Christ und Jude

Was macht einen Menschen zu einem Juden?

Livesendung: Dienstag, 21. Juni, 20.15 Uhr, Radio Maria Schweiz

Abendsendung Juden und Christen im Gespräch über die Bibel

Der christliche Glauben hat die gleichen Grundlagen wie das Judentum. Jesus und seine Jünger waren alles anerkannte Juden. Was bedeutet das heute im Umgang miteinander? Darüber wollen wir sprechen.

In dieser Sendung dabei ist Dr. Richard Breslauer, jüdischer Dozent an der Jüdisch – Christlichen Akademie in Basel, und Hanspeter Obrist, Erwachsenenbilder aus Schmerikon

Einige Stunden nach der Sendung erscheint hier ein Player mit der Sendung.

Beitrag zum Thema von Hanspeter Obrist

Wie betrifft das Thema „Jude sein“ den Glauben an Jesus?

Jesus und die anfängliche Jesusbewegung waren alle anerkannte Juden. Der christliche Glaube hat seine Grundlagen in der jüdischen Bibel.

Als die ersten Nichtjuden an Jesus glaubten, kam sehr schnell die Forderung auf, dass sie zum Judentum konvertieren müssen.

So lesen wir in Apostelgeschichte 15,1: „Es kamen einige Leute von Judäa (nach Antiochia) herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden.“ und in Apostelgeschichte 15,5: „Da erhoben sich einige aus der Partei der Pharisäer, die gläubig geworden waren, und sagten: Man muss sie beschneiden und von ihnen fordern, am Gesetz des Mose festzuhalten.“

Zur damaligen Zeit gab es einige Menschen, die den Gott Israels verehrten. Sie werden Gottesfürchtige genannt, wie der Hauptmann Kornelius. In Apostelgeschichte 10,2 steht: „Er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott.

Doch er konvertierte nicht, weil er sonst seinen Job verloren hätte. Andere wollten sich auch nicht beschneiden lassen. So war der jüdische Glaube eher bei Frauen verbreitet, die sich dann, wie in Philippi, trafen (Apostelgeschichte 16,13).

Schon Jesus sagt in Matthäus 23,15, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer über Land und Meer ziehen, um Menschen für ihren Glauben zu gewinnen.

Die neutestamentliche Frage war: Kann man zur Jesusbewegung gehören, ohne zum Judentum zu konvertieren?. Die heutige Fragestellung ist oft umgekehrt. Kann man als Jude ein Nachfolger von Jesus sein?

Für beide Fragestellung ist das erste Konzil richtungsweisend.

Petrus vertritt die Position, dass es allein auf den Glauben ankommt und nicht auf äußere Rituale. So steht in Apostelgeschichte 15,9:Er (Gott) machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.“ Petrus sagt: Das habe der Empfang des Heiligen Geistes bei Kornelius in Cäsarea bestätigt (Apostelgeschichte 15,8 / Apostelgeschichte 10).

Am Konzil einigte man sich, dass man auch als Nichtjude Jesus nachfolgen kann.

So steht in Apostelgeschichte 15,28-29: „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: 29 Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden.“

Es geht also darum, nicht an Feiern anderer Götter teilzunehmen, kein Blut zu konsumieren, Tiere zu schlachten und die ethischen Gebote sollen gelebt werden.

Das öffnete die Möglichkeit, dass man als Nachfolger von Jesus unterschiedliche Traditionen pflegen kann. Also die jüdischen Traditionen oder nur die von Jesus eingesetzten Anweisungen.

Da der neutestamentliche Glauben auf der jüdischen Bibel und ihren Verheißungen aufbaut, gibt es neue Fragen.

Paulus sagt zu Agrippa in Apostelgeschichte 26,18, dass der auferstandene Jesus im gesagt hat: „Sie sollen sich von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott bekehren und sollen durch den Glauben an mich die Vergebung der Sünden empfangen und mit den Geheiligten am Erbe teilhaben.“

Was meint nun dieses Erbe?

In Galater 3,28-29 schreibt Paulus: „28 Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. 29 Wenn ihr aber Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben gemäß der Verheißung.“

Schon in Jesaja 49,6 steht vom Messias: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“

Das Erbe bezieht sich auf eine neue, heile Beziehung zu Gott durch den Glauben, wie es Abraham gelebt hat.

Es gibt zwei Ebenen. Eine geistliche Verheißung durch Glauben und eine irdische, welche dem jüdischen Volk gilt, damit Gottes Handeln sichtbar wird.

So steht im Hesekiel 39,6-7: „Dann werden sie erkennen, dass ich der HERR bin. 7 Meinen heiligen Namen offenbare ich mitten in meinem Volk Israel; ich will meinen heiligen Namen nie mehr entweihen. Dann werden die Nationen erkennen, dass ich der HERR bin, heilig in Israel.“

Die zweifache Ebene wurde in der Geschichte oft nicht verstanden und so entstanden gegenseitige Anschuldigungen und alles eskalierte in der Verfolgung von Juden.

Das entsprach nicht der Art von Jesus. Jesus hat jede Anwendung von Macht, in Bezug auf Glauben strikt abgelehnt (Johannes 6,67). Glauben ist eine freiwillige aktive Entscheidung.

So steht in Johannes 1,12: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“.

So sagt Jesus es auch im letzten Buch der Bibel, Offenbarung 3,20: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“

Im jüdischen Messias Jesus haben alle Menschen an der Verheissung der Vergebung und einer neuen Gottesbeziehung zum Gott Israels anteil. Diese Verheissung ging schon an jüdische Volk und sie sie gilt allen Nationen (Jesaja 49,6). Alle Menschen können durch Jesus mit Gott in Verbindung treten.

 

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