Lebt als Kinder des Lichts

(Epheser 5,1-20)
Nachdem Paulus von der Erneuerung des Denkens gesprochen hat, spricht er nun von den Auswirkungen auf das Leben. Wir sind zu einem neuen Leben als Gottes geliebte Kinder befreit (Epheser 5,1). Jesus übernahm die Konsequenzen unserer Verfehlung, indem er sich als Opfer am Kreuz hingegeben hat (Epheser 5,2).

Das bedeutet aber nicht, dass wir nun zügellos leben, sondern dass wir als Kinder des Lichts leben sollen (Epheser 5,8). Dieses Leben ist geprägt von Liebe (Epheser 5,4), Dankbarkeit (Epheser 5,4), Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit (Epheser 5,9) und Weisheit (Epheser 5,15).

Anstatt sinnloses Geschwätz zu verbreiten (Epheser 5,6), sagen wir dem himmlischen Vater jederzeit Dank für alles im Namen von unserem Herrn Jesus Christus (Epheser 5,19).

Wir loben Gott mit Psalmen und geistlichen Liedern (Epheser 5,19) und lassen uns vom Heiligen Geist prägen und führen (Epheser 5,18).

Mit einem Zitat aus einer urchristlichen Taufliturgie bringt Paulus den Wandel auf den Punkt: „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein“ (Epheser 5,14 / vgl. Apostelgeschichte 26,23).

Wir sind vom Reich des Todes in das Reich Gottes versetzt, in dem Jesus uns den Weg erleuchtet. Paulus sagt nicht: Ihr wart in der Finsternis, sondern: Ihr wart Finsternis. Jetzt seid ihr Licht (Epheser 5,8).

Doch die Finsternis ist nicht ausgerottet, auch nicht bei den neuen Menschen in Christus. Sexuelle Unmoral, Schamlosigkeit jeder Art, Habgier, Obszönitäten, gottloses Geschwätz, anzügliche Witze sowie übermäßiger Weingenuss mit anschließendem Rauschzustand und zügellosem Verhalten sind offenbar auch bei Christen nicht verschwunden, sonst müsste der Verfasser sie nicht extra erwähnen. Diese negativen Abhängigkeiten sind ein Götzendienst. Paulus scheint ein guter Menschenkenner zu sein und ermahnt deshalb seine Adressaten und uns dazu, immer wieder aus der Zusage zu leben: Du bist in Christus ein neuer Mensch geworden. Wir setzen unser Vertrauen in ihn. Hast du es dann nötig, wieder in alte Verhaltensmuster und Abhängigkeiten zurückzufallen und durch Geltungssucht, Schamlosigkeit und Habgier Menschen zu ängstigen und auszubeuten?

Durch das Opfer von Jesus können wir christusgemäß leben. Es ist keine ethische Anweisung zur Besserung. Es ist eine Folge der Gnade. Es ist ein Angebot, zum eigentlichen Menschen zu werden. Denn Gottesliebe zeigt sich in der Nächstenliebe.

Das Umfeld der Gemeinde in Ephesus war damals geprägt von Unmoral, Habgier und gottlosem Geschwätz. Das scheint ein Stück weit die Normalität damals ausgezeichnet zu haben. Es wird sogar auf noch schlimmere Dinge angespielt, die gar nicht erst beim Namen genannt werden. Deshalb ermutigt Paulus zu einem entgegengesetzten Lebenswandel.

Die Epheser haben erlebt, was es heißt, Ausstrahlung auf eine ganze Metropole zu haben. Ephesus war eine der bedeutendsten und mit über 200‘000 Menschen auch eine der größten und reichsten Städte des römischen Reiches. Das Zeugnis der Jesusnachfolger hat diese Großstadt erschüttert. Es gab in Ephesus einen Tempel der Artemis, mit dem der Wirtschaftszweig der Silberschmiede verknüpft war. Die Silberschmiede lebten davon, kleine Nachbildungen der Artemis zu verkaufen. Dieses Geschäft wurde durch die Jesusnachfolger bedroht. In Apostelgeschichte 19 steht beschrieben, wie der Silberschmied Demetrius einen Aufruhr anzettelte. Im Sendschreiben an die Epheser sagt dann aber Jesus: „Ich habe gegen dich: Du hast deine erste Liebe verlassen. Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist! Kehr zurück zu deinen ersten Taten!“ (Offenbarung 2,4-5). Es scheint so, dass die Epheser in ihr altes Verhalten zurückgefallen sind.

Das ist genau die Herausforderung, zu der auch Paulus im Epheserbrief aufruft: Wir sollen die Klarheit und Strahlkraft behalten, auch wenn alle um uns herum etwas anderes leben.

Text: Hanspeter Obrist Januar 2022

Fortsetzung folgt.
Drei Gründe, Gott zu loben, , Epheser 1,1-14
Jesus ist die Schlüsselperson,
Aufruf zur Einheit, 11. November 2021, Epheser 4,1-16
Erneuert euer Denken, 22. November 2021, Epheser 4,17-32
Lebt als Kinder des Lichts, 10. Januar 2022, Epheser 5,1-20

Epheser 5,1-20

1 Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder 2 und führt euer Leben in Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer, das Gott gefällt!

3 Von Unzucht aber und Unreinheit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. 4 Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schicken sich nicht für euch, sondern vielmehr Dankbarkeit. 5 Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.

6 Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das nämlich zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab. 7 Habt darum mit ihnen nichts gemein!

8 Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts! 9 Denn das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. 10 Prüft, was dem Herrn gefällt, 11 und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, deckt sie vielmehr auf! 12 Denn von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden, ist schändlich. 13 Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet.

14 Denn alles Erleuchtete ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, / und steh auf von den Toten / und Christus wird dein Licht sein.

15 Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht wie Toren, sondern wie Kluge! 16 Nutzt die Zeit, denn die Tage sind böse. 17 Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist! 18 Berauscht euch nicht mit Wein – das macht zügellos -, sondern lasst euch vom Geist erfüllen!

19 Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder erklingen, singt und jubelt aus vollem Herzen dem Herrn! 20 Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus!

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