Jesus in der jüdischen Bibel

Gott möchte uns durch das „Alte Testament“ (den jüdischen Tanach) das Geschehen am Kreuz begreiflich machen.

Gott, der Herr, machte für die beiden Kleider aus Fell. (1.Mose 3,21)

Was muss es für Adam und Eva für ein Schock gewesen sein, als Gott ein Tier tötete und damit ein Schöpfungswerk von sich zerstörte, um daraus für sie Kleider zu machen.

Wie kam es dazu? Gott sah alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut (1.Mose 1,31). Alles hatte seine Ordnung, doch der Mensch rebellierte. Er wollte mehr haben und sein. Da plötzlich erlischt aller Glanz. Er sieht sich in einem anderen Licht. Er vergleicht. Vor Gott steht der Mensch mit leeren Händen da. Er erschrickt vor sich selber. Die Bibel sagt: „Er merkte, dass er nackt ist“ (1.Mose 3,7). Sofort versucht er sich zu bedecken und versteckt sich. Doch Gott sucht ihn: „Adam wo bist du?“ (1.Mose 3,9)

Was für Gedanken gingen wohl Adam durch den Kopf, als er sah, wie ein Tier nur wegen ihm sterben musste. Unbegreiflich! Doch es musste sein, denn nur in diesen Kleidern konnte der Mensch vor Gott weiter bestehen. Auch der Tod von Jesus ist menschlich gesehen unverständlich. Doch es ist der Weg, wie wir vor Gott bestehen können.

Jesus erzählte einmal eine Geschichte von einem Fest. Ein Mann war in seiner eigenen Kleidung gekommen. Doch ohne Festgewand konnte er nicht Teil der Festgesellschaft sein (Matthäus 22,12). Vom neuen Jerusalem heißt es, dass die Glaubenden ein neues Kleid erhalten (Offenbarung 3,5). Zinzendorf formulierte es so: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich in den Himmel werd eingehn.“

Durch den Tod des unschuldigen Tieres, dem allerersten Tod in der Bibel, wurde erschreckend deutlich, welch ein Unheil, welch furchtbare Wirklichkeit die Sünde – die Rebellion gegen Gottes Schöpfungsabsicht – ist. Paulus schreibt: „Der Tod ist die Konsequenz der Sünde“ (Römer 6,23). Ohne Abkehr von Gott durch den Menschen hätte Jesus nicht für uns sterben müssen.

Alle unsere eigenen Versuche, uns wiederherzustellen, sind wie Feigenblätter, die nicht genügen.

In großer Beschämung standen Adam und Eva vor Gott, und so steht auch jeder von uns vor Gott. Es ist bewegend, wie Gott zu Hilfe eilt. Hier wird die Liebe Gottes sichtbar. Er sorgt als der himmlische Vater für die rechte Kleidung. In Jesus wird die gleiche Liebe sichtbar, die uns durch seinen Tod am Kreuz unsere Scham wegnimmt und uns zu freudigen Kindern Gottes macht.

Der entscheidende Punkt ist, dass wir einsehen, dass unsere Feigenblätter – unsere Selbstgerechtigkeit – vor Gott nicht genügen. Jedes „Tue recht und scheue niemand“ oder „Ich habe immer meine Pflicht getan“ oder „Ich schulde niemandem etwas“ ist eine armselige Bekleidung in der Gegenwart von Gottes Herrlichkeit. Wir brauchen Gottes Kleid, das er uns anzieht. „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde“ (1.Johannes 1,7) – das ist das Kleid der Gerechtigkeit.

Jesaja schreibt: „Ich freue mich im Herrn … denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet.“ (Jesaja 61,10)

Hanspeter Obrist Januar 2016

PDF zum Ausdrucken:  Jesus in der jüdischen Bibel – Kleider aus Fell

 

Christi Blut und Gerechtigkeit

1. Christi Blut und Gerechtigkeit,
das ist mein Schmuck und Ehrenkleid;
damit will ich vor Gott bestehn,
wenn ich zum Himmel werd eingehn.

2. Ich glaub an Jesum, welcher spricht:
Wer glaubt, der kommt nicht ins Gericht.
Gottlob, ich bin schon frei gemacht,
und meine Schuld ist weggebracht.

3. Drum soll auch dieses Blut allein,
mein Trost und meine Hoffnung sein;
ich bau im Leben und im Tod
allein auf Jesu Wunden rot.

4. Und würd ich durch des Herrn Verdienst
auch noch so treu in seinem Dienst,
gewönn den Sieg dem Bösen ab
und sündigte nicht bis ins Grab:

5. So will ich, wenn ich zu Ihm komm,
nicht denken mehr an gut und fromm,
sondern: da kommt ein Sünder her,
der gern für’s Lösgeld selig wär.

6. Wenn nun kam eine böse Lust,
so dankt ich Gott, dass ich nicht mußt;
ich sprach zur Lust, zum Stolz, zum Geiz:
dafür hing unser Herr am Kreuz.

7. Solang ich noch hienieden bin,
so ist und bleibet das mein Sinn:
ich will die Gnad in Jesu Blut
bezeugen mit getrostem Mut.

8. Du Ehrenkönig, Jesu Christ,
des Vaters einzger Sohn Du bist;
erbarme Dich der ganzen Welt
und segne, was sich zu Dir hält!

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700 – 1760)  wurde 1700 in Dresden geboren. Er gründete Herrnhut und war Stifter und Bischof der Brüdergemeine.

Siehe auch:

Jesus in der jüdischen Bibel
Abel – Der getötete Gottesknecht
Noah – Das Vertrauen in Gott hat ihn gerettet
Melchisedek – König der Gerechtigkeit
Der geheimnisvolle Gast von Abraham
Abrahams eigenartiger Opfergang
Jakobs Himmelsleiter
Jakobs Wende und neue Identität
Josef – Modell des Christusweges

 

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