Fiasko Afghanistan

23.7.21 Die US-Luftwaffe greift Taliban-Ziele in der Nähe von Kandahar mit Drohnen an .

Die Taliban gaben offiziell bekannt, dass 90% der Grenzen Afghanistans unter ihrer Kontrolle stehen!

 Flagge der Taliban zwischen Afghanistan und Tadschikistan

Tausende Afghanen flüchten in einem massiven Exodus in den Iran um über die Türkei andere Länder zu erreichen. 

16.7.21 Ein Taliban sagte vor kurzem: „Wir wollen uns mit dem türkischen Sultan treffen, er leitet ein wichtiges muslimisches Land für uns und die Welt.“

14.7.21  Pakistans Katholiken fürchten Taliban-Vormarsch in Afghanistan

In der vergangenen Woche gaben die Taliban an, bereits 85 Prozent des afghanischen Territoriums zu kontrollieren. Teilen der pakistanischen Armee und des Geheimdienstes wird seit langem vorgeworfen, die Taliban zu unterstützen, obwohl das mehrheitlich konservativ-islamische Land offiziell Verbündeter der USA im Kampf gegen den islamischen Terrorismus ist. Pakistans Innenminister Sheikh Rashid Ahmed sagte demnach zuletzt, die Regierung in Islamabad würde jede Regierung in Afghanistan akzeptieren, die die Unterstützung des Volkes habe.

Der Leiter der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in der Pakistanischen Bischofskonferenz, Emmanuel Yousaf Mani, sagte gegenüber Ucanews: „Wir sind näher (an Afghanistan) und werden am stärksten betroffen sein. Wir haben in unserem Land die von den Taliban inspirierte Kultur mit Kalaschnikows und Drogen erlebt.“

Auch in Pakistan ist die Präsenz der Taliban in den vergangenen Wochen sichtbarer geworden. Bei einem Begräbnis in der Stadt Peschawar nahe der Grenze zu Afghanistan nahmen laut Ucanews viele Menschen mit der Flagge des „Islamischen Emirats Afghanistan“ teil, das die Taliban 1997 ausgerufen hatten und das bis 2001 bestand.

„Wir sind (…) besorgt darüber, dass unser Außenminister und andere Vertreter unserer Regierung die Taliban loben. Das ist gefährlich für unser Land und unsere Gesellschaft“, zitierte der asiatische Pressedienst Ucanews am Dienstag den Vorsitzenden der religionsübergreifenden Organisation Rawadari Tehreek (Bewegung für Toleranz), den Katholiken Samson Salamat. „Die Taliban werden fortschrittliche Menschen ins Visier nehmen.“  mehr Informationen

Taliban-Truppen haben nach eigenen Angaben die Kontrolle über die Grenze zu Pakistan übernommen. In den letzten Tagen hat die Organisation auch Grenzübergänge zum Iran, Turkmenistan und Tadschikistan kontrolliert!

Grossbritannien will im Falle einer Regierungsübernahme durch die Taliban in Afghanistan mit den militanten Radikalislamisten zusammenarbeiten. «Die britische Regierung wird sich auf jeden einlassen, der die Regierung stellt, vorausgesetzt er hält sich an bestimmte internationale Normen», sagte Verteidigungsminister Ben Wallace dem «Daily Telegraph» (Mittwoch). Wallace sagte, falls sich die Taliban pragmatisch verhielten, könne dies ein Fundament für langfristigen Frieden in Afghanistan sein. mehr Informationen

Nachdem sich fast sämtliche westliche Soldaten aus Afghanistan zurückgezogen haben, ist die Zentralregierung im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban nun weitgehend auf sich allein gestellt. Militärische Unterstützung könnte Kabul nun aus Ankara bekommen. Taliban-Sprecher Suheyl Shaheen lehnte das Vorhaben indes gegenüber der BBC klar ab. Alle ausländischen Soldaten, die nach September im Land blieben, würden wie Besatzungstruppen behandelt. „Alle ausländischen Streitkräfte, Auftragnehmer, Berater, Trainer sollten sich aus dem Land zurückziehen.“

Die 60.000 Taliban stehen einer 300.000 Mann starken afghanischen Armee gegenüber, die 20 Jahre lang von der NATO ausgebildet wurde. „Trotzdem werden afghanische Metropolen wieder zurückerobert. Die afghanische Armee, die auf dem Papier eigentlich stärker ist, macht sich auf dem Schlachtfeld nicht besonders bemerkbar“, analysiert Ilhan Uzgel, Experte für internationale Beziehungen an der Universität Ankara.  mehr Informationen

6.7.21 Die Ereignisse in Afghanistan sind schnell und überraschend.  Tadschikistan rekrutiert Reservisten, mehr als 20.000 Soldaten werden rekrutiert um die Grenze zu Afghanistan zu sichern. Der Iran hat angekündigt, die Aktivitäten seines Konsulats einzuschränken. Die Türkei und Russland haben ihre Konsulate in Mizra a-Sharif geschlossen. Die Konsulate von Usbekistan, Tadschikistan, Indien und Pakistan haben ihre Dienste reduziert.

3.7.21 Afghanistan fällt in die Hände der Taliban. Hunderte afghanische Soldaten geben kampflos auf. Die Taliban kontrollieren offiziell 81% Afghanistans und sammeln unterwegs tonnenweise Waffen, welche von der afghanischen Armee zurückgelassen wurden. Städte fallen eine nach der anderen kampflos in ihre Hände.

Ein Fiasko westlicher Aussenpolitik. Nachdem es Russland nicht gelungen ist Afghanistan zu kontrollieren, kapituliert auch der Westen.

