Frau in der Kirche enthauptet

In der südfranzösischen Küstenstadt Nizza wurde Nadine (†60) in der Kirche Notre-Dame enthauptet. Der Sakristan Vincent (54) wurde durch Messerstiche in den Hals  getötet. Das dritte Opfer war Simone, eine 44-jährige Mutter von drei Kindern. Ihre letzten Worte an den herbeigeeilten Notarzt waren: „Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe.“ 

 

Der mutmaßliche Täter Brahim A. (21) habe «Allahu akbar» («Gott ist größer») gerufen. Er soll aus Tunesien stammen, erst kürzlich über Lampedusa (Italien) nach Frankreich gekommen sein.

Der Vorfall hat sich um etwa 9 Uhr ereignet. Das dritte Opfer, Simone eine 44-jährige Frau, schleppte sich nach einem Bericht der Lokalzeitung „Nice Matin“ noch aus der Kirche in ein Café, verstarb dort. Unter den Toten ist auch der Hausmeister der Basilika. Es seien weitere sechs Personen verletzt worden, bestätigten Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Sakristan Vincent L. (55) der Kirche von Notre Dame in Nizza, Vater von 2 Kindern, ermordet von einem muslimischen Migranten aus Tunesie. Vincent starb an mehreren Stichwunden. 

Laut dem Sender BFMTV handelt es sich beim Täter von Nizza um einen 23 Jahre alten Mann. Er gab an, Brahim zu heissen. Der Angreifer liegt laut Nice Matin im Spital auf der Intensivstation. Er sei durch den Schuss eines Polizisten schwer verletzt worden und befinde sich in Lebensgefahr.

Bürgermeister Estrosi forderte laut BFMTV die Schließung aller Kirchen und aller Kultstätten in Nizza aus Sicherheitsgründen für die nächsten Tage.

Offenbar war die Kirchengemeinde in den vergangenen Tagen immer wieder vor möglichen Anschlägen gewarnt worden. Der Oberpriester Gil Florini gegenüber BFMTV: „Wir wurden gewarnt, dass es zu Angriffen kommen könnte. Wir wurden zwei oder drei Tage lang gewarnt, dass es mit dem bevorstehenden Allerheiligenfest zusätzliche Angriffe geben könnte. Wir waren auf der Hut, aber wir dachten nicht, dass es so kommen würde.“ Die Basilika Notre-Dame ist die größte Kirche von Nizza.

Weiter melden französische Medien kurz vor Mittag, es habe auch eine Attacke in Avignon gegeben. Ein bewaffneter Mann soll versucht haben, Polizisten auf der Strasse anzugreifen. Das berichtet der Sender «Europa 1». Demnach soll der Täter «Allahu Akbar» gerufen und die Polizisten mit einem Messer bedroht haben: Daraufhin haben die Beamten das Feuer eröffnet. Der Mann soll seinen Verletzungen erlegen sein.

In einer ersten Reaktion hat der Französische Islamrat die Tat in Nizza scharf verurteilt und die Muslime in Frankreich aufgerufen, alle Feiern zum Geburtstag des Propheten Mohammed abzusagen.

Der Pfarrer der Kirche, Jean-Louis Giordan, sagte gegenüber Vatican News: „Der Sakristan! Und noch weitere Personen. Meine Reaktion ist Wut! Ich habe die Nase voll von diesen (Mohammed-) Karikaturen – sie haben zu einem Krieg geführt! Wir haben mit der Sache überhaupt nichts zu tun, aber man greift die Kirchen, man greift uns an. Das hat uns die sogenannte Laizität eingebrockt, die sogenannte Freiheit.“

„Warum man gerade meine Kirche angegriffen hat, weiß ich nicht“, sagt uns Pfarrer Giordan, „aber die Verrückten schlagen eben überall zu! Und ich glaube, das ist noch nicht vorbei – wir werden noch andere Probleme haben, wenn wir nicht reagieren. Ich bin sehr bestürzt über das, was passiert ist, denn ich habe vor zehn Jahren Vincent zum Sakristan der Kirche gemacht. Und jetzt so zu sterben – das ist erschreckend.“

Von Rom aus reagierte der afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah mit Abscheu auf die Nachrichten aus Nizza. Islamismus sei ein „monströser Fanatismus, der mit Kraft und Entschiedenheit bekämpft werden muss“, schrieb der Präfekt der Gottesdienst-Kongregation auf Twitter. Der Westen müsse lernen, dass Barbaren immer „Feinde des Friedens“ seien.

