Nicht glänzen, sondern ergänzen

Eine Geschichte in der Bibel ist besonders herausfordernd. Es ist die Geschichte von Hananias und Saphira in der Apostelgeschichte 5. Beide sterben, als sie nicht das ganze Geld vom Verkauf ihres Grundstückes der Kirchgemeinde abgeben. Was will diese Geschichte uns sagen? Ganz kurz zusammengefasst: In Gottes Reich geht es nicht ums Glänzen, sondern ums Ergänzen.

Leben mit der Bibel, Freitag, 23. April, Apostelgesichte 4,32 bis 5,14, Radio Maria Schweiz

Was ist der Hintergrund dieser Geschichte?

Gottes Gegenwart war spürbar in den Versammlungen der ersten Christen. Gottes Nähe prägte die Menschen der ersten Gemeinde. Es geschahen Heilungen und Wunder und die Menschen brachten von ihrem Überfluss zu den Aposteln. Die Spenden wurden unter den bedürftigen Personen verteilt, so viel jeder nötig hatte (Apostelgeschichte 4,35).

Was dabei auffällt:

Es war kein kommunistischer Lebensstil, in dem der Staat über die Verteilung des Besitzes anderer verfügt. Vielmehr waren es freiwillige Beiträge, die von einem Gremium nach Bedürftigkeit verteilt wurden. Also gab es auch nicht für alle gleich viel. Es waren auch keine Steuern. Sondern jeder konnte so viel geben, wie er wollte.

Die Gemeindemitglieder verkauften nicht alles, was sie hatten, sondern nur einen Teil „von ihren Äckern und Häusern“ (Mehrzahl). Sie gaben also nicht ihr letztes Hemd, bis sie selbst bedürftig wurden. Sie verschenkten nur, was sie nicht brauchten.

Ihre Einstellung zum Besitz hat sich verändert. Es drehte sich nicht mehr alles darum, so viel Geld und Besitz wie möglich anzuhäufen. Vielmehr verstanden sie sich vor Gott als Verwalter ihrer Habe (Apostelgeschichte 4,32). Denn alles ist ein Geschenk Gottes.

In der ersten Gemeinde wurde auch kein Druck von innen angewandt. Die Gemeindemitglieder halfen einander freiwillig, gegen den äußeren Druck zu bestehen, geistlich zu wachsen und von Gottes Gegenwart erfüllt zu werden.

Doch diese Harmonie wird jäh durch die Geschichte von Hananias und Saphira durchbrochen. Was hat das zu bedeuten?

Neben dem Segen, den die erste Gemeinde erfährt, verschweigt Lukas auch nicht, wie der Teufel mitten in die Gemeinde hinein angreift (Kapitel 4-7). Lukas leitet die Hananias und Saphira-Erzählung ausführlich ein. Zuerst schreibt er allgemein von der Freigiebigkeit und Herzlichkeit der Christen (4,32-35).

Dann nennt er beispielhaft Joseph Barnabas, der ein Grundstück verkaufte und den Erlös den Aposteln brachte (4,36-37), um anschließend nahtlos zu Hananias und Saphira überzugehen, die von außen betrachtet genau das Gleiche vorhatten (5,1-11). Doch bei Hananias und Saphira stimmen ihre Worte und Taten nicht überein.

Der Teufel versucht die Einheit zu zerstören und stiftet Hananias und Saphira an, etwas vorzutäuschen.

Jetzt geht es auf einmal nicht mehr ums Geben, sondern ums Nehmen. Hananias und Saphira nehmen vom Geld und wollen auch Anerkennung und Ehre in Anspruch nehmen.

Schon Jesus prangerte das bei den Schriftgelehrten an: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung. Genauso ist es bei euch: Ihr steht vor den Leuten als solche da, die Gottes Willen tun, aber in Wirklichkeit seid ihr voller Auflehnung und Heuchelei.“ Matthäus 23,27-28.

Die Schriftgelehrten suchten eine falsche Ehre, ebenso Hananias und Saphira. Sie wollten bewusst etwas Falsches darstellen. Und so erreicht sie die Folge ihres Handelns unmittelbar. Mit Gott kann man nicht umgehen, wie wir wollen. Gott setzt hier ein klares Zeichen.

Doch ist der plötzliche Tod nicht viel zu hart?

Die Geschichte scheint unverständlich und hart. Auffällig ist die Parallele zur Achan-Erzählung in Josua 7. Als die Israeliten ins Heilige Land kamen, nahm Achan heimlich etwas von der verbotenen Beute für sich und das ganze Volk musste darunter leiden. In der Folge musste er sterben.

Auch bei Hananias und Saphira befinden wir uns in einer Situation, bei der neues Land eingenommen wird. Es ist auch eine zeichenhafte Geschichte.

Prediger 8,11 zeigt uns auf, was damit gemeint ist: „Wo keine Strafe verhängt wurde, ist die Bosheit schnell am Werk. Deshalb wächst im Herzen der Menschen die Lust, Böses zu tun.“ In Psalm 111,10 steht: „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit.“ Wir leben in einer Zeit, in der man jeden Respekt vor Gott verloren hat. Doch dieser Respekt vor Gott ist wichtig. In Offenbarung 19,5 steht: „Eine Stimme kam vom Thron her; sie sagte: Preist unsern Gott, all seine Knechte und alle, die ihn fürchten, Kleine und Große!“ Damit ist nicht Angst gemeint, sondern Ehrfurcht und Respekt.