Alles streng geheim und niemand wurde eingeweiht, als die US-Soldatinnen und Soldaten ihren Stützpunkt in Bagram verließen. Bagram war die größte Militärbasis der USA in Afghanistan. Sie liegt mehr als 50 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt – zeitweise waren bis zu 30.000 Truppen dort stationiert.

Die NATO hatte mit ihrem Abzug offiziell am 1. Mai begonnen. Seitdem haben die Taliban viele Offensiven gestartet und rund 100 Bezirke im Land eingenommen. Vor allem im Norden sind die Taliban auf dem Vormarsch.

Der Verteidigungsminister von Afghanistan hat vor wenigen Tagen sogar Zivilisten aufgerufen, zu den Waffen zu greifen: „Ich sage allen unseren Patrioten: Steht unseren Soldaten bei – überall im ganzen Land“.

Obwohl die NATO-Truppen fast 20 Jahre in ihrem Land waren, würden sie jetzt zum Abzug nur Chaos hinterlassen, sagt Ashmatullah: „Im Namen der NATO habt ihr euer Geld hier ausgegeben, eure Waffen ausprobiert und sie hier verkauft. Und jetzt geht ihr hier Hals über Kopf raus und hinterlasst einen kalten Krieg. Ihr seid gekommen, um Terror zu beenden, aber anstatt die Terroristen zu besiegen, gibt es hier jetzt viel mehr von ihnen.“

Ashmatullah ist eigentlich Taxifahrer, aber kämpfen – das könnten sie hier alle, sagt er stolz. Er führt eine kleine bewaffnete Ziviltruppe an. Das hätten die Afghanen einfach im Blut: „Seit 40 Jahren herrscht bei uns Krieg, unsere Väter haben vor 20 Jahren zwar ihre Waffen niedergelegt, und wir sind in die Schule gegangen. Aber unsere Väter sind Gotteskrieger, sie haben uns beigebracht, wie man kämpft. In schwierigen Zeiten haben wir Afghanen immer zu den Waffen gegriffen.“

Die Taliban haben den Abzug der US-Truppen aus ihrem größten Stützpunkt in Afghanistan begrüßt. Einer ihrer Sprecher, Zabihullah Mujahid, sagte: „Das ist ein guter Schritt. Weil die ausländischen Truppen hier im Land waren, hat der Konflikt in unserem Land so lange angehalten. Jetzt können wir Afghanen selber Entscheidungen fällen und die Zukunft unter uns ausmachen.“

Wenn es nach den Taliban geht, würden sie wieder an die Macht kommen und in Afghanistan wohl erneut ein islamisches Emirat errichten. mehr Informationen

Die Frauen haben das Schlimmste zu befürchten.

US-Präsident Joe Biden hat Spekulationen zurückgewiesen, dass der Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan bereits in wenigen Tagen komplett abgeschlossen sein könnte. Biden verneinte eine entsprechende Frage einer Reporterin am Freitag im Weissen Haus ausdrücklich und sagte, man liege beim Abzug im Zeitplan. Es blieben noch „einige Kräfte“ im Land. Es sei „nichts Ungewöhnliches“ am Vorgehen bei dem Abzug. Die USA haben angekündigt, bis spätestens 11. September alle Truppen abzuziehen. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, dass der Rückzug bereits rund um den 4. Juli, den Nationalfeiertag in den USA, abgeschlossen werden könnte. Die Bundeswehr hatte am Dienstag 29. Juni 21 ihre letzten verbliebenen Soldaten aus dem Norden des Landes ausgeflogen.

Im Jahr 2001 hatte die Terror-Organsiation Al-Kaida am 11. September mehrere Anschläge auf das Land USA gemacht. Unter anderem sind Terroristen mit entführten Flugzeugen in die Türme von dem Hoch-Haus „World Trade Center“ geflogen. Die Türme sind eingestürzt und viele Menschen gestorben. Der Anführer von Al-Kaida hieß damals Osama Bin Laden. Er war damals in Afghanistan.

Deshalb sind 2002 Soldatinnen und Soldaten aus vielen Ländern nach Afghanistan gegangen. Bin Laden wurde von der Terror-Organisation „Taliban“ versteckt. Die Taliban haben damals Afghanistan regiert. Die internationalen Soldaten haben die Taliban-Regierung gestürzt. Deutschland hat viele Aufgaben übernommen. Zum Beispiel haben deutsche Soldatinnen und Soldaten Sicherheits-Kräfte wie die Polizei in Afghanistan ausgebildet. So sollte ein stabiler Staat entstehen – ohne Terror.

Viele Expertinnen und Experten glauben: Es wird wieder einen Bürger-Krieg geben.

Insgesamt waren fast 160.000 Soldatinnen und Soldaten für einige Zeit in Afghanistan. 59 deutsche Soldaten sind gestorben. Viele haben auch Trauma bekommen, also eine psychische Erkrankung. Sie haben dann zum Beispiel auch in Deutschland manchmal Angst oder können nicht schlafen.

Die Bilanz ist desaströs. Weit mehr als 100.000 Zivilsten wurden getötet, die US-Armee verlor mehr als 2.400 Soldaten, die Bundeswehr 59. Die Taliban wurden aus Afghanistan vertrieben, Osama bin Laden 2011 in Pakistan getötet. Die internationalen Truppen blieben weiter mit dem Ziel, für Demokratie, Menschenrechte und Wohlstand zu sorgen. Heute ist Afghanistan auf dem Papier eine islamische Republik mit demokratischer Verfassung, doch wahrscheinlich werden die Taliban schon in einigen Monaten die Macht übernommen haben und das Rad zurückdrehen.

Die Taliban sind Islamisten, das heißt, sie wollen einen strengen Islam durchsetzen. Als sie in Afghanistan regiert haben, durften Mädchen nicht zur Schule gehen. Alle Männer mussten Bärte tragen. Musik und Fernsehen waren verboten.

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