen. »Schlaf mit mir!«, forderte sie ihn auf. 8 Aber Josef weigerte sich: »Du weißt doch: Mein Herr braucht sich im Haus um nichts zu kümmern – alles hat er mir anvertraut. 9 Ich habe genauso viel Macht wie er. Nur dich hat er mir vorenthalten, weil du seine Frau bist. Wie könnte ich da ein so großes Unrecht tun und gegen Gott sündigen?« 10 Potifars Frau ließ nicht locker. Jeden Tag redete sie auf Josef ein, er aber hörte nicht darauf und ließ sich nicht von ihr verführen. 11 Einmal kam Josef ins Haus, um wie gewöhnlich seine Arbeit zu tun. Von den Sklaven war gerade niemand anwesend. 12 Da packte sie ihn am Gewand. »Komm mit mir ins Bett!«, drängte sie. Josef riss sich los, ließ sein Gewand in ihrer Hand und floh nach draußen. 13-14 Potifars Frau schrie auf, rief nach ihren Dienern und zeigte ihnen Josefs Gewand. »Seht«, rief sie, »mein Mann hat uns einen Hebräer ins Haus gebracht, der jetzt mit uns umspringt, wie er will! Er wollte mich vergewaltigen, aber ich habe laut geschrien. 15 Da lief er schnell davon, doch dieses Gewand hat er bei mir zurückgelassen!« 16 Sie behielt Josefs Gewand und wartete, bis ihr Mann nach Hause kam. 17 Ihm erzählte sie dieselbe Geschichte und hielt ihm vor: »Dieser hebräische Sklave, den du ins Haus geholt hast, kam zu mir und wollte seinen Spaß mit mir haben. 18 Als ich laut zu schreien anfing, ließ er von mir ab und rannte hinaus. Doch sein Gewand blieb bei mir liegen – schau her!« 19 Als Potifar das hörte, geriet er in Zorn 20 und ließ Josef ins Staatsgefängnis werfen. 21 Aber der HERR hielt weiterhin zu Josef. Er stand ihm bei und sorgte dafür, dass der Gefängnisverwalter ihm wohlgesinnt war. 22 Josef wurde bald darauf von ihm zum Aufseher über die Gefangenen ernannt; er war nun verantwortlich für alles, was im Gefängnis geschah. 23 Der Verwalter brauchte sich um nichts mehr zu kümmern. Er vertraute Josef völlig, weil er sah, dass der HERR ihm half und ihm Erfolg schenkte.

Josef deutet Träume
1 Einige Zeit später hatten zwei Beamte des ägyptischen Königs ihren Herrn verärgert: der oberste Mundschenk und der oberste Bäcker. 2 Der Pharao war zornig auf sie. 3 Er warf sie in das Gefängnis, das dem Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache unterstellt war und in dem auch Josef festgehalten wurde. 4 Der Oberbefehlshaber beauftragte Josef damit, die neuen Gefangenen zu versorgen. Nach einiger Zeit 5 hatten beide in derselben Nacht einen besonderen Traum. 6 Als Josef am nächsten Morgen zu ihnen kam, fielen ihm ihre niedergeschlagenen Gesichter auf. 7 »Was ist los mit euch? Warum seid ihr so bedrückt?«, fragte er. 8 »Wir haben beide einen seltsamen Traum gehabt, aber hier gibt es niemanden, der uns die Träume deuten kann!«, klagten sie. »Es ist Gottes Sache, Träume zu deuten«, entgegnete Josef. »Erzählt mir doch einmal, was ihr geträumt habt!« 9 Der Mundschenk begann: »Ich sah einen Weinstock 10 mit drei Ranken. Als er Knospen trieb, waren sofort die Blüten da – und dann auch schon die reifen Trauben. 11 In meiner Hand hielt ich den Becher des Pharaos. Ich nahm die Trauben, presste ihren Saft in den Becher und gab dem König zu trinken.« 12 Josef erklärte ihm, was das zu bedeuten hatte. »Die drei Ranken sind drei Tage«, sagte er. 13 »In drei Tagen wird der Pharao dich aus dem Gefängnis herausholen1 und wieder in dein Amt einsetzen. Dann wirst du ihm wie früher als oberster Mundschenk dienen. 14 Aber denk an mich, wenn es dir wieder gut geht! Erzähl dem Pharao von mir und bitte ihn, mich hier herauszuholen! 15 Ich wurde aus dem Land der Hebräer entführt, und auch hier in Ägypten habe ich nichts Verbotenes getan. Ich sitze unschuldig im Gefängnis!« 16 Als der oberste Bäcker merkte, dass der Traum des Mundschenks eine gute Bedeutung hatte, fasste er Mut. »In meinem Traum trug ich drei Brotkörbe auf dem Kopf«, erzählte er. 17 »Im obersten Korb lag viel feines Gebäck für den Pharao, aber Vögel kamen und fraßen alles auf.« 18 »Die drei Körbe bedeuten drei Tage«, erklärte Josef. 19 »In drei Tagen wird der Pharao dich aus dem Gefängnis herausholen2 und an einem Baum erhängen. Die Vögel werden dein Fleisch fressen!« 20 Drei Tage später hatte der Pharao Geburtstag. Er gab ein großes Fest für seine Hofbeamten und ließ den obersten Mundschenk und den obersten Bäcker aus dem Gefängnis holen. 21 Vor allen Gästen setzte er den Mundschenk wieder in sein Amt ein, 22 aber den Bäcker ließ er aufhängen – genau wie Josef ihre Träume gedeutet hatte. 23 Doch der Mundschenk dachte nicht mehr an Josef, er vergaß ihn einfach.

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