Der Islamische Staat vertreibt Christen im Sinai

Der 37-jährige Taxifahrer Rami Makram glaubt nicht, dass Armee und Polizei derzeit gegen die Extremisten in seiner Heimatstadt eine Chance haben. „Man kämpft gegen Unbekannte. Sie leben mitten unter uns. Sie tragen normale Kleidung und kommen unentdeckt durch die Checkpoints. Zwischendurch töten sie, und danach tarnen sie sich wieder. Die Terroristen, die Wael ermordeten, haben in aller Ruhe Softdrinks getrunken und Chips gegessen, als wollten sie damit sagen: Wir fürchten uns weder vor euch, noch vor der Polizei.“

„Wael war einer meiner besten Freunde. Vor zwei Jahren hatte er schon einmal eine Drohung bekommen. Wir haben ihm damals geraten wegzugehen. Aber er hatte es abgelehnt.“

Immer häufiger werden koptische Christen in Ägypten zum Ziel von Terrorgruppen wie dem „Islamischen Staat„. Hunderte Christen sind inzwischen vom Nordsinai geflohen. Nach einer langen Flucht sind die Kopten froh, in der christlichen Kirchengemeinde von Ismailiyya Unterschlupf zu finden.

Zu den Geflüchteten gehört auch die Witwe Magda Boutrus, die mit ihrer Familie fast 40 Jahre lang in Al-Arish lebte, bis ihr Sohn Wael am 30. Januar 2017 ermordet wurde.

Im Januar und Februar ermordeten die Terroristen mindestens sieben ägyptische Christen in dem Ort. Es waren keine Morde, sondern Hinrichtungen. Magda Boutrus beschreibt den Moment, als ihr Sohn Wael hingerichtet wurde. „Die Nachbarn hörten die Schüsse. Sie kamen angerannt und riefen ‚Wael Wael‘. Sie hatten Angst um ihn. Er war beliebt bei allen. Er hat sich immer um alle gekümmert. Die Muslime weinten fast mehr um ihn als die Christen.“

Alle befragten christlichen Flüchtlinge schwärmen vom Verhältnis zu ihren muslimischen Nachbarn. Es hat offenbar auch in Al-Arish einen Alltag gegeben, der noch nicht von Politik, radikalen Ideologien und von den Extremisten vergiftet worden war.

Unser Verhältnis war so gut, das kann man sich gar nicht vorstellen. An Festtagen haben sie uns Fleisch und Gebäck gebracht. Als mein Enkelkind einen Unfall hatte, haben ihn die Muslime im Krankenhaus besucht und uns Hilfe angeboten.“ Doch dieses Miteinander ist Vergangenheit. Nach Angaben der Behörden sollen bis Anfang März rund 250 christliche Familien Al-Arish verlassen haben. Vermutlich sind aber inzwischen fast alle der insgesamt rund 2.500 Christen geflohen. Als die IS-Terroristen Mitte Februar damit begannen anti-christliche Drohbotschaften zu verbreiten, auf Flugblättern und in einem Video, das im Internet auftauchte, da entstand Panik.

Die geflohenen Christen gehören fast ausnahmslos der orthodoxen Koptischen Kirche an. Trotzdem sind die ersten 195 Familien zur kleinen Evangelischen Gemeinde in Ismailiyya gekommen. Dass die Gemeinde arm ist, sieht man schon an der schmucklosen Kirche, die ewig nicht renoviert wurde. „Wie sollen wir den fast 200 Familien helfen?“, fragte sich damals Nabil Shokrallah, der Pfarrer. „Als ich zur Kirche fuhr, um die ersten Flüchtlinge zu versorgen, da hatte ich von zu Hause vier Decken mitgenommen und ins Auto gepackt. Da liegen sie immer noch. Der Herr hat uns alles geschickt, was wir brauchen.“ Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung sei überwältigend gewesen.

Ein Kopte berichtet: Von den ursprünglichen 540 koptischen Familien sind nur noch sieben in der Stadt geblieben. An eine Rückkehr der Christen in ihre Heimatstadt glaubt er nicht: „Nach den ersten Morden kamen Muslime zu mir und sagten: Komm in mein Haus, wenn du Angst hast. Andere haben gefragt: Worauf wartest du? Wäre es nicht besser, wenn du deine Familie nimmst und sie in Sicherheit bringst? Aber ich habe nie wirklich gewusst, ob sie sich Sorgen machen oder ob sie froh sind, wenn sie dich los sind.“    mehr Informationen

Ägypten: Die Flucht der Kopten

Die IS bedrohen und ermorden Kopten in der Sinai-Halbinsel.  Jetzt sind zahllose Mitglieder dieser christlichen Gemeinschaft auf der Flucht vor der Gewalt der Islamisten. Eindrücklicher Film-Bericht von arte:   http://ow.ly/zWhY309vTRg Der Papst fragt: ‚Wie viele von Ihnen beten für die verfolgten Christen?‘ Franziskus ermutigt gemeinsam für die verfolgten Christen aller Konfessionen zu beten: evangelisch, katholisch und …  weiterlesen

IS erklärt Christen in Ägypten den Krieg

Der „Islamische Staat“ (IS) hat am Montag 20.02.17 ein Drohvideo veröffentlicht, in dem er den Christen in Ägypten den Krieg erklärt. Nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sind allein in den vergangenen drei Wochen im Nordsinai vier koptische Christen von radikalen Islamisten ermordet und eine unbekannte Zahl vertrieben worden. Der „Islamische Staat“ erklärt, … weiterlesen

Allianz der Terroristen – Hamas sendet Botschafter zu Sinai-IS

Die Allianz zwischen islamischen „Hamas“ im Gazastreifen und dem Ableger der IS-Terrormiliz auf der angrenzenden Sinai-Halbinsel gedeiht schon seit Monaten. Jetzt berichten Analysten, dass die Hamas sogar einen eigenen „Botschafter“ in die IS-Provinz entsandt haben soll. Der Hamas-Kommandeur Mohamed Shahwish soll vor einigen Tagen über die Grenze zum Sinai gereist sein, um dort den Waffenschmuggel …  weiterlesen

Die Anfänge des Islams

„Religionsgeschichtlich ist der Islam eine Mischung aus Elementen des Christentums, des Judentums und vorislamischer arabischer Religionen“, sagt der Kieler Islamwissenschaftlers Prof. Dr. Lutz Berger. Allerdings sei die Nähe zum Judentum stärker als die zum Christentum. Vom eigenen Selbstverständnis der Muslime her sei der Islam die Offenbarung Gottes, die der Prophet Mohammed empfangen habe.

Die Elemente der vorislamischen Religionen seien entscheidend dafür gewesen, dass der Islam für die Araber attraktiv war und sie nicht den damals in der Region verbreiteten christlichen Glauben angenommen hätten.

Am 17. Januar 2017 besuchte die Ministerin für Toleranz, Scheich Lubna Al Qasimi, mit 30 christlichen Leitern die Ausgrabungen des christlichen Klosters auf Abu Dhabi’s Western Island Sir Bani Yas.

Die Ausgrabung zeigt auf, dass die Christen vor und während der ersten Jahre des Islams in den Vereinten Arabischen Emiraten präsent waren.

Andere christliche Orte gibt es auch in Kuwait (Akaz und Al Qusur auf Failaka Island), Saudi Arabien (Jubail) und Iran (Kharg Island). weiterlesen

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