Kardinal Christoph Schönborn hat sich via Twitter zur Messerattacke in der Basilika Notre-Dame in Nizza geäußert, bei der am Donnerstag drei Menschen getötet worden sind. „Die einzige Antwort auf den blinden Hass und die Gewalt kann nur mehr Liebe und mehr Solidarität sein“, schrieb der Wiener Erzbischof in seiner deutsch wie französisch verfassten Kurznachricht. „Am Ende wird sich die Verheißung Jesu durchsetzen: Selig die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt!“, so Schönborn. 

Ein weiterer Angriff hat sich gemäss französischen Medien am Donnerstag in Dschidda, Saudi-Arabien ereignet. Ein Mann hat am französischen Konsulat einen Sicherheitsbeamten angegriffen und leicht verletzt. Der Täter sei festgenommen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Donnerstag. Der Mann sei um die 40 Jahre alt und habe den Wächter mit einem scharfen Werkzeug angegriffen, sagte Polizeisprecher Mohammed al-Ghamdi demnach.

Papst Franziskus hat nach dem Messerangriff in einer Kirche in Nizza seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden bekundet. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit. «Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden», schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni. Das katholische Kirchenoberhaupt sei «informiert und steht der trauernden katholischen Gemeinschaft nahe», hiess es weiter. Franziskus bete für die Opfer und ihre Angehörigen, dass die Gewalt aufhöre.

Recep Tayyip Erdogan hatte im Streit mit Frankreich über Mohammed-Karikaturen und Meinungsfreiheit bestimmten Ländern eine «Neuauflage der Kreuzzüge» vorgeworfen. Diese würden von westlichen Staaten geplant, die den Islam attackierten. Sich gegen Angriffe auf den Propheten Mohammed zu stemmen, sei «eine Frage der Ehre». Diese Kritik lässt Nahost-Experte Steinberg aber nicht gelten: «Erdogan verkennt, dass Frankreich keine Islam-feindliche Politik, sondern eine Islamismus-feindliche Politik betreibt.»

Mit seinen Äusserungen habe Erdogan die öffentliche Aufmerksamkeit noch stärker auf die Mohammed-Karikaturen gelenkt – wobei er aber den Mord an dem französischen Lehrer nicht thematisiert hatte. «So entstand der Eindruck, dass die Karikaturen, nicht aber der Mord das wahre Problem seien», sagt Steinberg. Und weiter: «Das hat die Ressentiments gegen Frankreich in muslimischen Ländern in den letzten Tagen zusätzlich geschürt. Insofern trägt Erdogan an den aktuellen Angriffen eine politische Mitverantwortung.» mehr Informationen

„Wir verurteilen nachdrücklich die Veröffentlichung unseres Präsidenten in der französischen Zeitschrift, die keinen Respekt vor Glauben, Heiligkeit und Werten hat“, schrieb der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin, auf Twitter. „Sie zeigen nur ihre eigene Vulgarität und Unmoral. Ein Angriff auf die Persönlichkeitsrechte ist kein Ausdruck von Humor und Freiheit“, sagte er.

Eine Muslima aus der Nachbarschaft schimpfte aufgebracht: „Es reicht! Das kann so nicht weitergehen! Wieso Frankreich? Das Land hat uns alles gegeben. Diese Menschen sind keine Muslime!“

US-Präsident Donald Trump hat Frankreich nach der tödlichen Messerattacke in einer Kirche in Nizza die Solidarität seines Landes zugesichert. „Wir sind mit unseren Herzen bei den Menschen in Frankreich“, schrieb Trump am Donnerstag im Online-Dienst Twitter. Die USA stünden „an der Seite unseres ältesten Verbündeten in diesem Kampf“. Und weiter: „Diese radikalislamischen Terrorangriffe müssen sofort aufhören.

