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Abraham – Leben mit Schwächen

Abraham ist ein Vorbild im Glauben. Im letzten Beitrag über Abraham haben wir gesehen, wie er sich zurücknehmen konnte und Gott ihn gesegnet hat. Eine Aussage war: „Solange wir unser Recht in die eignen Hände nehmen, berauben wir uns der Freiheit, Dinge loszulassen.“ Heute geht es einen Schritt weiter: „Versuchung ist, selbst in die Hand zu nehmen, was Gott uns geben möchte.“

Abraham macht nicht nur alles richtig. Das ist für uns eine Ermutigung. Tröstlich für uns ist, dass die meisten Personen in der Bibel Fehler gemacht haben, aber Gott weiterhin mit ihnen unterwegs war. Eine bekannte Geschichte ist die von Jona, der nach Ninive gehen sollte, aber vor diesem Auftrag flüchtete. Auch Mose, der große Prophet Israels, machte nicht immer, was Gott ihm aufgetragen hatte. Anstatt den Felsen anzusprechen, hat er ihn geschlagen, wie er es schon einmal gemacht hatte. Er handelte aufgrund seiner Erfahrung und nicht auf Gottes Anweisung hin. Die Konsequenz war, dass er später nicht ins Gelobte Land einziehen durfte. Wir sehen: Als Menschen machen wir Fehler. Das ist aber noch kein Grund, dass Gott sich von uns abwendet. Vielmehr versucht er uns immer wieder auf Kurs zu bringen. Da ist das Bild eines GPS-Gerätes hilfreich. Wenn wir uns verfahren haben, dann weist es uns vom neuen Standort aus immer wieder auf das Ziel hin.

Wir können nur staunen, wie Abraham Gott vertraute, auch wenn er die Erfüllung der Verheißungen nicht unmittelbar erlebte. Darin ist er uns ein Vorbild. Auch wir wollen Gott vertrauen, dass er seine Zusagen an uns einhält.

Doch es gibt Zeiten, da kommt alles durcheinander. Eine solche Zeit war in Abrahams Leben eine plötzliche Hungersnot. Was sollte er tun? Im Land bleiben oder nach Ägypten gehen, wo es genügend Nahrung gab?

Wir lesen in 1.Mose 12:

10 Es kam aber eine Hungersnot über das Land. Da zog Abram nach Ägypten hinab, um sich dort als Fremder niederzulassen; denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land.

11 Als er sich Ägypten näherte, sagte er zu seiner Frau Sarai: Ich weiß, du bist eine Frau von großer Schönheit. 12 Wenn dich die Ägypter sehen, werden sie sagen: Das ist seine Frau! Und sie werden mich töten, dich aber am Leben lassen. 13 Sag doch, du seist meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe. 14 Als Abram nach Ägypten kam, sahen die Ägypter, dass die Frau überaus schön war.

15 Die Beamten des Pharao sahen sie und rühmten sie vor dem Pharao. Da wurde die Frau in das Haus des Pharao genommen. 16 Er behandelte Abram ihretwegen gut: Er bekam Schafe und Ziegen, Rinder und Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele. 17 Doch der HERR schlug den Pharao und sein Haus wegen Sarai, der Frau Abrams, mit schweren Plagen. 18 Da rief der Pharao Abram und sagte: Was hast du mir da angetan? Warum hast du mir nicht kundgetan, dass sie deine Frau ist? 19 Warum hast du behauptet: Sie ist meine Schwester, sodass ich sie mir zur Frau nahm? Jetzt aber, siehe, da hast du deine Frau wieder, nimm sie und geh! 20 Dann befahl der Pharao seinetwegen Männern, ihn, seine Frau und alles, was ihm gehörte, fortzuschaffen.

Was ist das Besondere an dieser Situation?

