Synodaler Weg in Deutschland

7. Februar 2020

„Viele Menschen machen die Erfahrung, sie müssen ihren Glauben in der Kirche eigentlich gegen die Kirche leben.“ sagt Daniel Bogner, im schweizerischen Fribourg tätige Professor für Moraltheologie. „Die Kirche redet gerne von Synodalität, wenn sie verbindliche Mitbestimmung eigentlich ausschalten will.“

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sieht im „Synodalen Weg“ eine „große Chance“. „Wir haben Mehrheiten, die riesengroß sind. Und das ist neu. Die Bischöfe haben gemerkt, was im Zentrum des Glaubens los ist. Und das wird zu Veränderungen führen.“ Deutliches Unverständnis äußerte Sternberg gegenüber der Kritik des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki an der Versammlung: „Wenn er sagt, dass beim Einzug zum Gottesdienst der Eindruck erweckt worden sei, dass Bischöfe und Laien gleich seien, kann ich zur selben Szene nur sagen: Was für ein schönes Bild von Kirche.“  mehr Informationen

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat heftige Kritik an der ersten Synodalversammlung in Frankfurt (30.1-1.2.2020) geübt. Die hierarchische Ordnung der Kirche werde infrage gestellt. Der Kölner Erzbischof sagte, er habe schon im Vorfeld die große Sorge gehabt, „dass hier quasi ein protestantisches Kirchenparlament durch die Art der Verfasstheit und der Konstituierung dieser Veranstaltung implementiert wird“.

Sowohl in vielen Redebeiträgen als auch etwa beim Einzug zum Gottesdienst in den Frankfurter Dom sei der Eindruck erweckt worden, so Woelki, dass Bischöfe und Laien gleich seien; „und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was katholische Kirche ist und meint“. Die hierarchische Verfasstheit der Kirche sei infrage gestellt worden. „Auch das organische Zueinander von Geweihten und Nichtgeweihten und die Unterschiedlichkeit der Aufgaben, die darin zum Ausdruck kommt, ist in der Tat auch durch die Sitzordnung und durch viele andere kleine Zeichen infrage gestellt und relativiert.“ Er halte das für „äußerst bedenklich“. Woelki kritisierte zudem, dass bei der Versammlung Macht ausgeübt worden sei, „indem nicht alle Rederecht erhalten haben, die sich gemeldet haben“.  mehr Informationen

5. Dezember 2019

Zum Beginn des neuen Kirchenjahres am 1. Advent hat ein neuer Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland begonnen. In vielen grossen Kirchen wurde eine Kerze für den Synodalen Weg entzündet. Zwei Jahre will die Katholische Kirche Deutschland diskutieren. Einige vermuten, dass die Ergebnisse schon fest stehen und es nur noch um den Weg geht, wie man diese Ziele erreichen kann. Wie eine Synode hat der Synodale Weg eine beratende Funktion. In beiden Fällen entscheidet also der jeweilige Ortsbischof, ob er die dort gefassten Beschlüsse umsetzt.

Es sind vier hauptsächliche Themen die aufgegriffen werden.

Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“

Priesterliche Existenz heute“

Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“

Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“.

Die grössten Kontroversen sind zu erwarten auf der Ebene der Strategie und Taktik. Soll die Morallehre der Kirche relativiert werden, indem in allen Fragen das individuelle Gewissen als Letztentscheidungsinstanz proklamiert wird oder reichen Detailänderungen, wie etwa das Gutheißen gelebter Homosexualität mit der Möglichkeit einer kirchlichen Segnung.

Wichtigster Punkt ist das Anliegen der Demokratisierung der Kirche. Das heißt, dass das Kirchenvolk mitbestimmen kann, was in der Kirche zu gelten hat. Denkbar wären auch kirchliche Verwaltungsgerichte mit weisungsunabhängigen Richtern, an die sich Katholiken wenden können, wenn sie sich durch Entscheidungen der Hierarchie benachteiligt fühlen.

Was sind die nächsten Schritte? Bis Mitte Dezember 2019 soll die Auswahl der aus mehr als 200 Teilnehmern bestehenden Synodalversammlung abgeschlossen sein. Die derzeit 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz sind bereits gesetzt, ebenso die 69 Teilnehmer aus den Reihen des ZdK. Das höchste Gremium des Synodalen Weges wird erstmals vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Frankfurt zusammentreffen. Diese Versammlung soll wie alle anderen Beratungen auch live im Internet übertragen werden.