Wie reagiert man als Christ am besten auf etwas so Verstörendes? Dominikaner Yves-Marie Lequin aus Nizza: „Ich höre, dass viele jetzt sagen: Na ja, wir werden die Kirchen trotzdem offenhalten und irgendwie so tun, als ob nichts passiert wäre, aber was mich selbst betrifft – ich bin nicht dazu bereit, jetzt alle Gläubigen auf das Abenteuer des Martyriums einzustimmen.“  Papst Franziskus bricht in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ von Anfang Oktober eine Lanze für Geschwisterlichkeit, und zwar ausdrücklich mit Blick auf den Islam; auf Französisch heißt Geschwisterlichkeit „fraternité“, eine der Hauptlosungen der Französischen Revolution von 1789. Wir haben im Westen eine Zeitlang in relativem Frieden gelebt und entdecken jetzt auf einmal, dass der Krieg bei uns stattfindet. Die Christen ruft der Geistliche dazu auf, über den Schock des Moments hinauszukommen und die Themen Leiden und Tod nicht von sich wegzuschieben, sondern in ihr Glaubensleben zu integrieren. Die erste Reaktion eines Christen auf Angst, Krieg und Terror sei Liebe, sagt Pater Lequin. Darum hätten ja auch der Papst wie die Französische Bischofskonferenz in ihren ersten Reaktionen auf die Messerattacke von Nizza zum Gebet aufgerufen. Gebet, das sei „eine erste Bewegung der Liebe“, und man spüre beim Beten auch nach einer Weile, was man tun könne, „um wieder etwas aufzubauen“. Sehr ähnlich äußert sich übrigens auch der Bischof von Nizza, André Marceau. Auf Unmenschlichkeit dürfe man nicht mit gleicher Münze reagieren: „Versuchen wir, mit unserer Antwort auf der Höhe unseres Christseins zu sein; bleiben wir die Hüter des Evangeliums, in dem Jesus sagt: Liebt eure Feinde.“  mehr Informationen

EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, der mit seinem „Flüchtlingsboot“ dazu mithilft, dass auch solche Menschen zu uns kommen, sagte: „Der feige Anschlag in einer Kirche trifft alle Religionen ins Mark, die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“ 

Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte: „Erneut wird bei unseren französischen Nachbarn offensichtlich Hass zwischen den Religionen geschürt. Gemeinsam müssen wir in Europa der Ideologie der Gewalttäter und ihrem Versuch der gesellschaftlichen Destabilisierung widerstehen.“ Den Islam erwähnt Bätzing mit keinem einzigen Wort.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, Schulen und Kirchen mit tausenden zusätzlichen Soldaten zu schützen.

Die Jüdische Rundschau schrieb auf Facebook: „Immer wieder mahnen die Verharmloser islamischer Gewalt, dass die ‚an sich friedliche‘ Religion des Islams ‚missbraucht‘ werde, und man die Begriffe ‚islamisch‘ und ‚islamistisch‘ nicht miteinander vermischen dürfe. Wir aber fragen: ‚Was genau tun Islamisten, was nicht auch schon der islamische Glaubensstifter Mohammed getan hat?‘„

Die Muslima  SPD-Politikerin Sawsan Chebli auf Twitter: „Wie wäre es, wenn es morgen in allen Moscheen in eine lautstarke Verurteilung, Distanzierung und ein Friedensgebet für die Opfer von islamistischem Terror gibt? Phrasen wie: „Das hat nichts mit uns zu tun“ müssen endlich aufhören. Islamisten morden im Namen des Islam. #Nizza“

Am Donnerstag Abend 29.10.20 stürmten in Wien-Favoriten etwa 50 jugendliche Muslime unter „Allahu akbar“-Rufen die Wiener Antonskirche, traten gegen das Taufbecken und die Beichtstühle. Zunächst kamen in Wien-Favoriten etwa zwei dutzend türkischstämmige Jugendliche am Reumannplatz zusammen, schrien „Allahu akbar“, waren mit Pyrotechnik bewaffnet. Die Polizei löste die Gruppe schnell auf.  Allerdings ohne anhaltenden Erfolg. Offensichtlich motiviert von einem islamistischen Video, das zu weiteren Randalen aufrief, stürmte die Gruppe, die inzwischen auf 50 Jugendliche angewachsen war, wieder laut „Allahu akbar“ schreiend die Kirche am Antonsplatz. Sie traten auf das Inventar der Kirche, besonders das Taufbecken und die Beichtstühle ein. Überwachungskameras haben das Geschehen jedoch aufgezeichnet. Heute.at schriebt dazu: „Die Ermittler des Verfassungsschutzes sollen derzeit davon ausgehen, dass es sich bei den Kirchen-Eindringlingen um eine Gruppe türkischer Jugendliche handelt, die sich zuvor über die Sozialen Medien organisiert und knapp zwei Stunden vor dem Vorfall auf dem Reumannplatz gesammelt hatte … Österreichs Innenminister Karl Nehammer von der ÖVP hat bereits auf den Vorfall reagiert und angekündigt, man wolle „die christliche Gemeinschaft mit all unseren Kräften schützen“. Man gehe wegen der islamistischen Parolen von einem Zusammenhang mit dem Streit um Mohammed-Karikaturen in Frankreich aus. mehr Informationen

