Abraham – Segen durch Aufgabe

Abraham ist zusammen mit seinem Neffen Lot ins verheißene Land gezogen. Doch auf einmal gibt es Konflikte zwischen den Hirten von Abraham und Lot. Kaum erwählt und reich gesegnet – und schon gibt es Probleme. Das kommt uns sicher bekannt vor. Abraham ist ein Vorbild des Glaubens. Doch wie gehen wir mit zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen um? Dazu gibt es keine Patentlösung, aber Hinweise, die uns helfen können. Eine dieser Geschichten ist die von Abraham und Lot.

Abraham und Lot teilen miteinander eine große Vision, die von Gott gegeben ist. Doch das Miteinander geht auseinander. Solche Situationen gibt es auch unter uns, dass sich Menschen im Laufe des Lebens so auseinanderentwickeln, dass sie es nicht mehr miteinander können. Was tun, wenn ein Miteinander nicht mehr lebensfördernd ist, sondern nur noch blockiert?

Wir lesen 1. Mose 13: Abraham und Lot

1 Abraham zog von Ägypten in den Negeb hinauf, er und seine Frau mit allem, was ihm gehörte, und mit ihm auch Lot. 2 Abraham hatte einen sehr ansehnlichen Besitz an Vieh, Silber und Gold. 3 Er ging von einem Lagerplatz zum anderen weiter, vom Negeb bis nach Bet-El, bis zu der Stätte, an der anfangs sein Zelt gestanden hatte, zwischen Bet-El und Ai, 4 der Stätte, an der er früher den Altar errichtet hatte. Dort rief Abraham den Namen des HERRN an.

5 Auch Lot, der mit Abraham ging, besaß Schafe und Ziegen, Rinder und Zelte. 6 Das Land reichte nicht hin, dass sich beide nebeneinander darin hätten ansiedeln können; denn ihr Besitz war zu groß und so konnten sie sich nicht miteinander niederlassen. 7 So entstand Streit zwischen den Hirten der Herde Abrahams und den Hirten der Herde Lots; auch siedelten damals noch die Kanaaniter und die Perisiter im Land.

8 Da sagte Abraham zu Lot: Zwischen mir und dir, zwischen meinen und deinen Hirten soll es keinen Streit geben; wir sind doch Brüder. 9 Liegt nicht das ganze Land vor dir? Trenn dich also von mir! Wenn du nach links willst, gehe ich nach rechts; wenn du nach rechts willst, gehe ich nach links.

10 Lot erhob seine Augen und sah, dass die ganze Jordangegend überall bewässert war. Bevor der HERR Sodom und Gomorra vernichtete, war sie bis Zoar hin wie der Garten des HERRN, wie das Land Ägypten. 11 Da wählte sich Lot die ganze Jordangegend aus. Lot brach nach Osten auf und sie trennten sich voneinander. 12 Abraham ließ sich im Land Kanaan nieder, während Lot sich in den Städten jener Gegend niederließ und seine Zelte bis Sodom hin aufschlug. 13 Die Männer von Sodom aber waren sehr böse und sündigten vor dem HERRN.

14 Nachdem sich Lot von Abraham getrennt hatte, sprach der HERR zu Abraham: Erheb deine Augen und schau von der Stelle, an der du stehst, nach Norden und Süden, nach Osten und Westen! 15 Das ganze Land nämlich, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für immer geben. 16 Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie den Staub auf der Erde. Nur wer den Staub auf der Erde zählen kann, wird auch deine Nachkommen zählen können. 17 Mach dich auf, durchzieh das Land in seiner Länge und Breite; denn dir werde ich es geben. 18 Da zog Abraham mit seinen Zelten weiter und ließ sich bei den Eichen von Mamre in Hebron nieder. Dort baute er dem HERRN einen Altar.

 

Was fällt bei dieser Geschichte auf?

Zuerst einmal ist wichtig festzuhalten: Konflikte gehören zu unserem Leben. Sei es in der Familie, bei der Arbeit, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. Von klein auf begleiten uns Auseinandersetzungen. Früher ging es vielleicht eher darum, wer mit welchem Spielzeug spielen darf oder wann wir ins Bett müssen. Als Erwachsene geht es dann um die Aufteilung der Alltagspflichten, wer wofür zuständig ist. Doch die Situation läuft aus dem Ruder, wenn die Empathie für die Situation des anderen fehlt.

