Hightech bringt Hamas in Bedrängnis

Bislang priesen die radikalen Palästinenser im Gazastreifen ihre unterirdischen Gänge nach Israel als Wunderwaffe. Seit dem Krieg investierte die Regierung mehr als 150 Millionen Euro in neue Technologien, die die kleinen, oft von Hand gegrabenen Tunnel entdecken sollen. Offenbar waren diese Anstrengungen erfolgreich: Israel verfüge jetzt als erste Nation der Welt über die Fähigkeit, Tunnel aufzuspüren, verkündete der Premier am 18. April, kurz nachdem die Armee erstmals seit Ende des Krieges einen Tunnel entdeckt und gesprengt hatte. Die Entdeckung eines zweiten Tunnels in Grenznähe scheint zu bestätigen, dass Netanjahu recht hatte.

Offizielle Sprecher beschreiben nur vage, wie die Entdeckung der Tunnel gelang: „Es ist der Zusammenfluss geheimdienstlicher Informationen, der Einsatz schweren Geräts vor Ort und neuer Technologien„, sagt Armeesprecher Oberstleutnant Peter Lerner der „Welt“. Laut einem Kommuniqué des Inlandsgeheimdienstes lieferten Festnahme und Verhör eines Hamaskämpfers, der vor einem Monat mit zwei Messern aus Gaza in Israel eindrang, um ein Attentat zu begehen, der Armee die wichtigsten Informationen über die Tunnel.

Die Armee prüfe Prototypen verschiedener Systeme, die sich im Feld bereits bewährt hätten. Nitzan Nuriel ist ehemaliger Leiter des Antiterrorstabs der Regierung und gilt als einer der wichtigsten Tunnelexperten im Land. Er schätzt im Gespräch mit der „Welt“: „Innerhalb von zwei bis drei Jahren wird die Hamas uns mit keinem Tunnel mehr überraschen können.“ Wie genau das funktionieren soll – darüber schweigt er sich aus. Er verrät nur, dass der Versuch, Tunnel mit akustischen Mitteln aufzuspüren, fehlgeschlagen sei. Andere Experten verraten, dass man kleinste Veränderungen im Sauerstoffgehalt der Erde messen könne. Das Gas dränge durch Tunnel ins Erdreich und gebe so Aufschluss über Grabungen.

Hamas fürchtet um ihr wichtigstes strategisches Druckmittel. Der psychologische Effekt der Tunnels dauert bis heute an. Und so investieren die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, laut israelischen Geheimdiensten rund ein Drittel ihres Budgets in Tunnel.

Israels Durchbruch stellt die Hamas vor ein Dilemma. Trotz schwerer Opfer kann sie keine echten Errungenschaften vorweisen: Der Wiederaufbau Gazas steht still, die Wirtschaft liegt brach, Armut und Unmut in der Bevölkerung wachsen. Die Tunnel waren für den Kriegsfall gedacht oder als Druckmittel, um Israel zu Zugeständnissen zu bewegen. Jetzt muss sie die Waffenruhe einhalten und zusehen, wie ihre Investitionen verloren gehen, oder zu den Waffen greifen, bevor sie wirklich dazu bereit ist.

Am vergangenen Mittwoch (4. Mai 2016) eröffneten die Islamisten zum ersten Mal seit Kriegsende das Feuer auf israelische Soldaten, die an der Grenze nach Tunneln suchten. Bis Freitag schossen sie Mörsergranaten und eine Rakete auf Israel ab. Die Antwort bestand aus Panzerbeschuss und Luftangriffen, bei denen niemand zu Schaden kam. Nach einem ruhigen Wochenende schien eine weitere Eskalation unwahrscheinlich. Ausschließen will sie indes niemand mehr. mehr Informationen

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