Nach der Attacke  hat sich Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gegen falsch verstandene Toleranz gewandt. „Alle Christen müssen in Österreich frei und in Sicherheit ihren Glauben ausüben können! Wir werden den Kampf gegen den politischen Islam entschieden weiterführen und hier keine falsche Toleranz zeigen“, schrieb Kurz auf Twitter.

Unbekannter verletzt orthodoxen Geistlichen am Samstag schwer. Ein bislang Unbekannter soll in Lyon einen orthodoxen Priester angeschossen haben. Der griechische Priester sei dabei gewesen, die Kirche zu schließen. Laut den Informationen soll der Geistliche in Lebensgefahr schweben.

Die Zeitung „Le Parisien“ berichtete außerdem von einer Festnahme in Sartrouville in der Nähe von Paris. Der Mann soll seinem Vater anvertraut haben, nach der Attacke in Nizza einen Anschlag verüben zu wollen, und habe ein Messer dabei gehabt, so die Zeitung weiter.

 

Kirchen kritisieren Religionsbeleidigung

„Wir verurteilen alle Versuche, die Religionen herabzusetzen“, heißt es in einer am Dienstagabend 27.10.20 veröffentlichten Erklärung des Rates der Kirchenführer in Jordanien. Sie unterstreichen darin eine gemeinsame Forderung aller Religionen nach „Toleranz, Liebe, Harmonie, Respekt für andere und dem Verzicht auf die Beleidigung des religiösen Glaubens anderer„.  Für eine Kultur des Dialogs gelte es sich für den Aufbau von Vertrauen und die Betonung gemeinsamer Werte einzusetzen.
Kirchen kritisieren Religionsbeleidigung weiterlesen

Diskriminierung liberaler Muslime

Der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide warnt vor einer zunehmenden Diskriminierung liberaler Muslime. „Auch in Deutschland wird es immer gefährlicher, den Islamismus zu kritisieren“, schreibt Khorchide in der „Zeit“. Khorchide, der sich selbst als Islamreformer bezeichnet, musste nach eigenen Angaben zeitweise unter Personenschutz gestellt werden.

„Wir erheben unsere Stimme gegen die Pervertierung unserer Religion. Wir sehen den Islam als selbstverständlichen Teil Europas. Dies setzt aber voraus, ihn mit Pluralismus und Freiheit zu vereinbaren, und dafür müssen wir einige alte Interpretationen des Islams hinterfragen.“ Das könne nur glücken, wenn die Reformer nicht ungestraft als Verräter gebrandmarkt würden. Diskriminierung liberaler Muslime weiterlesen

Frieden durch Geschwisterlichkeit

Bei einem Friedenstreffen am Dienstagabend 20.10.20 in Rom haben Papst Franziskus und andere Religionsvertreter Gläubige aller Religionen zu noch mehr Einsatz für Frieden aufgerufen.

Das Treffen in Rom stand unter dem Motto: „Niemand rettet sich allein – Frieden und Geschwisterlichkeit“. Frieden sei nur durch Kooperation, Dialog und Geschwisterlichkeit möglich, lautete eine durchgehende Mahnung auch aller anderen Sprecher aus christlichen Konfessionen, Islam, Judentum, Hinduismus und Buddhismus.

Die Welt habe heute „einen brennenden Durst nach Frieden„, so der Papst. Frieden durch Geschwisterlichkeit weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.