Ein Extrem besteht darin, die eigenen Interessen um jeden Preis durchzusetzen. Und zwar knallhart auf einen Schlag oder durch Salamitaktik, bis man sich durchgesetzt hat.

Das andere Extrem ist, einfach nur zu schlucken, alles hinzunehmen und nichts zu sagen.

Eine Variante, wie man gut mit Konflikten umgehen kann, sehen wir bei Abraham und Lot. Bei ihnen hat der Konflikt schon zu einem Stellvertreterkleinkrieg durch die Viehhirten beider Männer geführt. Es ging um die natürlichen Ressourcen des Landes, um Wasser und Weideland. Es war ein Kampf um die Existenzgrundlage. Für Nomaden, wie Abraham und Lot es waren, ist das eine Frage von Sein oder Nichtsein.

Zuallererst spricht Abraham das Problem klar an. Er übernimmt Verantwortung und sagt, was Sache ist. Und das auf eine ganz nüchterne und sachliche Art und Weise, ohne Aggression: Da ist ein Problem zwischen uns und wir müssen darüber reden. Es ist mir wichtig, das Problem zu lösen, weil ich im guten Sinn mit dir auskommen möchte. Wir sind doch Brüder und wollen Brüder bleiben. Anstatt sich von seinen Emotionen bestimmen oder das Ganze einfach laufen zu lassen, überlegt er sich: Was ist eigentlich genau das Problem? Worum dreht sich unser Konflikt wirklich?

Gerade der sagenhafte Reichtum, mit dem Abraham und Lot gesegnet wurden, erweist sich für beide als tückisch. Wer im Streit um das Wasser unterliegt, dessen Vieh und Sippe kommen zu kurz und werden dezimiert. Man könnte es darauf ankommen lassen. Aber: Muss es so weit kommen?

Abraham scheint die Folgen eines weiteren Zuwartens zu ahnen. Er ergreift die Initiative, um den Streit friedlich beizulegen. Das bedeutet im Endeffekt Trennung, aber unter anderen Bedingungen! Als der Streit ausbricht, blickt Abraham nicht erst lange nach hinten. Er fragt nicht, wie es so weit kommen konnte, sondern schaut nach vorne: Wie kommt man am besten aus der verfahrenen Situation heraus, so dass beide eine Zukunft haben?

Spannend ist, dass auch im Neuen Testament unter den Jüngern von Jesus ein Streit entstand, wer von ihnen wohl der größte sei (Lukas 22,24). Und später fanden auch Paulus und Barnabas keinen gemeinsamen Nenner (Apostelgeschichte 15,39). Auseinandersetzungen sind also ganz normal. Doch wie man damit umgeht, ist die große Herausforderung.

Gibt es da praktische Tipps, wie man solche Situationen besser bewältigen kann?

Wie man seine Ansichten äußert, macht einen großen Unterschied. Das ist für uns alle eine Knacknuss. Eine Hilfe ist, wenn man seine Sicht äußert und anschließend die Sicht des anderen wiederholt. Denn viele Missverständnisse entstehen, weil wir gar nicht richtig zuhören oder schon dazu interpretieren, während wir noch hören sollten.

Abraham und Lot fragen nicht: „Wer ist schuld?“ Das ist ja oft unser Lieblingsthema, welches uns aber meist kein Stück weiterbringt. Es hat niemand Schuld. Es ist zu eng, zu stressig, die Herden sind zu groß und es passt einfach nicht. Wir sehen: Die Suche nach Schuld zementiert Stellungen zwischen Menschen und verhindert eine aufbauende Zukunft.

Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist, dass die Lösung Trennung heißt. Dass Trennung manchmal notwendig und auch gut sein kann, das fällt uns als Christen schwer. Bei Abraham und Lot heißt die Lösung, sich zu trennen, um sich gerade so immer noch nahe zu stehen. Der Abstand rettet das gute brüderliche Verhältnis! Und ihre Geschichte geht ja dann noch weiter: Als Sodom überfallen wird und die Bewohner verschleppt werden, befreit Abraham seinen Neffen. Und als Gott beschließt, Sodom wegen der dort herrschenden Gottlosigkeit zu zerstören, tritt Abraham für Lot ein, der dann von zwei Engeln aus der Stadt geführt wird. Das Verhältnis zwischen Abraham und Lot war nach ihrer Trennung also immer noch ein gutes. Trennung ist nicht immer nur schlecht.

Aber es ist für die Beziehung wichtig, wie die Trennung vollzogen und kommuniziert wird.

Abraham hätte sagen können, er habe die Verheißung für dieses Land erhalten und Lot solle doch an einen neuen Ort gehen. 

Oder Abraham hätte von Lot fordern können, klein beizugeben und sich ihm und seinen Knechten unterzuordnen. 

Abraham hätte Lot auch nach Hause schicken können.

Wir sehen: Es gibt immer mehrere Lösungen.

Eine Hilfe ist, wenn wir in Konfliktsituationen alle möglichen und unmöglichen Lösungen einmal nennen.

Abraham und Lot merken, dass es ihnen wichtig ist, dass sie sich nicht zerstreiten, sondern als Brüder eine Lösung finden. Das bedeutet, dass nicht einer alles verliert und der andere siegt, sondern dass jeder etwas erhält. Abraham schlägt die Trennung nicht vor, weil er keine Lust mehr auf Lot hat, weil er ihn nicht mehr sehen kann oder ihn nicht mehr in seinem Leben haben möchte, sondern weil er seinen Neffen mag. Er bietet seinem Neffen Lot Raum an, um sich von ihm zu lösen und seine eigenen Wege zu gehen.

Ist es nicht ungewöhnlich, dass Abraham Lot wählen lässt?

Das Abraham Lot wählen lässt, war nicht bloß eine nette Geste, sondern im Kontext der Zeit gesehen absolut unkonventionell. In der patriarchalen Gesellschaft der damaligen Zeit war das Alter, das Recht des Älteren, eine fest verankerte Tatsache. Nichtsdestotrotz lässt Abraham Lot den Vortritt. Er hätte ja ganz einfach von seinem Vortrittsrecht Gebrauch machen und sich entscheiden können, im Land Kanaan zu bleiben. Er hätte zu Lot sagen können: „Ich bleibe Gott treu, also bleibe ich in diesem Land. Suche du dir etwas Neues.“ Er hätte sich dann fromm für Gott entschieden, aber die Beziehung zu Lot wäre wahrscheinlich in die Brüche gegangen. Das ist ein Hinweis an uns, dass wir manchmal unkonventionelle Lösungen suchen müssen. Es zeigt aber auch, wie sehr Abraham auf Gott vertraut, denn das Land im Gebirge war nicht sonderlich fruchtbar.

Lot sieht, was vor Augen ist. Abraham sieht auf Gott. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied. Wer auf Gott sieht, weiß, dass Gott für Verluste entschädigen kann und für Gerechtigkeit sorgen wird. Das lässt uns auch loslassen und vergeben. „Denn, wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns?“, hat Paulus in Römer 8,31 gesagt. Gott kann uns Gunst schenken.

Solange wir unser Recht in die eigenen Hände nehmen, berauben wir uns der Freiheit, Dinge loszulassen. Dann tragen wir eine Last gleich zweimal: Zuerst, wenn uns Unrecht geschieht und dann, wenn wir dem Täter etwas nachtragen.

Freiheit ist, wenn wir Gott abgeben können, was uns belastet. Das ist auch der Sinn des Kreuzes. Alles Versagen können wir Jesus abgeben und er macht uns frei, einen neuen Weg mit ihm zu gehen.

Für Abraham bedeutete das, wieder neue Brunnen zu graben und von vorne zu beginnen. Doch Gott hat ihm gleich nach dem Verlust zugesagt, dass er seinen Weg segnen wird. Abraham wusste: Ich brauche mich nicht um meine Zukunft zu sorgen, weil Gott für mich sorgt. Er wusste, dass Gott am Ende nur Gutes für ihn will und immer zu seinem Ziel kommt.

Was kennzeichnet die Situation von Lot?

