Soziale Netzwerke bestimmen uns

23.9.20 Facebook hat angedeutet, sich aus dem europäischen Markt zurückziehen zu wollen, falls die europäischen Behörden das Unternehmen in seiner Freiheit weiter einschränken. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli sind die Daten von europäischen Facebook-Usern unzureichend geschützt. Tatsächlich soll es den US-Behörden freistehen, auf diese Daten zuzugreifen. Davon betroffen sind rund 410 Millionen europäische Facebook-Nutzer, wie «Vice.com» schreibt. Yvonne Cunnane, Chefin des Datenschutz-Teams bei Facebook, schreibt in einer Mitteilung: «Es ist nicht klar, wie Facebook und Instagram unter diesen Umständen weiterhin einen Service in der EU anbieten können.» Facebook ist – wie viele andere Unternehmen auch – auf den Datentransfer zwischen der EU und den USA angewiesen.

19.9.20 Nachrichten-Feeds in Sozialen Netzwerken werden durch Algorithmen erstellt. Inhalte, die die stärksten Reaktionen hervorrufen, werden dadurch häufiger angezeigt. Das erklären Tristan Harris und Roger McNamee, zwei Aussteiger aus der digitalen Industrie, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, und warnen vor dieser Verstärkung bestimmter Nachrichten und Emotionen. Facebook kombiniere Sucht, Wut und Hass, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu binden, und gefährde damit die Demokratie.

Hass, Desinformation und Verschwörungstheorien seien laut McNamee die Inhalte, die Facebooks Algorithmus vorrangig auswähle. Videos von Verschwörungstheoretikern würden öfter empfohlen als alle seriösen Nachrichtenseiten zusammen, bemerkte Harris. Dies führe dazu, dass viele Amerikaner glaubten, der Klimawandel werde durch „Chemtrails“, im Auftrag der Regierung verbreitete Chemikalien aus Flugzeugen, verursacht. Auch die Haltung von Impfgegnern oder eine verzerrte Wahrnehmung von Politik führt Harris auf die Macht der Algorithmen zurück. „Dieses System hat uns radikalisiert.“

„Man müsste algorithmische Verstärkung abschaffen“, forderte McNamee. Nachrichten-Feeds sollten stattdessen wieder nach Thema und Veröffentlichung sortiert werden und dem Nutzer nicht mehr von Algorithmen ausgewählte Standpunkte aufdrängen.

Das Wunderbare an Kontinentaleuropa ist, dass seine politischen Institutionen stark genug sind, allen politischen Angriffen zum Trotz. mehr Informationen

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