Wie antisemitisch ist Deutschland heute?

Fast genau 73 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz diskutierte Anne Will am Sonntagabend 28.1.2018 in der ARD mit ihren Gästen über Antisemitismus in Deutschland. Ihre Sendung hatte sie provokant mit der Frage überschrieben: „Wie antisemitisch ist Deutschland heute?“

Vor allem Bejaranos Augenzeugenberichte waren außergewöhnlich und machten die Sendung zu etwas Besonderem. Die 93-Jährige überlebte als junge Frau die Konzentrationslager Ravensbrück und Auschwitz. Bejaranos Lebensgeschichte und ihre Erzählungen bewegten die Herzen, ihre Schilderungen ließen es dem Zuschauer an diesem Abend kalt den Rücken runterlaufen. Später radikalisierte sie ihre Aussagen und erklärte sogar, „dass Deutschland immer antisemitisch war. Dass sich da nicht viel geändert hat.“ Esther Bejerano setzt sich für den antisemitischen BDS ein. Der BDS (Boycott Divestment Sanctions) zielt auf die Vernichtung Israels, nicht nur auf Warenboykott. mehr Informationen

Bemerkenswert war der Beitrag von Wenzel Michalski, Direktor Human Rights Watch Deutschland. Sein Sohn wurde in der Schule von türkischen und arabischen Mitschülern beleidigt, geschlagen und bei einer „Scheinhinrichtung“ gewürgt. Nicht nur für ihn ein Skandal: Die Lehrer hätten sich nicht gekümmert, ja sogar Verständnis für die Täter gezeigt, wegen „ihrer Erfahrungen“ würde es Muslime halt „aggressiv machen, wenn ein Jude in der Klasse sei.“

Die aus Palästina stammende Sawsan Chebli, SPD-Staatssekretärin, behauptete:  „90 % der antisemitischen Straftaten werden von rechts begangen und nicht von Muslimen und nicht von Migranten“, was allen Studien widerspricht (20% von links, 15% von rechts, 48% von muslimischen Person – siehe unten).  mehr Informationen

In einer Online Umfrage erklärten 27 Prozent der europäischen und 11 Prozent der amerikanischen Juden, sie würden sich unsicher fühlen.

In der Umfrage der Zionistischen Weltorganisation erklärten 51 Prozent der Europäer, das Zeigen jüdischer Symbole in der Öffentlichkeit würde bei ihnen Gefühle der Unsicherheit erwecken. In Nordamerika lag dieser Anteil bei 22 Prozent.

Fast ein Drittel der europäischen Antwortenden sagten, sie hätten einen Vandalismus beinhaltenden antisemitischen Zwischenfall erlebt oder mitverfolgt, verglichen mit 11 Prozent weltweit. Weltweit erklärten die meisten der Antwortenden, die Zwischenfälle erlebt hatten, diese nicht der Polizei zu rapportieren. 42 Prozent sagten, sie hätten kein Vertrauen darin, dass die Behörden auf Grund ihrer Beanstandungen reagieren würden.  mehr Informationen

In einer Umfrage unter hunderten von in Europa lebenden Israeli erklärte fast die Hälfte von ihnen, an keiner Art von jüdischem Gemeindeleben oder Anlässen an ihrem Wohnort teilzunehmen. Nach ihrer Identität befragt, beschrieben 73 Prozent der Israeli in Europa sich säkular, und nur 38 Prozent sagten, sie seien auch jüdisch. Viele der Antwortenden erklärten, sie würden nicht an Gemeindeaktivitäten teilnehmen, weil diese zu sehr glaubensorientiert seien. Allein in Großbritannien, Holland und Deutschland leben schätzungsweise über 100’000 Israeli. mehr Informationen

Viele Juden sind also in der Öffentlichkeit gar nicht als Juden wahrnehmbar.

Eine Studie über „Jüdische Perspektiven in Deutschland“ kommt zum  Ergebnis:

Die Ängste und Sorgen von jüdischen Menschen über offenen und verstecken Antisemitismus sind weit verbreitet, Antisemitismus wird erlebt in der analogen wie digitalen Welt und die Erwartungen von Jüdinnen und Juden in Bezug auf den Antisemitismus sind negativ.
Die meisten Interviewpartnerinnen und –partner (IP) gehen mit den jüdischen Symbolen in der Öffentlichkeit sehr vorsichtig um bzw. vermeiden sie seit dem Jahr 2014 zu zeigen.
Diejenigen, die durch jüdische Symbole in der Öffentlichkeit erkennbar sind, berichten von häufigen bis sehr häufigen alltäglichen Antisemitismuserfahrungen, besonders oft ausgehend von muslimischen Bürgern als Tätern.
Die meisten Betroffenen sind sich über ihre Zukunft in Deutschland nicht sicher, haben vor dem in den letzten Jahren aus ihrer Sicht  zunehmendem Antisemitismus Angst und schließen die Möglichkeit nicht aus auszuwandern, wenn Antisemitismus zunimmt. Einige Kinder der interviewten Betroffenen sind nach Israel ausgewandert.
Bei den erlebten versteckten Andeutungen handelte es sich in etwa  zwei Dritteln der Fälle (61%) um eine einzelne Person als Täter oder Täterin.
20% der befragten Personen beschreiben die Täter(-gruppe) als linksextrem, 15% als rechtsextrem, nahezu die Hälfte (48%) als muslimische Person und etwa ein Viertel (27%) als christlich.
Mehr als die Hälfte aller Befragten (59%) sorgt sich um versteckte Angriffe auf Familienmitglieder oder andere nahestehende Personen in den nächsten zwölf Monaten. Ähnlich viele
Befragte (57%) sorgen sich um mögliche verbale Beleidigungen und Belästigungen. Mögliche körperliche Angriffe auf das persönliche Umfeld in den nächsten 12 Monaten stellt für 45 % ein Grund zur Besorgnis dar.
Die Mehrheit von fast 58% fühlt sich unsicherer seit der Zuwanderung und 70% äußern Bedenken, dass der Antisemitismus steigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.