Lot hat den Wohlstand und Reichtum gesehen, aber nicht darauf geachtet, mit welchen Menschen er Umgang pflegt. Der Segen liegt nicht auf der Gewinnmaximierung. Auch nicht auf dem geübten Blick: „Wo kann ich am meisten für mich herausholen?“ Er liegt auch nicht auf der Partymeile von Sodom.

Fruchtbares Land war für einen Nomaden und Viehhirten eigentlich die einzige Möglichkeit, seinen Reichtum an Vieh weiter zu vergrößern und beruflich erfolgreich zu sein. Wie wenig Platz muss Gott in Lots Leben gehabt haben, wenn er vor einer so wichtigen Entscheidung nicht in sich ging, um mit Gott darüber zu sprechen. In diesem Moment, als Lot seine Augen erhob, sah er durch seine Brille hindurch den Ort seiner Träume, den Raum für die Verwirklichung seines Lebensentwurfs. Er sah das Stück Land oder die Stadt, in der er sich selbst verwirklichen konnte, in der er ganz glücklich und erfüllt sein konnte. Doch es war umkämpftes Land. Als später die Gegend überfallen wurde, verlor Lot alles. Dann kam wieder sein Onkel Abraham zu Hilfe. Er stand für ihn ein und befreite sie. Doch das veränderte die Herzen der Menschen nicht. Und so kam es, dass Gott Sodom, diesen gottlosen Ort, untergehen ließ. Auch da setzte sich Abraham wieder für Lot und seine Familie im Gespräch mit Gott ein.

Wir sehen: Die Trennung zwischen Abraham und Lot war keine Trennung in Bitterkeit. Es kamen auch nicht die Gedanken auf: Jetzt erntest du, was du gesät hast. Nein, auch später noch war Abraham für Lot da. Doch Lot war auf das angenehme Leben in der gottlosen Stadt fixiert. Was dabei auffällt: Wohlstand führt nicht zu Dankbarkeit und zu einer Gottesbeziehung. Wie schnell meint man, wenn es einem gut geht, es brauche Gott nicht mehr und man könne alles selbst bestimmen.

Eigentlich schade, dass Lot später nicht zu Abraham zurückgekehrt ist. Ob wir viel oder wenig haben – die Kunst des Lebens ist, Gott nicht zu vergessen und die Beziehung zu ihm zu pflegen. 

Was können wir aus dieser Geschichte mitnehmen?

Manchmal müssen wir loslassen. Vielleicht heißt das auch, dass wir einen Traum loslassen müssen. Abraham konnte das, weil er Gott zutraute, dass er alles, was er verliert, auf hundertfache Weise ersetzen kann. So sagte Jesus auch zu seinen Jüngern in Markus 10,29-30: „Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.“

Abraham ist ein Vorbild für die Glaubenden. Wer wie Abraham glaubt, der kann loslassen, weil er weiß, dass Gott ihm alles geben kann, was er braucht. So sagt auch Jesus in Matthäus 6,30-33: „Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.“

Lot sah nur auf die guten Wachstumschancen. Abraham sah auf Gott, von dem alles Leben kommt. 

Es gibt so viele Dinge, die wir nicht in der Hand haben. Mancher hat schon alles berechnet und gut vorgesorgt, doch dann zerfloss alles zwischen den Fingern. Andere haben gegeben oder vieles wurde ihnen genommen. Doch das Entscheidende ist, dass wir auch mit wenig reich sein können, wenn wir uns von Gott getragen wissen. Dann öffnen sich uns immer wieder Türen, wo man zuvor keinen Weg mehr sah.

Abraham wurde gesegnet, indem er losließ. Auch wir werden gesegnet, wenn wir nicht krampfhaft an unserem Recht festhalten. Der herausfordernde Gedanke ist: Wenn ich die Gerechtigkeit in Gottes Hand lege, wird es spannend, wie Gott handelt. Vielleicht erleben wir Segen auf einem ganz anderen Gebiet zu einer Zeit, an der wir es nicht erwartet hätten.

Wie kann man es auf den Punkt bringen, wie man Konflikte lösen kann?

