Die Blütezeit des Islams

Islamische Gelehrsamkeit und Künste stammten nicht aus der islamischen Hochburg, sondern waren in der Peripherie entstanden und waren mehr jüdisch und persisch als islamisch-arabisch, schreibt Fazel Gheybi. 

Als im zweiten Jahrhundert nach Mohammed das Kalifat der vergleichsweise toleranten Umayyaden in die Hände der fundamentalistischen Abbasiden fiel, gelang einem der Umayyaden die Flucht nach Spanien.

Abd a‘Rahman aus der Bagdader Dynastie war als Integrationsfigur gelegen und errichtete 756 das Emirat Cordoba. Die Muslime beherrschten darauf fast sieben Jahrhunderte lang große Teile Spaniens und Portugals, bis sie vor allem an ihren inneren Streitigkeiten zugrunde gingen und 1492 vertrieben werden konnten.

Dabei ist es entscheidend, festzuhalten, dass die arabischen Muslime in Spanien nur eine dünne Herrschaftsschicht gebildet hatten.

Der südliche Teil Spaniens hat in dieser Epoche unter den muslimischen Herrschern in der Tat eine Blütezeit durchlebt. Das veranlasst die Islampropaganda, den Islam als Antrieb der Kultur und Wissenschaften in höchsten Tönen zu loben und alles, was Europa bis jetzt erreicht hat, auf das islamische Spanien zurückzuführen. Daraus wird hergeleitet, dass die Rückkehr des Islams nach Europa zu einer zweiten Blütezeit führen wird.

Dabei wird unterschlagen, dass Spanien vor seiner Eroberung ein christliches Land mit einer jüdischen Minderheit war. Die arabischen Eroberer konnten nur eine kleine Minderheit bilden, die eine dünne Besatzungsmacht stellte. Abgesehen davon, dass sie weniger an Kunst und mehr an Krieg interessiert waren. Ein- oder zweimal jährlich stellten sie ein großes Heer auf, um den Grenzkampf gegen die Christen zu führen und vor allem reiche Beute zu machen.

Die Muslime konnten überhaupt nicht an jener kulturellen Entwicklung teilhaben. Allerdings mussten sie aufgrund ihrer absoluten Minderheit die christlichen und jüdischen Mehrheiten tolerieren und sich mit einer Kopfsteuer begnügen. Hinzu kam, dass ein Teil der christlichen Bevölkerung vor den Arabern in den christlichen Norden fliehen musste. Im Ergebnis jedoch bestand das islamisch besetzte Spanien hauptsächlich aus einem christlichen und einem großen jüdischen Bevölkerungsanteil. Durch die Einwanderung der angesichts des Rückfalls in den islamischen Fundamentalismus aus anderen islamischen Ländern geflüchteten Juden gab es eine bis auf Weiteres historisch einmalig hohe Konzentration jüdischer Menschen. Insbesondere unter der städtischen Bevölkerung war ihr Anteil hoch und erreichte beispielsweise in Granada rund fünfzig Prozent.

Kein Wunder also, dass Granada das Zentrum des kulturellen Aufschwungs Andalusiens war und der Alhambra-Palast vom jüdischen Wesir Jusuf ibn Naghralla erbaut wurde, der selbst jedoch dann im jüdischen Viertel der Stadt einem Pogrom zum Opfer fiel. Bei näherer Betrachtung der Gelehrten, Künstler und Denker des islamischen Spaniens entpuppen sie sich trotz arabisch klingender Namen wie Ibn Gabirol, Ibn Esra, Ibn Maimon (Maimonides), Ben Schaprut und andere als Juden.

Notwendig entstand die hochgepriesene Übersetzerschule von Toledo dadurch, dass die Juden es für zweckmäßig hielten, ihre mitgebrachten hebräischen und arabischen Bücher ebenso wie jene in griechischer Schrift verfassten Werke in die Sprache der Wissenschaft der neuen Heimat, das Latein, zu übersetzen. Sie hatten keine Vorstellung von der Auswirkung ihrer Arbeit für Europas Zukunft und gingen lediglich dem Bedürfnis nach, sich in ihre christlich geprägte, neue Heimat einzubringen. Andererseits hatten die Muslime überhaupt keinen Grund und Anlass, die Bücher für ihre christlichen Untertanen zu übersetzen.

