Muslime und Weihnachten – geht das?

Im Koran wird über die Geburt von Jesus berichtet, wenn auch mit markanten Unterschieden zur Bibel.

Muslimische Statements zu Weihnachten

Die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich schreibt im Jahr 2006:

Das Ansinnen, christliche, insbesondere weihnachtliche Traditionen aus den Schulzimmern zu verbannen, erachten wir als unangemessen und als dem religiösen Frieden in der Schweiz nicht dienlich.

Als Muslime stellen wir uns hinter die Religionsfreiheit. Kinder sollen nicht gezwungen werden, religiöse Handlungen zu vollziehen oder Bekenntnisse abzulegen, auch nicht in Form von Liedern und Gedichten.

Jedes Kind soll aber im Rahmen des ordentlichen Schulunterrichts religiösen Feiern und Aktivitäten beiwohnen. Es darf diese in keiner Weise stören oder auch nur mit minderem Respekt begegnen, sondern gemäß islamischer Tradition mit Hochachtung und Wertschätzung verfolgen…».

Radikale Muslime wie der Salafist Pierre Vogel lehnen Advent und Weihnachten rigoros ab. Vogel verdammt sogar Muslime, die den Christen einen schönen Advent oder frohe Weihnachten wünschen: „Was glauben die Christen, was da passiert ist? Sie glauben, dass Gott da geboren wurde. Das ist im islamischen Sinne eine Gotteslästerung.“

Mustafa Yoldas von der islamischen Gemeinschaft in Hamburg sieht das anders. Aus seiner Sicht dürfen Muslime der Geburt Jesu gedenken: „Jesus ist ein geachteter und geliebter Prophet im Islam. Wenn es darum geht, den Geburtstag des Propheten Jesus zu feiern, habe ich damit kein Problem.“

Ob in Japan, China, Indien, Indonesien, den Emiraten oder anderen nicht-christlich geprägten Ländern – überall stehen geschmückte Tannenbäume, und Weihnachtslieder schallen durch Einkaufszentren. Weihnachten wird von vielen inzwischen religions- und kulturübergreifend wahrgenommen. Dadurch unterscheidet sich Weihnachten von anderen großen religiösen Festen.

Deshalb verwundert es nicht, dass auch immer mehr Muslime Weihnachten feiern.

Merve, 25, aus Stuttgart sagt in spiegel.de: „Tradition ist bei uns, dass wir die Nachbarskinder mit Süßigkeiten beschenken und ihnen eine Karte schreiben. Ich kenne auch Muslime in meinem Umfeld, die an Heiligabend in Altenheime und Krankenhäuser gehen und den Menschen dort einen Besuch abstatten, damit sie nicht allein sind. 

Wir wollen so unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Die Nicht-Muslime in der Nachbarschaft wissen auch immer, wann das Opfer- oder Ramadanfest ist und beschenken dann uns mit Kleinigkeiten. Für das Zusammenleben sind solche Gesten unerlässlich – sie symbolisieren einfach Respekt.“

Einige Muslime haben sogar einen Weihnachtsbaum zuhause. Sie schmücken ihre Wohnzimmer mit Sternen und einem Adventskranz.

Da über Weihnachten nicht gearbeitet wird und die Geschäfte geschlossen sind, haben viele Muslime aus der Not eine Tugend gemacht. Auch sie treffen sich mit ihren Familien, bereiten viel und gutes Essen vor, beschenken sich gegenseitig. Weihnachten ist heute weit mehr als ein christliches Fest. Es ist zu etwas Verbindendem geworden. Es fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Abgesehen davon zeigen Umfragen, dass viele „Christen“ nicht mehr wissen, was Jesus mit diesem Fest zu tun hat.

Die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi sagt im ndr.de: „Isa, also Jesus, ist für die Muslime ein Prophet. Er wird im Koran besonders hervorgehoben. Es gibt viele Muslime, welche sich aufgrund der mystischen Tradition, in welcher Jesus ein Prophet ist, der auch Fürbitte halten kann, in besonderen Situationen an ihn wenden. Und auch Maryam als Mutter Jesu spielt im Koran eine wichtige Rolle: Sie ist die einzige Frau, die im Koran mit Namen genannt wird. Sie wird im Koran als auserwählte Frau bezeichnet, ein Begriff, den man im Koran auch für Propheten verwendet.“

Im Islam wie auch im christlichen Glauben wird Jesus (Isa) vom Engel Gabriel angekündigt und von der Jungfrau Maria (Maryam) geboren. Es gibt aber auch Unterschiede.

Davon in einem der folgenden Beiträge.

Muslime und Weihnachten – geht das?

Im Koran wird über die Geburt von Jesus berichtet, wenn auch mit markanten Unterschieden zur Bibel.

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Die muslimische Geschichte der Geburt von Jesus

Das was Isa (Jesus) ausmacht, ist Gottes Geist. Der Koran spricht positiv von Jesus. Jesus ist das Wort Gottes.  weiterlesen

Die Geschichte der Geburt Jesu

(Nacherzählt für eine interkulturelle Feier)

Vor 2000 Jahren wird der Engel Gabriel nach Nazareth gesandt. Dort überrascht er Maria: „Der Herr ist mit dir, Maria.“ Da Maria sehr erschrickt, fährt er fort: „Fürchte dich nicht. Gott freut sich über dich. Du wirst einen Sohn bekommen. Ihm sollst du den Namen Jesus geben.“ Das bedeutet: „Retter“. Die Geschichte der Geburt Jesu weiterlesen

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