Wenn wir unterschiedliche Ansichten haben, sollen wir diese sachlich formulieren. Dann wiederholt man, was wir vom anderen verstanden haben. Damit hat jeder nochmals die Möglichkeit, zu sagen, wo er falsch verstanden worden oder etwas dazu interpretiert worden ist. Dann gilt es viele Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und den besten Weg gemeinsam auszuwählen. Weiter ist es gut, einen Zeitpunkt festzulegen, an dem man gemeinsam auswertet, wie man die Sache umgesetzt hat, um das Erreichte auch gemeinsam zu feiern.

Ich habe manche Konflikte miterlebt und auch die Erfahrung gemacht, die Paulus in Römer 12,18 so ausdrückte: „Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!“

Aber das geht eben nicht mit allen Menschen und in allen Situationen, und dann ist es besser, dass wir Abstand nehmen, als einander auf die Füße zu treten.

Abraham und Lot entschieden sich für mehr Distanz. Vielleicht müssen auch wir ganz neu lernen, dass wir uns Grenzen setzen, so wie es Abraham und Lot gemacht haben. Denn jeder Mensch braucht Freiräume, in denen er Zeit für sich und auch für Gott hat. Manche Beziehungen scheitern, weil wir uns die persönlichen Freiräume nicht lassen und übereinander bestimmen wollen. Abraham ging es darum, die Beziehung zu retten und am Leben zu erhalten. Dazu muss man manchmal rausgehen, um sich dann mit Distanz und abgeflachten Emotionen wieder begegnen zu können. Die Schwierigkeit im Zusammenleben ist, wie wir mit unterschiedlichen Prioritäten und Vorstellungen umgehen; wie wir Dinge regeln, aber auch persönliche Freiräume schaffen und die unterschiedlichen Bedürfnisse voneinander respektieren.

Segen ist, wenn man auch nach der Krise noch für den anderen betet, so wie Abraham für Lot.

Abraham konnte loslassen, weil er sich an Gott festhalten konnte.

C.S. Lewis sagt im Buch „Die große Scheidung“: „Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Diejenigen, die zu Gott sagen: ‚Dein Wille geschehe‘ und diejenigen zu denen Gott sagt: ‚Dein Wille geschehe‘.“

Wer sich auf Gott verlässt, hat die Freiheit, Dinge loszulassen.

 

Gibt es unterschiedliche Muster, wie Juden, Christen und Muslime Konflikte lösen?

So wie es bei Christen gute und schwierige Muster gibt, wie sie Konflikte lösen, so gibt es diese auch in allen anderen Religionen.

Im Judentum diskutiert man oft viel länger über unterschiedliche Meinungen. Es ist geradezu normal, die verrücktesten Interpretationen zu finden.

Im christlichen Glauben haben wir die Tendenz, alles in ein „Richtig“ und ein „Falsch“ einzuteilen. Dazu tritt die Nebenerscheinung auf, dass sich der Mächtigere durchsetzen kann.

Muslime tendieren mehr dazu, dass der eine sich dem anderen unterwerfen muss. Im Islam gibt es auch viele Fragen, die nicht gestellt werden dürfen. Muslime differenzieren sehr schnell in „gläubig“ und „ungläubig“. Im Islam überlässt der Mensch die Gerechtigkeit nicht Gott, sondern muss das Recht für Gott durchsetzen.

Im Westen gehen wir derzeit in eine Richtung, in der nicht mehr Fakten bestimmen, was ich für wahr halte oder vertrete, sondern wie ich mich gerade fühle. Damit haben wir den Wahrheitsbegriff aufgelöst und es gibt nur noch ein subjektives Empfinden. Damit laufen wir in ganz neue Konfliktfelder hinein. Menschen, die früher Straftäter waren, sind heute Aktivisten. Wenn man jemanden für einen guten Zweck schädigt, ist das heute eine gute Sache. Weil wir keine gemeinsamen Werte mehr akzeptieren, zerfällt unsere Kultur. Die Perversion erhält Aufmerksamkeit. Je verrückter jemand ist, desto interessanter wird er. Doch dieses Bunte toleriert nicht mehr das Normale. Unser Leben wird zu einem Minenfeld. Wer sich auf traditionelle Werte beruft, wird angeprangert und kaltgestellt. Diese Kultur färbt auch auf unser Leben ab. Einerseits müssen wir wie Lot und Abraham unsere Grenzen abstecken, andererseits aber auch nicht allen auf den Füssen herumtrampeln. 