Zuerst fällt auf, dass Abraham nicht Gott fragt, was er tun soll. Seine Logik war ganz einfach: „In Ägypten gibt es Nahrung, also gehe ich dorthin.“ Und das, obwohl Gott ihm gesagt hatte, dass hier in Israel das versprochene Land ist und nicht in Ägypten. Abrahams Platz war im Land Kanaan. In 1.Mose 12,7 steht: „Der HERR erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land.“

Doch als er in Ägypten war, überkam Abraham auf einmal eine Todesangst. Warum das? Wenn er glaubt, dass Gott ihm Nachkommen schenken wird, dann muss er doch keine Angst haben?

Wenn wir uns aus dem Willen Gottes herausbewegen, dann kommt Unsicherheit auf. Der Friede Gottes ruht nicht mehr auf uns. Jemand hat einmal gesagt: „Am sichersten bin ich im Willen Gottes.“

Selbstverständlich bedeutet dies nun nicht, dass es grundsätzlich falsch ist, sich um Sicherheit zu bemühen. Gott hat für jeden Menschen seinen eigenen Weg vorbereitet. Deshalb kann man nicht einfach von einer Situation auf die andere schließen. Was mich aber beeindruckt, ist, wenn Menschen mit großem innerem Frieden zu Märtyrern werden. Sogar das mächtige römische Reich wurde auf diese Weise bezwungen, indem die Christen sich nicht durch Todesdrohungen beeindrucken ließen, weil sie um die Auferstehung nach dem Tod wussten.

Hier in dieser Geschichte entdecken wir eine Schwachstelle von Abraham. Er hat menschlich gehandelt und gerät in eine schwierige Situation. Nun sucht er eine menschliche Lösung. Er gibt seine Frau als Schwester aus. Sie waren ja auch Halbgeschwister, wie er später in 1. Mose 20,12 gegenüber Abimelech bestätigte. Beide hatten den gleichen Vater, aber nicht die gleiche Mutter. Die Geschichte hat sich in Kapitel 20 wiederholt. Abraham hatte also zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel dazugelernt.

Was dann auffällt: Gott greift ein. Er spricht zum Pharao. Ich finde es spannend, zu beobachten: Wenn wir auf unsere eigene Lösung fixiert sind, dann kann Gott Türen öffnen oder schließen. Wenn Gott uns nicht mehr erreicht, dann spricht er durch andere oder verändert Situationen zu uns.

Gott hat mehr Möglichkeiten, als wir uns ausdenken können, um uns wieder auf Kurs zu bringen. Das kann uns eine gewisse Gelassenheit geben. Auch wenn wir Fehler machen, lässt Gott uns nicht hängen, sondern findet immer wieder einen Weg, um uns anzusprechen. Er geht uns sogar hinterher und nimmt viel Mühe in Kauf, um das verirrte Schaf wieder zurückzubringen.

Gibt es noch eine andere Geschichte, die eine Schwäche von Abraham aufzeigt?

Eine andere Geschichte ist die Sache mit Ismael. Sara und Abraham reißt langsam der Geduldsfaden mit Gott. Wir lesen in 1.Mose 16:

1 Sarai, Abrams Frau, hatte ihm nicht geboren. Sie hatte aber eine ägyptische Sklavin. Ihr Name war Hagar. 2 Da sagte Sarai zu Abram: Siehe, der HERR hat mir das Gebären verwehrt. Geh zu meiner Sklavin! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn.

Abram hörte auf die Stimme Sarais. 3 Sarai, Abrams Frau, nahm also die Ägypterin Hagar, ihre Sklavin, zehn Jahre, nachdem sich Abram im Land Kanaan niedergelassen hatte, und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau. 4 Er ging zu Hagar und sie wurde schwanger. Als sie sah, dass sie schwanger war, galt ihre Herrin in ihren Augen nichts mehr.

Gott hat Abraham Nachkommen verheißen, doch er und Sarah bekommen keine Kinder. Sarah sagt: „Gott verwehrt uns Kinder.“ Und nun suchen sie eine menschliche Lösung.

Abraham hat Hagar in Ägypten erhalten. Wir sehen also: Erst aus der ersten Fehlentscheidung entstand die Möglichkeit der zweiten. Zuerst hat Abraham nicht darauf vertraut, dass Gott ihn versorgen kann. Jetzt übernimmt er selbst das Zepter, damit in Erfüllung geht, was Gott verheißen hat.

