Manipulierter Islam

Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, schreibt:

Bei dem Islam, wie er sich heute den meisten Muslimen wie Nichtmuslimen präsentiert und wie er von vielen Gläubigen praktiziert wird, handelt es sich um eine manipulierte Version dieser Religion. Wir sind mit einer Manipulation konfrontiert, die auf die Muslime selbst zurückgeht und deren Wurzeln tief hinein in die Frühgeschichte des Islam kurz nach dem Tod Mohammeds reichen.

Die Hauptintention des Islams lag jedoch darin, die Menschen aus ihrem Status als fremdbestimmte Objekte zu befreien und ihnen den Weg hin zu selbstbestimmten Subjekten zu bieten.

Allerding führten die politischen Machtkämpfe kurz nach dem Tod Mohammeds zu einer Umkehrbewegung. Wieder wurde der Mensch zum Objekt der Unterwerfung, wieder zwang man ihn zum bedingungslosen Gehorsam gegenüber despotischen Machthabern.

Heute können wir von einer Kultur der Unterwerfung sprechen.

Und diese Kultur der Unterwerfung, die sich bis in unsere Gegenwart gehalten hat, benötigt keine autoritären Herrscher mehr, um sich selbst aufrechtzuerhalten; ihre Machtmechanismen haben sich längt verselbstständigt.

Dieser manipulierte Islam suggeriert den Gläubigen, sie seien nicht in der Lage, ihre Religiosität selbst in die Hand zu nehmen, vielmehr seien sie auf Gelehrte angewiesen, die ihnen den Islam erklären und ihnen vorschreiben, was sie tun müssen und was sie nicht tun dürfen.

Gottes falsche Anwälte, Seite 7-9

Interessant ist, wenn man sich diese Fragen auch im Judentum und Christentum stellt.

In 2.Mose 20,2-3 steht: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine andern Götter haben neben mir.

Das jüdische Volk wird erlöst, um Gott in Freiheit zu dienen.

Hesekiel 34,2 Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

Anstatt, dass die Führer dem Volk dienen, wird die Macht missbraucht.

Lk 19,46 Es steht geschrieben: »Mein Haus ist ein Bethaus«; ihr aber habt es zu einer »Räuberhöhle« gemacht.

Jesus spricht davon, die Menschen zu erlösen.

Johannes 12,47 Wenn jemand meine Worte hört und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.

Johannes 8,36 Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

In der Geschichte sehen wir, dass sich der Glaube immer wieder vom Machtmissbrauch befreien muss. 

Das große Dilemma des Islams

Mouhanad Khorchide schreibt:

„Das große Dilemma des Islams heute besteht darin, dass sein Selbstverständnis als Religion der Unterwerfung, die in den Menschen lediglich Objekte des Gehorsams und nicht Subjekte der Liebe sieht, zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.“ (S.10)

„Es gilt in vielen islamischen Ländern zum Beispiel als religiös verboten, gegen soziale Ungerechtigkeiten oder gegen korrupte Regime zu demonstrieren. Und es sind gerade die in diesen Ländern anerkannten Gelehrten und religiösen Institutionen, die solche Verbote aussprechen – im Namen des Islams.“

Nach Korchides Auffassung, wäre die Hauptbotschaft Mohammeds Sure 21,107: „Gott hat dich, Mohammed, ausschließlich als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt“. Das große Dilemma des Islams weiterlesen

 

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