Ist es nicht das Ziel eines Christen, Einheit bewahren zu wollen?

Das größte Bild für Einheit ist die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und dem Heiligen Geist. Sie sind eins, und doch gibt es den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

In Jesus sind wir Christen eins. Doch Gott hat uns unterschiedliche Gaben gegeben. Das Geheimnis ist die Ergänzung und nicht eine Gleichschaltung. Gerade in der Dominanz über andere nehmen wir Gottes Willen nicht ernst, dass wir unterschiedlich sind und uns damit ergänzen sollen. Jeder soll seinen Raum haben, aber wir sollen einander dienen.

Jesus hat den Streit der Jünger darüber, wer von ihnen der Größte sei, damit beantwortet, dass er in Lukas 22,26 sagte: „Der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste und der Führende soll werden wie der Dienende.“ Einheit bedeutet nicht Unterwerfung oder Dominanz, sondern Liebe und Zuwendung. Gute Beziehung gelingen besser, wenn man Grenzen respektiert und einander Freiräume lässt.

Text: Hanspeter Obrist, Juni 2021

 

Abraham – Segen durch Aufgabe, Montag, 7. Juni, Sendung Spritualität in schweizer Mundart.

Die Sendung kann auch auf dem Podcast von Radio Maria Schweiz gehört oder als CD bestellt werden: Link zu den Sendungen im Radio Maria  https://www.radiomaria.ch/de/podcasts?combine=Hanspeter+Obrist

Alle Beiträge über Abraham können als PDF-Dokument bestellt werden.

Bereits erschienene Beiträge:

Der Gott Abrahams, 27. Januar 2021, Erst wenn wir verstehen, wie Abraham Gott erlebt hat, können wir beurteilen, ob wir an den Gott von Abraham glauben oder ob wir einem eigenen Gottesbild folgen.

Abraham – erwählt zum Segen, 1. Februar 2021, Segen ist nicht Wohlstand, sondern die Gegenwart Gottes.

Abraham – mit Gott im Bund, 4. März 2021, Ein spannender Einblick, wie Gott die Dinge sieht.

Abraham – Glauben, ohne zu sehen, 29. März 2021, Glaube ist ein inneres Wissen um Dinge, die man nicht sieht, welche sich im Leben bestätigen.

Abraham – Segen durch Aufgabe, 7. Juni 2021, Kaum erwählt und reich gesegnet – schon Probleme. Das Miteinander geht auseinander.

Abraham – Leben mit Schwächen, 5. Juli 2021, Versuchung ist, selbst in die Hand zu nehmen, was Gott uns geben möchte.

Abraham – Leben durch ein Opfer, 7. September 2021, Der Opfergang von Abraham und Isaak in 1.Mose 22,1-19 ist eine der schwierigsten Stellen in der jüdischen Bibel. Der Text wirft viele Fragen auf …

Beiträge in Vorbereitung:
Abraham und Melchisedek, Montag, 4. Oktober, 14 Uhr, Radio Maria Schweiz
Abraham – Repräsentant Gottes, Montag, 1. November, 14 Uhr, Radio Maria Schweiz
Abraham – Versöhnung am Grab, Montag, 6. Dezember, 14 Uhr, Radio Maria Schweiz

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Sodom

«Die Tall el-Hammam-Stätte hat fünfundzwanzig geographische Indikatoren, die sie mit der Beschreibung in der Genesis in Einklang bringen. Jerusalem hat zum Beispiel nur sechzehn. Die meisten anderen Orte haben nur fünf oder sechs, oder weniger. Die Stätte hat also viel mehr geographische ‚Zeichen‘ als jede andere Stadt des Alten Testaments.»

Bei der archäologischen Stätte von Tall el-Hammam in Jordanien wird eine Fülle von Material und Artefakten freigelegt; «die Beweise dafür, dass dies die antike Stadt Sodom ist, nehmen von Tag zu Tag zu», sagt Steven Collins. Sie liegt im Norden vom Toten Meer. weiterlesen →

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