Wir erkennen: Gott spricht Verheißungen aus, doch wir stehen selbst immer wieder dazwischen. Sollen wir selbst handeln oder auf Gott warten? Manchmal will Gott, dass wir etwas tun. Doch dann gibt es auch Situationen, in denen Gott handeln will, er sich aber noch Zeit lässt.

Manchmal möchten wir Menschen helfen, indem wir einspringen. Doch es wäre hilfreicher, wenn diese Menschen erleben könnten, wie Gott ihnen direkt hilft. Was wann dran ist, ist nicht immer einfach zu erkennen.

Abraham hätte Gott fragen sollen. Das ist der richtige Weg. Wir sollen Gott unsere Not sagen und ihn bitten, uns seinen Weg zu zeigen. Manchmal gehört es zu seinem Weg, dass wir schwierige Situationen aushalten müssen. Ein andermal greift er ein und wir erleben seine Kraft. Wichtig scheint mir eines: Wir sollten mehr mit Gott als mit Menschen über schwierige Situationen reden. Doch machen wir es manchmal nicht genau umgekehrt?

Die Folge menschlicher Lösungen sind folgeschwere Wege. Hagar ist gegenüber Sarah hochmütig geworden. Das Ergebnis ist Streit im Hause mit Trennung und einem fortwährenden Konflikt zwischen den Nachkommen beider Frauen.

So manches Leid in dieser Welt haben wir Menschen selbst kreiert. Wir wollen jetzt haben, was wir für gut halten. Doch bei vielem können wir die Konsequenzen unseres Handelns gar nicht abschätzen. Die Herausforderung liegt darin, dass wir nicht unsere Wünsche umsetzen, sondern darauf vertrauen, dass Gott zu unserem Besten handelt. Paulus sagt in Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ Also werden uns auch die Dinge zum Besten dienen, die uns nicht gefallen.

Es ist schwierig, Not auszuhalten. Doch das Paradox des Lebens ist, dass wir unsere Wurzeln in der Not tiefer werden. In der Not kommen wir an die Grenzen des Verstehens und müssen in die Welt des Vertrauens eintreten. Möge uns Gott die Weisheit geben, zu erkennen, was wann dran ist. Mögen wir lernen, unsere Not Gott zu sagen und ihm zu danken, dass er uns zu seiner Zeit auf seine Art und Weise helfen wird.

Wo gibt es Parallelen zwischen dieser Geschichte von Abraham und dem Leben von Jesus?

Auch Jesus wurde versucht. Wir sehen, dass die Versuchung darin bestand, für sich selbst zu sorgen, Gott zum Handeln zu zwingen und das Leiden nicht auszuhalten, sondern abzukürzen.

Wir lesen in Matthäus 4,1-11:

1 Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. 2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. 4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel 6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. 10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. 11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Die große Grundfrage an den Menschen seit der Begegnung mit der Schlange im Paradies ist: „Vertraust du darauf, dass es Gott gut mit dir meint?“ Als die Schlange alles in Frage stellte, was sie bisher gekannt und geglaubt hatten, schoss es Adam und Eva durch den Kopf: „Können wir wirklich auf Gott vertrauen oder sollten wir unser Leben nicht besser in die eigenen Hände nehmen?“ Daraufhin aßen sie von den Früchten des verbotenen Baumes und zeigten damit, dass sie Gott und seinen Anweisungen nicht vertrauten.

Die erste Versuchung, mit der Jesus konfrontiert wurde, war die Versuchung, selbst für sich zu sorgen. Es ist die gleiche Versuchung, der Abraham erlegen ist. Abraham hatte zu wenig Essen und sorgte daraufhin für sich selbst. Im Bericht von Jesus erkennen wir den Unterschied: Jesus kann warten, bis sein Vater im Himmel für ihn sorgt. Zum Schluss kommen die Engel und dienen ihm. Der himmlische Vater versorgt ihn mit allem, was er braucht. Doch das Schwierige ist, es auszuhalten und warten zu können, bis er eingreift. Jesus weiß, dass ihn sein Vater hier nicht sterben lassen wird. Er hat vom Heiligen Geist den Auftrag erhalten, hier auf der Erde zu sein. So kann er darauf vertrauen, dass der himmlische Vater eine Lösung bereithalten wird.

