Prophetie und Verschwörungstheorien

Menschen, die sich mit biblischer Prophetie beschäftigen, stehen in der Gefahr überall Verschwörungen zu sehen, damit ihre Sicht der Dinge gestützt wird. Auch aus Rom proklamiert ein Kreis aus dem Vatikan, dass die Coronakrise mit hinterlistiger Absicht aufgebaut wurde (siehe Artikel: Die Lust auf Spekulationen).

Was mich besonders irritiert, dass Menschen einander böswillige Absichten unterstellen. Mit Halbwahrheiten arbeiten. Dinge verdrehen oder sich über andere lustig machen.

Dabei wäre es hilfreich, man würde sich ermutigen, wie man in der neuen Situation leben kann. Wie man die Lebensfreude nicht verliert und wie man im Glauben einen Halt erhält, auch wenn äussere Formen sich verändert haben.

Felix Keller, Soziologie-Dozent an der Universität St. Gallen meint zu den Verschwörungstheorien: «Kausale Zusammenhänge bringen Ordnung ins Chaos.» «Das ist völlig verständlich. Man kann in Krisensituationen mit Erklärungsversuchen nicht warten, bis alles wissenschaftlich erwiesen ist.» Dabei sind auch schräge Theorien laut Keller erst einmal kein Problem: «Solange die Bereitschaft da ist, sich auf eine Diskussion einzulassen und schlüssige Argumente gelten zu lassen.»

Was wichtig ist, bei jedem sozialen Konstrukt, gibt es eine formelle und eine informelle Ebene. Die informelle Ebene wird sichtbar, wenn das, was eine Person sagt, mehr zählt als Beiträge von anderen, ohne das diese Person eine formelle Autorität hat und dass es inhaltich ein bessseres Statement ist (siehe Prediger 9,15). Verschwörung ist die bösartige informelle Ebene, bei der man trotz besseren Wissens, irreführende Ratschläge gibt.

Prophetie ist keine Verschörung, sondern das Wissen, dass Gott alles in der Hand hat. „Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er lenkt es, wohin er will.“ Sprüche 21,1.  „Denn Gott lenkt ihr Herz so, dass sie seinen Plan ausführen“ (Offenbarung 17,17).

Bei manchen alttestamentlichen Verheißungen würde man aber nicht automatisch auf die Erfüllung schließen, so wie sie mit Jesus geschah und er sie selber verstand. Auch die Jünger Jesu konnten in der Kreuzigung nicht die Erfüllung der Prophetien erkennen, bis Jesus sie ihnen selbst erklärte und ihnen die Augen für eine neue Sichtweise öffnete. So müssen auch wir mit Prophetien vorsichtig umgehen, denn Gott erfüllt sie auf seine Weise.

Die Gefahr von Endzeittheorien besteht darin, dass man aus einzelnen Bibelstellen ganze Konzepte entwickelt. Man interpretiert die Bibel und das Zeitgeschehen durch seine eigene Brille. Bibelstellen und Zeitereignisse, die den eigenen Endzeitplan stützen, werden zitiert, andere hingegen werden ignoriert. Es entsteht eine selektive Wahrnehmung. Diese werden durch das Internet und die sozialen Medien noch verstärkt, da wir nur die Beiträge sehen, die unserem Interesse entsprechen. Hat sich das System verselbständigt? Könnten wir nicht einen Gegenpool setzen, indem wir andere Themen beisteuern. Ich meine nicht, dass man alles ignorieren muss, aber die Frage ist, wieviel ist nötig und was ist nicht mehr hilfreich und sollte besser ignoriert werden.

Die geschichtliche Betrachtung mit den Endzeittheorien lehrt mich, dass wir nicht selbstsicher behaupten sollen, was wie geschehen wird. Alle Erkenntnis ist Stückwerk – auch meine eigene. Man sollte auch nicht mit dem heutigen Wissen, die Entscheide vor diesem Wissen beurteilen. Wir sollten zuerst einmal voraussetzen, dass die Menschen mit ihrem Wissensstand, die bestmögliche Entscheidung trafen.

Jesus sagte: «Niemand weiß, wann das Ende kommen wird. Keiner kennt den Tag oder die Stunde, auch nicht die Engel im Himmel, ja nicht einmal der Sohn Gottes. Allein der Vater kennt den Zeitpunkt.» (Matthäus 24,36) und Matthäus 24,44: „Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.“

Spannend was in Offenbarung 17,17 steht: „Denn Gott lenkt ihr Herz so, dass sie seinen Plan ausführen“. Das können auch Fehlentscheide oder Panik sein.

Weitere Artikel zur Vertiefung:

Gott hält sich nicht an unseren Endzeitplan

Die Bibel ist kein Fahrplan, sondern sie enthält Gottes Heilsplan. Die Bibel will aufzeigen, wie wir uns heute mit Gott versöhnen können. Sie ermutigt uns an keiner Stelle zu Spekulationen darüber, wie viel Zeit wir dafür noch haben.  weiterlesen: https://www.obrist-impulse.net/gott-halt-sich-nicht-an-unseren-endzeitplan

Jona Syndrom

Leidet unsere Gesellschaft am „Jona-Syndrom“? Der Prophet Jona musste Ninive voraussagen, dass es untergeht. Doch dann kam alles anders, die Leute reagierten auf seine Botschaft und Ninive ging nicht unter. Jona bedauerte es (Jona 4,2). Vor kurzem demonstrierten die Leute, sie wollen weniger Verkehr. Nun haben wir weniger Verkehr. Dann beteten Schweizer und Deutsche öffentlich, … weiterlesen Jona Syndrom →

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