Gewiss gab es in Andalusien auch einige muslimische Gelehrte, darunter Averroës (1126–1198) und Ibn Chaldun (1332–1406), die Weltruhm erlangten. Dabei haben sie nach eigenem Bekunden bei Juden gelernt, während ihre Werke von den Muslimen strikt abgelehnt und im Falle Averroës sogar offiziell verbrannt wurden. Tatsache ist, dass sie, wie auch ihre persischen Kollegen, zu Familien gehörten, deren Vorfahren einst zwangsislamisiert worden waren.

Bezeichnenderweise war Averroës Anhänger von Avicenna. Das bedeutet, beide traten für die aristotelische Weltanschauung ein, wonach die Welt – im Widerspruch zum Islam – nicht erschaffen, sondern ewig ist:  „Ex nihilo nihil fit“ – aus nichts entsteht nichts.

Die Anschauung von Ibn Chaldun war noch weniger islamisch. Genialer Weise erarbeitete er als erster in der Geschichte den Gegensatz von Lebensweise und Kultur der Nomaden und Städter und bezeichnete diesen als Ursache für den Niedergang von Imperien. Es ist offenkundig, dass er damit eine unmittelbare Kritik an dem islamischen Eroberungskonzept beschrieb.

Fest steht auch, dass die Werke der namhaften, vorgeblich islamischen Gelehrten in der islamischen Welt so gut wie keine Beachtung fanden und daher keinerlei Auswirkungen hatten. Das bedeutet wiederum, dass sich deren Autoren nur deshalb islamisch gaben, weil ein Austritt aus dem Islam mit der Todesstrafe geahndet wurde. Daher kamen ihre Werke vor allem den Juden selbst zugute, weshalb nun Jacob Anatoli (1194–1256) die Werke von Averroës kurz nach dessen Tod aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzte.

Wenn man bedenkt, dass der Anteil der Juden in Deutschland niemals ein Prozent überschritten hatte, aber ihr Anteil an der deutschen Kultur unübersehbar ist, kann man angesichts des enormen Bevölkerungsanteils der Juden in Andalusien davon ausgehen, dass die spanische Blütezeit vor allem jüdischen Ursprungs war. Es muss die Frage erlaubt sein, wieso der Islam in Spanien mit einer großen nichtmuslimischen Minderheit, welche die Dominanz in der Wissenschaft übernahm, angeblich eine kulturelle Blüte des Islam bewirkte, es davon aber in den Ländern mit islamischer Mehrheit nirgends eine Spur gibt?

Nach der Islampropaganda soll Spanien, aber auch Italien im Bereich der materiellen Kultur viel von der arabischen Welt empfangen und zumindest teilweise an Mitteleuropa weitergegeben haben. Es wird behauptet, dass die Araber die Seidenraupenzucht und Seidenspinnerei eingeführt haben sollen; sie hätten sogar den Spaniern und Sizilianern den Anbau von Zuckerrohr und Baumwolle beigebracht. Und weiter noch Spinat, Auberginen, Artischocken, Wassermelonen, Aprikosen, Zitronen, Reis und Safran … nach Spanien eingeführt.

Tatsache ist, dass die Araber das alles selbst nicht kannten, geschweige denn sich intensiv um die Verbreitung in anderen Ländern bemühten. Um diese Entwicklung zu begreifen, braucht man nur zu wissen, dass trotz der islamisch-arabischen Herrschaft ein zaghafter Kulturaustausch an der Peripherie des islamischen Reichs stattfand, durch Männer, die zur Kommunikation in arabischer Sprache gezwungen worden waren.

Die zeitnahe Übersetzung der Werke der Gelehrten aus fernen Ländern ins Lateinische – so beispielsweise die Übersetzung des Kanon der Medizin von Avicenna (980-1037) durch Gerhard von Cremona (1114–1187) Beweis genug, dass islamische Gelehrsamkeit und Künste nicht aus der islamischen Hochburg stammten, sondern in der Peripherie entstanden waren und entscheidend mehr jüdisch und persisch waren als islamisch-arabisch.     mehr Informationen

Auszüge aus dem Buch „Die Islamische Eroberung der Welt“ (ISBN 978-3-943726-35-0) von Fazel Gheybi

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