Als Zweitens wird Jesus damit versucht, Gott zum Handeln zu zwingen. Wenn Jesus vom Tempel springt, muss Gott eingreifen. Ähnlich ist es bei Abraham: “Wenn Gott nicht handelt,  organisieren wir uns das versprochene Kind selbst“, scheinen Abraham und Sarah gedacht zu haben. Das Verrückte ist: Gott geht sogar darauf ein. Er hätte ja das Kind verhindern können. Doch Gott will uns aufzeigen, wohin die eigenen Lösungen führen, wenn wir ihm nicht vertrauen. Was Gott versprochen hat, das hält er.

Kommen wir zur dritten Versuchung Jesu. Mit dem Niederfallen vor dem Teufel wäre Jesus das Leiden erspart geblieben. Doch Liebe zeigt sich gerade darin, dass man Leiden aushält. Viele sagen, wenn es einen guten Gott gibt, dürfe es doch kein Leiden geben. Doch Jesus zeigt auf, dass ein guter Gott  den Menschen nicht verurteilt, sondern an seiner Stelle die Konsequenzen der Ablehnung von Gott und seinen Anweisungen erträgt. Gottes Liebe offenbart sich im leidenden Christus. Das Kreuz ist die Einladung an uns, seine Versöhnung und Vergebung anzunehmen.

Es ist unsere größte Versuchung, dass wir alles selbst in die Hand nehmen wollen, was Gott uns geben möchte. Damit berauben wir uns der Gotteserfahrung. Das meine ich auch in Bezug auf die Vergebung. Wir können uns die Liebe Gottes nicht verdienen, sondern sie nur dankend annehmen. Wenn wir uns den Himmel selbst erarbeiten wollen, dann schießen wir am Ziel vorbei.

Wenn wir annehmen, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, dann kommt Gott durch den Heiligen Geist zu uns. Wir werden seine Kinder und Gott verändert uns. Er macht uns zu Menschen, die ihm vertrauen und ihn lieben lernen. Dazu gehört es auch, schwierige Situationen im Leben auszuhalten, mit offenen Fragen leben zu können und wie Abraham Gott zu vertrauen, auch wenn vieles nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. In der Not kommen wir an die Grenze des Verstehens und treten in die Welt des Vertrauens ein.

Deshalb bleiben uns schwierige Situationen nicht erspart. In ihnen lernen wir immer wieder neu, Gott zu vertrauen.

Warum verhindert Gott die Probleme nicht?

Gott möchte durch die Widrigkeiten dieser Welt unseren Charakter und unsere Persönlichkeit formen. Wir werden geschliffen und in uns entstehen Empathie und Mitgefühl. Über Jesus lesen wir im Hebräer 2,17: „Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hohepriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen.“

Weiter heißt es in Hebräer 5,5-9:

5 So hat auch Christus sich nicht selbst die Würde verliehen, Hohepriester zu werden, sondern der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Ich habe dich heute gezeugt, 6 wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. 7 Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht. 8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; 9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden

In der Not werden wir geformt. Wir haben einen Gott, der mit uns fühlt. Uns versteht. Wer Grenzen erfahren hat, geht anders mit anderen um.

In der Dunkelheit lernt man die Macht des Lichtes kennen. Durch diesen Prozess werden wir in alle Ewigkeit Gott vertrauen, weil wir erfahren haben, was es bedeutet, Gott zu ignorieren.

In Jakobus 1,2 steht: „Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! 3 Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. 4 Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.“

Paulus schreibt in Römer 5,3-5: „Mehr noch, wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“

Glaube wird geprägt im aktiven Glauben. Wir lernen Schwimmen, indem wir schwimmen. Wir weiten unseren Horizont, indem wir Dinge erleben. Ein Flugzeug steigt im Gegenwind. Wir können nur glauben, indem wir in schwierigen Situationen Gott vertrauen. Und das muss jeder selbst lernen. Man kann nicht für andere glauben.

