Macrons Islam

Der französische Staatspräsident glaubt an einen französischen Islam. Die Republik Frankreich soll das Dach sein, unter dem alle Platz haben und sich auch unterordnen sollen. 

Macron verlangt vom „Kultusrat der französischen Muslime“ (CFCM), einem Dachverband von neun islamischen Vereinen, eine „Charta der republikanischen Werte“. Statt der sechs Monate für die Ausarbeitung, die er Anfang Oktober gewährte, soll der CFCM diese Charta nun bis zum 7. Dezember vorlegen. Es soll eine Art Messlatte für die Loyalität zur Republik sein.

Mehr noch: Es wird auch ein Imam-Rat gegründet, der die Ausbildung von Imamen überwachen und ein Register anlegen soll. Wenn ein Imam künftig in Moscheen in Frankreich predigen will, soll er auch vom Imam-Rat zugelassen sein. Bisher konnte jeder predigen und drei von vier Predigern kamen aus dem Ausland, die meisten aus Marokko, Algerien und der Türkei.

Mit solchen Maßnahmen hofft die Regierung Macron, die rund 3.000 Moscheen in Frankreich unter Kontrolle halten zu können. 

Kenner der Szene wie der algerische Schriftsteller Boualem Sansal oder der Orientalist Gilles Kepel und etliche mehr halten die Vision Macrons für eine Illusion.

Sie scheitert schon an der Uneinigkeit des CFCM. In ihm haben die türkischen Vertreter das Sagen. Diese weigerten sich, den Boykottaufruf Erdogans gegen Frankreich zu verurteilen.

Sansal analysiert das Denken der politischen Klasse Frankreichs in einem Zeitungsinterview so: „Ein Großteil der Linken ist davon überzeugt, dass der Islamismus ein wirtschaftlich-soziales Problem ist, das verschwindet, sobald der Reichtum gerechter verteilt und die Einwanderer besser integriert sind. Die Konservativen betrachten den Islamismus allein unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit. Sie bilden sich ein, dass es reicht, die Autorität des Staates wiederherzustellen und härter durchzugreifen, um das Problem zu lösen.“

Macron fordert das Ende des politischen Islam. Aber gerade das steht dem Selbstverständnis des Islam, nicht nur des Islamismus, diametral entgegen. Die Hälfte aller jungen Muslime in Frankreich hält die Scharia für wichtiger als die Gesetze der Republik. Und die meisten Grundlagentexte, etwa der Koran, markieren den Geist der Abgrenzung zu Nicht-Muslimen. Es ist nicht zu sehen, wie sich da ein französischer Islam, loyal zur Republik, entwickeln soll. Es wäre eine andere Religion. mehr Informationen

Es müsse strengere Regeln geben, um die säkularen und demokratischen Werte Frankreichs zu verteidigen und den radikalen Islamismus daran zu hindern, die 5 Millionen Muslime Frankreichs vom Rest des Landes zu trennen.

Ein Gesetzesentwurf, der der Presse zugespielt wurde, wird auf der französischen Kabinettssitzung am 9. Dezember 2020 vorgestellt.

Was jedoch nicht angesprochen wird, ist ein weiteres Problem, das Macron in seiner Rede festgestellt hat: „Wir haben unsere eigene Form des Separatismus geschaffen„, sagte Macron in seiner Rede am 2. Oktober in Les Mureaux westlich von Paris. „Wir haben Bezirke geschaffen, in denen die Versprechen der Republik (dh Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit) nicht mehr eingehalten werden.“ ” Der Präsident sprach über die 1.500 öffentlichen Wohnsiedlungen in den Vororten von Paris und anderen französischen Städten – oft allgemein als „les banlieues“ bezeichnet -, in denen die Jugendarbeitslosenquote bis zu 40 Prozent betragen kann.

Der Heimunterricht für Kinder über 3 Jahre soll mit einigen sehr gezielten Ausnahmen verboten werden.  Das Verbot soll sicherstellen, dass muslimische Mädchen und Jungen nicht aus dem System in Schulen verschwinden, die eine extremistische Version des Islam predigen.

In acht Jahren gab es in Frankreich 30 schwere islamistische Terroranschläge. Frankreich hat fünf Millionen Menschen muslimischen Glaubens oder muslimischen Hintergrunds – proportional mehr als jedes andere EU-Land. Eine wachsende Zahl jüngerer Muslime gibt an, Frankreichs Gesetze und weltliche Prinzipien als minderwertig und gegen die Gesetze des Islam verstoßend anzusehen. Aber eine Mehrheit der französischen Muslime – zwei Drittel – praktiziert nicht oder nur selten. Mehr als 70 Prozent sehen keine Bedrohung für ihre Religionsfreiheit vom französischen säkularen Staat.  mehr Informationen

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Zunahme an Übergriffen in Frankreich

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