Verbot von Segensfeiern in der Katholischen Kirche

Kardinal Marcello Semeraro, hat das vatikanische Verbot von Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare verteidigt. „Die Kirche ist kein Staat, der je nach dem, was er für opportun erachtet, Gesetze erlässt, sondern ist dem Willen Gottes unterworfen“, sagte er in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Die Kirche könne „kein Paar mit einem Segen legitimieren“, das nicht dem christlichen Bild der Ehe entspreche. „Das gilt auch für heterosexuelle Lebensgemeinschaften, die nicht verheiratet sind“, so der Dogmatiker, der auch Sekretär des Kardinalsrates und enger Vertrauter von Papst Franziskus ist.

Eine Diskriminierung von Homosexuellen bedeute das Dokument der Glaubenskongregation, das am Montag veröffentlicht wurde, nicht, meint Semeraro.

Er tritt wie auch Papst Franziskus für eine staatliche Anerkennung und Absicherung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften ein. „Aber das ist ein anderes Thema, es betrifft die staatliche Gesetzgebung.“

„Ich glaube, die abgewogenste Haltung besteht darin, über die innere Situation nicht zu urteilen. Dennoch bleibt es dabei, dass die Kirche nicht eine Verbindung anerkennen kann, die von den Heiligen Schriften nicht vorgesehen ist.“  mehr Informationen

Die „Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands“ (kfd) lehnt das Nein der römischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare ab.

Auch mehrere katholische Theologen äußerten sich kritisch zur Klarstellung des Vatikans: Der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz und der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet werfen der Glaubenskongregation in einem Beitrag für das Portal „katholisch.de“ Fixierung auf die menschliche Sexualität vor. Die Kirche, so unterstellen die Theologen, habe seit Veröffentlichung der Enzyklika „Humanae vitae“ die gesellschaftliche Relevanz in dieser Thematik verloren.

Falsche Erwartungen werden immer mehr auch von Bischöfen geweckt, die die Kirche zwar anschlussfähiger und zeitgeistkonformer machen wollen nach dem Motto: „Die Kirche und ihre großen Theologen waren immer auch zeitgeistig“ (Bischof Peter Kohlgraf). Sie übersehen dabei, dass es eine Weltkirche gibt, die es nicht verträgt, dass einzelne Ortskirche nationale Sonderwege gehen. So macht der jüngste Fall des Eingreifens der Glaubenskongregation die große Gefahr deutlich, die dem Synodalen Weg dort drohen, wo er den Boden der kirchlichen Lehre und des katholischen Glaubenssinns verlässt: Das wird in einer gewaltigen Frustration enden, die dann noch mehr Menschen aus der Kirche treibt.

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers erklärte auf Anfrage der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA), die Absage sei für ihn enttäuschend. „Dieses Schreiben gibt die augenblickliche katholische Lehre wieder und zeigt keine Weiterentwicklung aufgrund heutiger humanwissenschaftlicher Erkenntnisse und gegenwärtiger pastoraler Notwendigkeiten“, so Timmerevers wörtlich. Gleichzeitig betonte Timmerevers, dass das Thema der Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren mit der jüngsten Klarstellung des Vatikans noch nicht beendet sei. Er erhoffe sich eine Fortschreibung und Neupositionierung aufgrund der Äußerungen des Papstes in seinem 2016 veröffentlichten Lehrschreiben „Amoris laetitia“. „Dort wünscht der Papst, dass in der Kirche pastorale Ausgrenzungen zu überwinden und die Menschen seelsorglich zu begleiten und zu integrieren sind. Das sollte nicht nur ein Wunsch bleiben, sondern auch erlebbar werden“, meinte Timmerevers, der sich bereits zuvor mehrmals für eine Segnung homosexueller Paare ausgesprochen hatte.

US-Kardinal Kevin Farrell, der das Vatikan-Dikasterium für Laien und Familie leitet, sagte am 18.3.21: „Wenn die Kirche von Ehe spricht, spricht sie von sakramentaler Ehe. Nicht von zivilen Lebensgemeinschaften, nicht von anderen Formen von Ehe, sondern von sakramentaler Ehe. Und ‚Amoris laetitia‘ dreht sich um sakramentale Ehe.“ „Das bedeutet nicht“, so Farrell weiter, „dass nur die, die kirchlich verheiratet sind, in den Genuss der pastoralen Fürsorge der Kirche kommen. Es gibt viele, verschiedene, seelsorgliche Situationen in der heutigen Welt, im Leben, in jeder Pfarrei, in denen Menschen nicht voll am Leben der Kirche teilhaben können. Aber das heißt nicht, dass wir, dass die Leute in den Pfarreien sie nicht begleiten sollten. Wir begleiten alle Menschen!“ „Segen hängt mit dem Sakrament der Ehe zusammen.“ mehr Informationen

Der Moskauer Metropolit Hilarion Alfejew betont Übereinstimmung in der Lehre der katholischen und der orthodoxen Kirche zur Segnung homosexueller Paare. Eine kirchliche Trauung oder ein Segen seien nicht möglich. Nicht ausgeschlossen sei jedoch, Homosexuellen einzeln den Segen zu spenden. Wie das Außenamt des Moskauer Patriarchats auf seiner Website meldet, habe der Metropolit in seiner wöchentlichen TV-Sendung „Kirche und Welt“ darauf hingewiesen, dass in diesem Punkt die offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche übereinstimmen würden. Zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und der christlichen Ehe bestehe ein Wesensunterschied, so Hilarion. Gleichzeitig sei es nicht ausgeschlossen, so Hilarion weiter, dass homosexuelle Menschen einzeln einen Segen empfingen. Ein Priester habe nicht das Recht, solch einer Bitte nicht zu entsprechen. „Wir segnen nicht ihre sündhafte Lebensweise, wir segnen den Menschen“. mehr Informationen

The Third Way / Der dritte Weg

Ein 40-minütiger Dokumentarfilm, der die Lehren der katholischen Kirche über Homosexualität mit Betroffenen darstellt. Es geht dabei darum, wo wir unsere Identität fest machen. (Untertitel in verschiedenen Sprachen können angewählt werden (CC)).

Es gibt auch Kirchen, die gleichgeschlechtliche Paare segnen. Daher haben Paare mit einem Segenswunsch eine Möglichkeit einer ihnen entsprechende Kirche beizutreten.

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