Frauen in islamischen Ländern

Es mag merkwürdig wiegen, dass Saudi Arabien  Loujain al-Hathloul nach genau 1001 Tagen in Haft freigelassen hat. Die 31-Jährige gilt als prominenteste Dissidentin im Königreich und hatte international Solidarität gefunden. Doch es brauchte anscheinend den Wahlsieg von Joe Biden, um den Kronprinzen Muhammad bin Salman zu der Entlassung der Aktivistin zu bewegen. Loujain al-Hathloul hatte die Aufhebung des Fahrverbotes für saudische Frauen und die Abschaffung der strikten Vormundschaften männlicher Verwandter über erwachsene Frauen im Königreich eingesetzt. Loujain al-Hathloul wurde jedoch anhin nicht freigesprochen, steht unter permanenter Überwachung durch Sicherheitsbehörden und darf das Königreich nicht verlassen.

Die Geste an die prominente Dissidentin gilt als Versuch, gut Wetter bei der Biden-Regierung zu machen. Im Januar wurden einige Dissidenten aus Haft entlassen. Gleichzeitig hob das Königreich die ohnehin fruchtlose Blockade des kleinen Nachbarn Katar auf. mehr Informationen

In Dubai wurde Loujain al-Hathloul von saudi-arabischen Sicherheitskräften entführt, nach Saudi-Arabien verschleppt und dort im Mai 2018 festgenommen. Die Staatsanwaltschaft forderte die Höchststrafe von 20 Jahren Haft. Ihrer Familie zufolge wurde al-Hathloul während ihrer Gefangenschaft gefoltert. Die Regierung bestreitet dies. Mit dem Reiseverbot und der Bewährungsstrafe werde sie aber «zum Schweigen gedrängt», schreibt Kenneth Roth, Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Sie wurde in der Küstenstadt Dschidda am 31. Juli 1989 geboren, studierte französische Literatur in Kanada und bewarb sich für einen Studiengang in angewandter Sozialforschung an der Sorbonne-Universität in Abu Dhabi. Ihr Ehemann liess sich scheiden – der Familie zufolge aus unklaren Gründen.

Zur gleichen Zeit ordenete ein Hamas-Religionsgericht im Gazastreifen Reisebeschränkungen für unverheiratete Frauen an. Das Gericht hatte am Sonntag 14.2.21 unter anderem entschieden, nicht verheiratete Frauen dürften nur mit Genehmigung ihres männlichen Vormunds reisen. Damit ist für gewöhnlich der Vater oder ein anderer Verwandter gemeint.

Die BBC hatte am Dienstag 16.2.21 ein Video veröffentlicht, das von Scheicha Latifa stammen soll. Darin berichtet die 35-Jährige, dass sie in einer abgeriegelten Villa festgehalten werde.  Das Video habe sie im Badezimmer der Villa aufgenommen, weil es der einzige Raum sei, den sie hinter sich abschliessen könne.

Update 21.6.21: Eine Frau namens Sioned Taylor veröffentliche am Montagmorgen Bilder der 35-Jährigen Latifa auf dem Adolfo-Suárez-Flughafen in Madrid. In der Bildunterschrift schrieb sie: «Grossartige Europaferien mit Latifa. Wir haben Spass beim Auskundschaften.» Nach Angaben britischer Medien handelt es sich bei Taylor um ein früheres Mitglied der Royal Navy. Taylor hatte schon im Mai Fotos verbreitet, die Latifa in zwei Malls in Dubai zeigen. Auf die Frage, wie es der Prinzessin gehe, schrieb sie jetzt auf Instagram: «Sie ist grossartig».

In den Videobotschaften beschuldigt die 35-Jährige ihren Vater, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, sie seit einer gescheiterten Flucht vor knapp drei Jahren als „Geisel“ festzuhalten. Dazu sei eine Villa in Dubai „in ein Gefängnis umgewandelt“ worden. Alle Fenster seien vergittert. Sie lebe unter ständiger Bewachung, und die Polizei habe ihr gesagt, sie werde „niemals wieder die Sonne sehen“. Latifa sagte, sie fürchte um ihr Leben.

Latifa ist die Tochter des Dubai-Herrschers Mohammed bin Raschid al-Maktum. Vor zwei Jahren soll sie vergeblich versucht haben, das Emirat am Persischen Golf gegen den Willen ihres Vaters zu verlassen. Letztlich wurde sie von einer Sondereinheit vor der indischen Küste gefasst und nach Dubai zurückgebracht.

Von Dubai liegt bislang keine Stellungnahme dazu vor. Der Stadtstaat Dubai gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten; Scheich Mohammed ist deren Vize-Präsident und Regierungschef.

Update 19.2.21: Die Familie des Emirs von Dubai hat Prinzessin Latifas Wohlergehen bestätigt. Ein Lebenszeichen der Verschwundenen gibt es jedoch nicht. Die verschwundene Prinzessin Latifa wird nach Angaben der Herrscherfamilie Dubais von ihrer Familie und medizinischem Personal zu Hause betreut. «Sie erholt sich weiter, und wir sind hoffnungsvoll, dass sie zu einer angemessenen Zeit wieder ins öffentliche Leben zurückkehren wird.» Diese Woche war das bereits ältere Videos der Tochter des Emirs von Dubai, Mohammed bin Raschid al-Maktum, veröffentlicht worden. Die Freunde veröffentlichten die Videos jetzt, weil sie nach eigenen Angaben seit Monaten kein Lebenszeichen mehr bekommen haben. Latifas aktueller Aufenthaltsort und Zustand sind unbekannt. Die Prinzessin hatte nach ihrer Festnahme 2019 begonnen, Videos an Freunde im Ausland zu schmuggeln. Doch 2020 brach der Kontakt ab, weshalb ihre besorgten Freunde nun an die Öffentlichkeit gingen.

Die Cheftrainerin der iranischen Frauen-Nationalmannschaft im Alpin-Ski, Samira Sargari, durfte ihre Mannschaft zu der Weltmeisterschaft im italienischen Cortina d’Ampezzo nicht begleiten. Der Grund: Ihr Ehemann hatte ihr die Ausreise verboten. Dies bestätigten mehrere iranische Medien am Mittwoch und indirekt auch Sargari selbst. Auf ihrer Instagram-Seite wünschte die 37-Jährige ihrem Team trotz ihrer Abwesenheit viel Erfolg. Im Iran können verheiratete Frauen ohne die notarielle Erlaubnis ihrer Ehemänner keinen Reisepass beantragen. In sozialen Medien sorgte Sargaris Ausreiseverbot für heftige Proteste, auch von Männern. Viele zeigten sich beschämt, dass ein Mann im 21. Jahrhundert seiner Frau die Ausreise ohne weiteres verbietet. Kritisiert wurde auch die Justiz, die sogar im Fall einer anerkannten Nationaltrainerin solch ein Verbot zulässt. 

 

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