Und auch hier in der Apostelgeschichte wird es so beschrieben, dass diese Begebenheit einen großen Respekt und Ehrfurcht auslöste. So steht in Vers 11: „Und es kam eine große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die das hörten.“ Spannend ist aber zugleich, dass in Vers 14 steht: „Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männern und Frauen.“

Was war das eigentliche Problem?

Die Lüge des Ehepaars war völlig überflüssig. Gott hat von ihnen nicht erwartet, dass sie ihren Acker verkaufen, um vom Erlös etwas abzugeben. Aber die beiden logen und taten so, als ob sie den gesamten Erlös gespendet hätten. Wegen dieser Lüge starben sie. Durch den Heiligen Geist entlarvte Petrus die Lüge des Hananias als Angriff des Teufels. Petrus klagte ihn sowohl der Veruntreuung als auch der Falschheit, sowohl des Diebstahls als auch der Unwahrhaftigkeit an.

Dabei geht es nicht darum, dass sie Petrus belogen, sondern Gott. Wer Gott belügt, hat mit ernsten Konsequenzen zu rechnen. Gott setzt hier am Anfang einen Markstein. Mit ihm kann man nicht umgehen, wie man will. Die Heiligkeit Gottes lässt keinen Betrug zu.

Später, in Apostelgeschichte 12,21-23, starb auch Herodes, als er sich göttlich verehren ließ. Sünde hat immer Konsequenzen.

Zu Nikodemus sagte Jesus: „Wer aber nicht an den Sohn Gottes glaubt, über den ist das Urteil damit schon gesprochen. 19 Und so vollzieht sich das Urteil…20 Wer Böses tut, scheut das Licht … 21 Wer aber die Wahrheit Gottes liebt und das tut, was er will, der tritt ins Licht! Dann zeigt sich: Gott selbst bestimmt das Handeln dieses Menschen.“ Johannes 3,18-21.

Sobald wir etwas verstecken müssen, dann ist es nicht mehr gut. Hananias und Saphira verheimlichten, dass sie Geld für sich behielten. Und sie taten so, als hätten sie alles Gott gegeben, um damit auch die Ehre zu erhalten, wie sie andere Leute bekamen.

Diese Geschichte ist ein Aufruf, nicht mit Gott zu spielen und die Chance der Umkehr nicht zu verpassen.

Sie haben das Urteil über ihrem Leben selbst ausgesprochen, indem sie Gott täuschen wollten.

Wo sich eine Ehrfurcht vor Gott verbreitet, da wird auch die Güte Gottes erfahrbar. Deshalb steht in 1.Johannes 1,9: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ Gottes Weg ist umgekehrt zu dem was Hananias und Saphira taten. Wenn wir zu unseren Fehlern stehen, dann vergibt uns Gott. Wenn wir etwas vor Gott verbergen, dann können wir nicht in seiner Gegenwart sein. Deshalb starb auch Jesus am Kreuz, damit wir erkennen, dass ein Leben ohne Gott im Tod endet und Jesus an unserer Stelle gestorben ist, wenn wir das für uns in Anspruch nehmen.

Der neue Lebensstil mit Gott ist das Umgekehrte was Hananias und Saphira vorleben. Man steht zu seinen Taten und hat nichts zu verbergen und täuscht nichts vor. Die Heiligkeit Gottes wird uns immer mehr bewusst und wir nehmen die Gnade Gottes immer dankbarer in Anspruch. Die Heiligkeit Gottes lässt keinen Betrug zu.

Spannend ist ja auch, dass die Gemeinde anschließend wuchs.

Auf der einen Seite wird sichtbar, dass man mit Gott nicht spielen kann und auf der anderen Seite bestätigte sich Gott durch Zeichen und Wunder.

In Gottes Gegenwart haben Lüge und Geltungsbedürfnis kein Platz. Im Reich Gottes geht es nicht ums Glänzen, sondern ums Ergänzen.

In sogenannten Erweckungen, in denen Menschen sich Gott zuwenden, ist die Gegenwart Gottes spürbar. Da muss man den Menschen nicht erklären, was Sünde ist, sie erkennen es, weil sie Gottes Heiligkeit spüren. Sie merken wie real  Offenbarung 3,20 ist, wo steht: „Noch stehe ich vor deiner Tür und klopfe an. Wer jetzt auf meine Stimme hört und mir die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und Gemeinschaft mit ihm haben“.

Wenn wir uns wieder der Gegenwart Gottes bewusstwerden, dann handeln wir anders. Dann wird uns klar, was recht und was falsch ist. Dann geht es nicht mehr darum einander etwas vorzumachen, sondern ein jeder hilft mit seinen Möglichkeiten den anderen. Der Himmel baut darauf auf, dass wir diese Fähigkeit des Füreinanders hier auf dieser Erde gelernt haben.

Ein wichtiger Beitrag ist, dass wir respektvoll von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist sprechen und auch sein Wort, die Bibel, ernst nehmen. Gott vergibt dem größten Sünder, wenn er seine Schuld bekennt. Doch in seiner Gegenwart haben Ehrsucht und Lüge keinen Platz.

Die Kirche soll ein Ort sein, an dem Menschen füreinander da sind. Besonders für Menschen, die gescheitert sind. Es hilft nicht auf sie zu zeigen, sondern sie in den Arm zu nehmen und gemeinsam einen Weg gehen, indem wir einander ermutigen.

Hananias und Saphira wählten einen anderen Weg. Lügen und Ehrsucht schließen die Gegenwart Gottes aus.

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