Um Beschlüsse in der Synodalversammlung verabschieden zu können, ist eine doppelte Zweidrittelmehrheit erforderlich – aller anwesenden Mitglieder sowie der anwesenden Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz. Es ist umstritten, wie verbindlich die Beschlüsse der Beratungen sein können. Andere verweisen darauf, dass gerade die besonders strittigen Themen nicht in Deutschland entschieden werden könnten; dies könne nur zusammen mit dem Vatikan und mit Blick auf die Weltkirche geschehen. mehr Informationen

Mit Beginn des „Synodalen Weges“ wurde eine eigene Internetseite freigeschaltet. Unter synodalerweg.de finden sich Informationen, Veranstaltungen, Materialien und Termine zu den Beratungen. Unter „Ihre Stimmen zum Synodalen Weg“ kann sich jeder mit Überlegungen und Beratungsvorschlägen einbringen.

Auch die Schweizer Bischofskonferenz will sich mit einem synodalen Weg zur Erneuerung in der katholischen Kirche befassen. Im Anschluss an ihre Herbstsitzung im September 2019 hatte SBK-Präsident Felix Gmür vor den Medien erklärte, die Bischöfe wollten eine Steuerungsgruppe gestalten. „Im Idealfall“ seien es drei Personen. Es sei aber klar, dass die Steuerungsgruppe Personen aus der Deutsch-, Westschweiz und dem Tessin enthalten und beide Geschlechter vertreten sein sollten.

Die Schweizer Bischöfe vermeiden den Begriff „synodaler Weg“ und sprechen dafür von „Prozess“.  mehr Informationen

Auszüge aus dem Dokument:  Forum ‚Sexualmoral‘

Nach katholischer Auffassung ist die Ehe als Sakrament Bestandteil der Schöpfungsordnung. Die Ehepartner erklären sich dazu bereit, in ihrer Ehe Gottes unverbrüchliche Treue zu seinem Volk und den unauflösbaren Bund zwischen Christus und seiner Kirche abzubilden. Die christlich gelebte Ehe ist ein Glaubensakt der beiden Ehepartner. (Seite 2)

Papst Franziskus hat in seinem Familienpapier Amoris laetitia formuliert: „Wir tun uns ebenfalls schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben, die oftmals inmitten ihrer Begrenzungen, so gut es ihnen möglich ist, dem Evangelium entsprechen und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen angesichts von Situationen entwickeln, in denen alle Schemata auseinanderbrechen. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen.“ (Amoris laetitia 37)

Liebende können und müssen ihre Sexualität gestalten. (Seite 3 / Es wird nicht mehr von Mann und Frau gesprochen)

Der Anspruch, Sexualität in das jeweilige Verständnis von Menschlichkeit des Menschen einzufügen, bildet das durchgängige Motiv einer christlichen Sexualmoral. (Seite 3 / Das Geschöpf und nicht mehr der Schöpfer definiert die Regeln).

Faktisch stehen die Einstellungen von einer Mehrheit der Menschen zu wichtigen Fragen von Ehe und Familie im Widerspruch zu einem Naturrecht traditioneller Prägung. So werden Liebe und Sexualität einerseits und die Zeugung von Kindern andererseits zunehmend als zwei verschiedene und voneinander getrennte Lebensvollzüge erlebt und verstanden. (Seite 4)

Die kirchliche Lehre, dass alle Sinngehalte menschlicher Sexualität in jeder sexuellen Begegnung berücksichtigt werden sollten und daher jeder „absichtlich unfruchtbar gemachter eheliche Akt“ in sich unsittlich sei (vgl. „Humanae vitae“ Nr. 14), wird von der Mehrheit der Katholiken abgelehnt. Eine Minderheit von unter drei Prozent setzt sich für Methoden der Natürlichen Familienplanung (NFP) ein und praktiziert sie aus persönlicher Überzeugung, oft auch aus medizinischen Gründen.

