Welchen Beruf hatte Josef, der Mann von Maria?

A) Bauhandwerker in Nazareth
B) Hirte aus Bethlehem in Nazareth
C) Zimmermann in Bethlehem

Josef ist der Verlobte und später Ehemann von Maria, der Mutter Jesu. Sie lebten in einer Siedlung von Bauhandwerker und Bauern, die von Bethlehem nach Nazareth Galiläa gezogen waren. Der Grund lag wahrscheinlich darin, dass es in der zwei Fußstunden nördlich gelegenen Großstadt Sepphoris (Zippori) genügend Arbeit gab. Sie wollten aber dennoch unter sich leben.

Die Leute von Bethlehem sind bekannt als Steinmetze und Hirten. Es gab mehrere Siedlungen von Leuten aus Bethlehem, die sich messianische Namen gaben, wie das Dorf des Sternes (Kochba, nach 4. Mose 24,17). Ihnen war bewusst, dass eines Tages der Messias aus ihren Reihen kommen wird.

Eine dieser Siedlungen hieß Nazareth. Sie nannten sich selbst Nozrim (Nazarener) und Dorf der Sprösslinge (Nazara) nach den Worten vom Propheten Jesaja 11,1: „Ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling (Nezer) aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen.“

Der Beruf von Josef wird mit dem griechischen τέκτων Tekton angegeben (einer, der Häuser baut, Matthäus 13,55 / Markus 6,3), das damals so viel wie ‚Bauhandwerker‘, auch ‚Architekt‘ oder ‚Baumeister‘ bedeutete und alle Tätigkeiten beim Hausbau einschloss. Da die Häuser im Nahen Osten vorwiegend aus Steinen gebaut wurden war Josef und damit auch Jesus ein Baumeister. Luther übersetzte „Zimmermann“, da in Europa damals viele Häuser aus Holz gebaut wurden. Interessant ist, dass sich Jesus in seinen Gleichnissen mehrheitlich auf Steine und nicht auf Holz bezog.

Josef bedeutet (יוֹסֵף, yōsēf = er [Gott] fügt hinzu) und geht zurück auf den Josef, den Sohn Jakobs.

Nachdem Josef mit 13 Jahren religionsmündig geworden war, sahen sich die Eltern, wie damals üblich, nach einer geeigneten Frau um. Mit Maria wurde man fündig. So wurden sie nach jüdischer Sitte verlobt.

Maria verbrachte 3 Monate bei ihrer Verwandten Elisabeth in Judäa (Lukas 1,56). Als sie zurückkam, war es offensichtlich, dass sie schwanger war. Für Josef brach eine Welt zusammen. Maria musste Ehebruch begangen haben oder von einem Römer vergewaltigt worden sein. Für ihn gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder er machte seiner Verlobten den öffentlichen Prozess, der sogar mit dem Tod von Maria enden könnte, oder er trennte sich stillschweigend von ihr. Als frommer Mann entschied er sich für die stillschweigende Trennung (Matthäus 1,19).

Durch einen Engel erfuhr Josef im Traum, dass Maria nicht von einem anderen Mann schwanger war, sondern dass das Kind ein Wunder Gottes ist. Ein neuer, einmaliger Mensch war am Entstehen, nicht fassbar, nicht rational erklärbar. So nahm Josef Maria zu sich nach Hause. Das Ganze muss ziemlich überstürzt geschehen sein. Sicher war die Gerüchteküche voll im Gang und das junge Paar stand ziemlich unter Druck.

Josef  und wurde so „hinzugefügt“ und zum gesetzlichen Vater von Jesus. Als Vater von Josef wird im Geschlechtsregister des Matthäusevangeliums Jakob genannt (Matthäus 1,16), im Geschlechtsregister des Lukasevangeliums hingegen Eli (Lukas 3,23).

Der Unterschied könnte von den Regelungen über die Erbtöchter aus Numeri 27,8 entstanden sein. Der Mann einer Erbtochter musste sich in das Geschlecht ihres Vaters einschreiben lassen und bekam dadurch zwei Väter (Nehemia 7,63; 1. Chronik 2,21 u. 22. vgl. 4. Mo 32,41). Wenn Maria keine Brüder hatte, so wurde ihr Ehemann damit nicht nur Schwiegersohn ihres Vaters Eli, sondern auch rechtlicher Sohn. Der Stammbaum von Matthäus würde dann die natürliche Linie von Josef beschreiben und die von Lukas die eingeheiratete Linie über die biologische Familie von Maria, welche auch von David abstammt.

Die Katholische Kirche erklärt den Unterschied mit der Verwandtenehe. Nach 5. Mose 25,5-10 war ein Mann verpflichtet seine Schwägerin zu heiraten, wenn sein Bruder kinderlos verstorben war, damit sein Erbteil erhalten blieb. Die Großmutter von Joseph habe einen Mann geheiratet, gemeinsam hätten sie den Sohn Jakob gehabt. Nach dem Tod des Mannes habe sie einen anderen Verwandten geheiratet und mit ihm den Sohn Eli gehabt. Eli habe geheiratet, verstarb aber kinderlos. Deshalb habe Jakob seine Schwägerin geheiratet und so dem Eli einen juristischen Nachkommen geschenkt. Dieser wäre damit einerseits der biologische Sohn von Jakob und andererseits rechtlich auch der Sohn Elis.

Da die Bibel betont, dass Jesus ein Nachkomme von David ist, bleibt nur die Variante einer Erbtochter übrig, weil Jesus dann leiblich von David abstammt und in Anlehnung an die Verheissung an Eva, dass von ihr allein der Retter stammen wird (1.Mose 3,15).

Josef tritt ausschließlich in der Kindheitsgeschichte von Jesus auf. Daraus schließt man, dass er noch vor dem öffentlichen Auftreten Jesu gestorben ist.

Die griechisch-orthodoxe und die römisch-katholische Tradition nehmen an, Josef habe auch nach der Geburt Jesu mit Maria eine sogenannte „Josefsehe“ ohne sexuellen Kontakt geführt. Die neutestamentlich bezeugten Geschwister Jesu wären dann als ein Kreis von nahen Verwandten zu verstehen.

Papst Pius IX. erklärte im Jahr 1870 den heiligen Josef  zum Schutzpatron der Katholischen Kirche. Pius XII. führte 1955 den Gedenktag Josef der Arbeiter ein. Josef wurde auch zum Schutzpatron der Sterbenden, der Jungfrauen und der Eheleute. Der 19. März wird in der Katholischen Kirche seit dem 12. Jahrhundert zu Ehren des heiligen Josef begangen, heute als Hochfest. Die Orthodoxe Kirche feiert den 16. Dezember.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someonePrint this page

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.