Jesus sagt in Matthäus 11,29: „29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

Jesus räumt uns die Hindernisse nicht aus dem Weg, sondern hilft uns, sie zu bewältigen.

In der Innerschweiz erzählte mir einmal jemand, dass man versuchte, an den Berghängen Tannen aus dem Unterland zu setzen, damit keine Lawine entsteht. Doch bald mussten sie feststellen, dass diese Tannen, die ein milderes Klima gewohnt waren, in der rauen Bergwelt nicht lebensfähig waren. Es braucht Bäume, die von klein auf mit Widerstand aufgewachsen sind.

Der Glaube braucht Möglichkeiten, um das Vertrauen in Gott selbst zu erlernen und zu erleben.

Wie kann ich wissen, was Gottes Wille für mich ist?

Gott möchte, dass wir ihn immer mehr lieben lernen und sein Reich auf dieser Welt erfahrbar machen. Wie das im Einzelnen umgesetzt wird, ist so individuell, wie wir Menschen individuell sind. Spannend ist bei Abraham, dass er den inneren Frieden verlor, als er nach Ägypten auswich. Das zweite Problem war seine Ungeduld. Anstatt mit Gott zu sprechen, suchten Abraham und Sarah einen menschlichen Weg. Der göttliche Weg ist jedoch, Gott unsere offenen Fragen hinzulegen und ihm dafür zu danken, dass er zu seiner Zeit auf seine Art und Weise handeln wird und dass wir so lange an dem Ort bleiben, an den er uns gestellt hat, bis er uns eine Tür öffnet oder eine verschließt. Spannend finde ich auch den Gedanken, dass jeder Mensch selbst erfahren muss, wie Gott ihm hilft.

Text: Hanspeter Obrist, Juli 2021

Sendung Spiritualität in schweizer Mundart, Montag, 5. Juli 2021

Die Sendung kann auch auf dem Podcast von Radio Maria Schweiz gehört oder als CD bestellt werden: Link zu den Sendungen im Radio Maria  https://www.radiomaria.ch/de/podcasts?combine=Hanspeter+Obrist

Alle Beiträge über Abraham können als PDF-Dokument bestellt werden.

Bereits erschienene Beiträge:

Der Gott Abrahams, 27. Januar 2021, Erst wenn wir verstehen, wie Abraham Gott erlebt hat, können wir beurteilen, ob wir an den Gott von Abraham glauben oder ob wir einem eigenen Gottesbild folgen.

Abraham – erwählt zum Segen, 1. Februar 2021, Segen ist nicht Wohlstand, sondern die Gegenwart Gottes.

Abraham – mit Gott im Bund, 4. März 2021, Ein spannender Einblick, wie Gott die Dinge sieht.

Abraham – Glauben, ohne zu sehen, 29. März 2021, Glaube ist ein inneres Wissen um Dinge, die man nicht sieht, welche sich im Leben bestätigen.

Abraham – Segen durch Aufgabe, 7. Juni 2021, Kaum erwählt und reich gesegnet – schon Probleme. Das Miteinander geht auseinander.

Abraham – Leben mit Schwächen, 5. Juli 2021, Versuchung ist, selbst in die Hand zu nehmen, was Gott uns geben möchte.

Abraham – Leben durch ein Opfer, 7. September 2021, Der Opfergang von Abraham und Isaak in 1.Mose 22,1-19 ist eine der schwierigsten Stellen in der jüdischen Bibel. Der Text wirft viele Fragen auf …

Beiträge in Vorbereitung:
Abraham und Melchisedek, Montag, 4. Oktober, 14 Uhr, Radio Maria Schweiz
Abraham – Repräsentant Gottes, Montag, 1. November, 14 Uhr, Radio Maria Schweiz
Abraham – Versöhnung am Grab, Montag, 6. Dezember, 14 Uhr, Radio Maria Schweiz

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