Die Rückläufe aus den Diözesen stellen übereinstimmend fest, dass die Anwendung von „künstlichen“ Methoden der Geburtenregelung von den Katholiken nicht als sündhaft betrachtet wird und folgerichtig auch nicht Gegenstand des Beichtgespräches ist. Die Frage von Sünde und Schuld stellt sich für die meisten eher im Blick auf die Beziehung der beiden Partner. Als sündhaft werden z. B. Untreue, Lieblosigkeit oder mangelnder Respekt bewertet. (Seite 4)

Die Antworten aus den Bistümern machen deutlich, wie groß die Differenz zwischen den Gläubigen und der offiziellen Lehre vor allem hinsichtlich des vorehelichen Zusammenlebens, der wiederverheirateten Geschiedenen, der Empfängnisregelung und der Homosexualität ist. (Seite 5)

Die jüngste Aufdeckung sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche hat viele Gläubige zutiefst erschreckt. Tatsächlich haben die zahlreichen Vorfälle sexualisierter Gewalt inmitten der Kirche dazu geführt, dass auch innerkirchlich zahlreiche Stimmen laut wurden, die Sexualmoral der Kirche insgesamt müsse auf den Prüfstand gestellt und gewissermaßen neu konzipiert werden. (Seite 6)

Während früher das Thema Sexualität mit einem Tabu behaftet war, ist es heute eher zu einem Tabu geworden, offen über die verheerenden Folgen der sexuellen Freizügigkeit zu sprechen. (Seite 9)

Auch gleichgeschlechtliche Handlungen verwirklichen positive Sinnwerte, insofern sie ein Ausdruck von Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue und Hilfestellung im Leben sind. (Seite 14)

Papst Franziskus hat deutlich gemacht, dass er für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften eine andere kirchliche Betrachtungsweise will. Er zeigt geringes Interesse, über die Begründung der herkömmlichen negativen Bewertung zu sprechen. Demgegenüber betont er, Gott schaue auf den inneren Menschen, auf dessen Herz.  Bedeutsam ist: Er bringt homosexuellen Menschen gegenüber öffentlich Respekt entgegen. (Seite 16)

Beziehungsformen, in denen Werte wie Liebe, Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue, gegenseitiges Füreinander-Einstehen und Solidarität gelebt werden, verdienen in moralischer Hinsicht Anerkennung und Respekt – unabhängig von der formalen Bindung und der sexuellen Orientierung der Partner

Beziehungsformen aber, in denen sich klar von Werten distanziert wird, die eine christliche Ehe ausmachen oder bei denen entgegenstehende Formen gelebt werden, sind von der Kirche deutlich als unvereinbar mit dem christlichen Glauben zurückzuweisen: Promiskuität (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern), offene Mehrfachbeziehungen, Untreue und von vornherein unter Vorbehalt eingegangene Beziehungen sind als moralisch fragwürdig zu bewerten – ebenfalls unabhängig von der sexuellen Orientierung der Betroffenen (Seite 16)

Nicht wenige halten es jedoch für sinnvoll und positiv, auch gleichgeschlechtlichen Paaren einen Ritus der Segnung anzubieten. (Seite 19)  Andere halten dem entgegen: Man kann Gott nicht um seinen Segen für Paare bitten, die nach der Lehre der Kirche in Sünde leben.  mehr Informationen

Jesus sagt in Matthäus 19,4-6: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat  und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? 6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.“  

Aus der Bibel wissen wir, dass Gott Mann und Frau dazu geschaffen hat, dass sie eine Einheit bilden. Das ist das Ideal.

Strukturreformen halten die Entfremdung der Menschen von Gott nicht auf

Wenn man manchen Meldungen in den Medien glauben schenke, so Ender, der von 2003 bis 2007 Apostolischer Nuntius in Deutschland war, stehe ein „Umbruch“ wie zur Zeit der Reformation bevor. Man wolle die Kirche neu erfinden.

Mit Verwunderung stelle er fest, dass in der angeregten Diskussion um den „Synodalen Weg“ kaum jemand darüber spricht, dass nicht Gott und die Kirche sich vom Menschen entfernt haben, sondern umgekehrt sich die Menschen von Gott und der Kirche entfernt haben und sich weiter entfremden

„Wem Christus nichts mehr bedeutet und zu sagen hat, wird auch auf die Kirche leicht verzichten und seine eigenen Wege gehen.“

„Eine überzeugende Evangelisierung in Wort und Tat“, seien der einzige Weg in die Herzen der Menschen.

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