Fasten am 17. Tammus

2018:  Freitag 31. Mai

Am Fasttag vom 17. Tammus erinnert sich das jüdische Volk an fünf Tragödien. Man enthält sich der Nahrungsaufnahme (Speisen und Getränke) von Tagesanbruch bis Einbruch der Nacht. Der Prophet Sacharja erwähnt diesen Fasttag zum ersten Mal (8,19): „… Das Fasten im vierten Monat …“

Im Traktat Ta’anit (4,6) erklärt die Mischna, dass an diesem Tage wegen fünf Tragödien gefastet wird, die sich an diesem Tag ereigneten:

  1. Moses zerbricht angesichts des Tanzes der Israeliten um das Goldene Kalb die Gesetzestafeln am 17. Tammus.
  2. Während der Belagerung Jerusalems zur Zeit des Ersten Tempels gelingt es ab diesem Tag nicht mehr, die beiden Lämmer für den Opferdienst im Tempel aufzutreiben. Der Opferdienst wird eingestellt. Ein Zeichen des nahenden Endes.
  3. Eine Torahrolle soll verbrannt worden sein. Der Talmud erzählt die Geschichte eines griechischen Offiziers namens Apostomos, der zur Zeit des Zweiten Tempels lebte und eine Torahrolle Esras verbrannt haben soll.
  4. An diesem Tag wird nach Daniel 12,11 im Tempel ein Götzenbild aufgestellt. „Von der Zeit, wo das tägliche Opfer abgeschafft und der Greuel der Verwüstung aufgestellt wird …“. Wer dies gemacht haben soll, ist unklar.
  5. Die Stadtmauern Jerusalems beginnen unter der erbarmungslosen römischen Belagerung 70 n.Chr. nachzugeben

Als die Hasmonäerkönigin Salome 67 v. Chr. starb, brach zwischen ihren beiden Söhnen Hyrcanus und Aristobulus ein Bürgerkrieg aus. Aristobulus belagerte Jerusalem. Beide Seiten legten Wert darauf, dass der Opferdienst im Tempel weitergeführt wurde. Der Talmud erzählt, dass ein hellenisierter Jude aus dem Lager des Aristobulus behauptete, es würde niemals gelingen, die Stadt zu erobern, solange die Verteidiger imstande seien, im Tempel zu opfern. Am nächsten Tag wurde statt der Schafe ein Schwein geschickt. Das geschah am 17. Tammus. Von da an hörten die täglichen Opfer im Tempel auf. Der Krieg zwischen den beiden Brüdern führte zur Intervention Roms und zum Ende der jüdischen Unabhängigkeit.

Während der Belagerung Jerusalems (70 n. Chr.) gelang es auch den römischen Truppen am 17. Tammus, eine Bresche in die Mauern der Stadt zu schlagen. Dies läutete den Fall Jerusalems ein – drei Wochen später, am 9. Aw, fiel die Stadt endgültig und der Tempel wurde zerstört.

Im Anschluss an den 17. Tammus beginnen die sogenannten „drei Wochen”, eine Zeit der nationalen Trauer im Gedenken an die Zerstörung des Tempels. Während dieser Periode ist es üblich:

  • die Haare nicht zu schneiden
  • keine Hochzeiten und freudige Ereignisse zu veranstalten
  • vom 1.-9. Aw weder Fleisch noch Wein zu genießen, mit Ausnahme am Schabbat
  • über den Tempel zu lehren

Sephardische und aschkenasische Bräuche sind unterschiedlich. Die Aschkenasim feiern zum Beispiel während der gesamten drei Wochen keine Hochzeiten, die Sepharden nur ab dem Beginn des Monats Aw. Die Aschkenasim schneiden zu dieser ganzen Zeit keine Haare, die Sepharden nur ab dem Monatsanfang. Ebenso verhält es sich mit dem Waschen von Kleidungsstücken außer für Babies. Was den Genuss von Wein und Fleisch betrifft, gibt es drei Bräuche: Verboten für die gesamte Periode; Verboten nur in den neun Tagen des Monats Aw; Verboten nur in der Woche des Neunten Aw. Heute ist es allgemein gebräuchlich, ab dem 1. Aw keinen Wein zu trinken und kein Fleisch zu essen. Dies gilt nicht für Schabbat. Falls der Neunte Aw auf einen Schabbat fällt, wird das Fasten auf Sonntag verschoben. Die Einschränkung bleibt bis zum Mittag des 10. Aw aufrecht, denn bis zu diesem Zeitpunkt brannte der Tempel. Außer am Freitag ist es verboten, ein Bad zu nehmen oder zu duschen. Dies wird entweder nur im Monat Aw oder nur in der Woche des Neunten eingehalten.

Paulus, ein messianischer Rabbiner, lehrte, dass Menschen der Tempel Gottes sind: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1.Korinther 3,16) „Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht (3.Mose 26,11-12; Hesekiel 37,27): Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (2.Korinther 6,16)

Interessant ist auch, dass die Schechina Gottes (Gegenwart Gottes) sich im zweiten Tempel nie manifestierte.

Wenn der 17. Tammus auf den Schabbat fällt, wird das Fasten einen Tag aufgeschobenn, denn am Schabbat ist Fasten verboten.

Text: Hanspeter Obrist

Siehe auch:

Putin und Trump sollen den dritten Tempel bauen

Der 2004 wieder gegründete israelische Sanhedrin fordert den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den US-Präsidenten Donald Trump auf, den Wiederaufbau des jüdischen Tempels in Jerusalem umzusetzen. Rabbiner Hillel Weiss, Sprecher der Sanhedrin, setzte sich mit   weiterlesen

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