Religiöse Fanatiker in Asien im Aufwind

In großen Teilen Süd- und Südostasiens wird die Corona-Krise von religiösen Fanatikern ausgenutzt, um gegen Minderheiten zu hetzen.

Das betrifft vor allem die mehrheitlich islamischen Staaten der Region, aber auch das hinduistische Indien. Opfer sind überwiegend Christen. Dazu kommen Hindus und Muslime dort, wo sie in der Minderheit sind.

In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt und lange das Musterbeispiel für einen toleranten, aufgeklärten Islam, gewinnen die radikalen Kräfte weiter an Zulauf. Eine Untersuchung der Stiftung für Rechtshilfe (YLBHI) dokumentiert, dass die Anzeigen wegen Blasphemie nach dem Bekanntwerden des ersten Corona-Falls vom 2. März deutlich angestiegen sind. Indonesien ist zwar ein mehrheitlich islamisches Land.  Aber der Staat ist säkular. Die Menschen leiden unter islamistischen Attacken. Jüngstes Opfer ist der 37-jährigen Textilarbeiter Asif Pervaiz, der im September zum Tod durch den Strang verurteilt wurde. Er soll blasphemische Kurznachrichten verschickt haben, behauptet sein Vorgesetzter. Bevor das Urteil vollstreckt werden soll, muss er noch drei Jahre Haft wegen „Missbrauchs des Telefons“ absitzen. Selbst vor Muslimen macht das Blasphemie-Gesetz nicht Halt. Dem Universitätsprofessor Junait H. wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed auf Facebook beleidigt und antiislamische Vorstellungen verbreitet zu haben. Dafür wurde er vor einem Jahr zum Tode verurteilt. Er selbst weist die Anschuldigungen entschieden zurück und beklagt eine Intrige von akademischen Rivalen.

Für Nicht-Muslime erweist sich auch die Situation in Pakistan als schwierig. Ministerpräsident Imran Khan erhebt den Anspruch, einen idealen Muslimstaat nach dem Vorbild von Mohammeds erster Gemeinschaft in Medina zu errichten. Blasphemieklagen werden sehr schnell und willkürlich erhoben.

Laut der ökumenisch-christlichen Organisation „Persecution Relief“ (Hilfe bei Verfolgung) haben Hassverbrechen gegen Christen in Indien während des Corona-Lockdown um mehr als 40 Prozent zugenommen. Darunter seien fünf Vergewaltigungen und sechs Morde. Auch Muslime werden vermehrt Opfer von Übergriffen. Gleichzeitig betont die Organisation, die dokumentierten Fälle stellten nur einen Bruchteil der tatsächlichen Gewalt gegen Christen dar. Während die buddhistische Minderheit als Teil der eigenen Kultur respektiert wird, gelten Christen und Muslime als „unerwünschte Fremde“. Die Fanatiker reagieren auf die Entwicklung mit der Kampagne „Ghar Wapsi“ (Zurück zu den Wurzeln). Damit sollen die Konvertiten genötigt werden, dem neuen Glauben abzuschwören und zum Hinduismus zurückzukehren. Sind sie dazu nicht bereit, werden sie häufig zur Zielscheibe der Gewalt. mehr Informationen

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