321 Nachweis jüdischen Lebens in Köln

Mit einem allgemeinen Gesetz erlauben wir allen Stadträten, Juden in den Rat zu berufen„, heißt es in dem Erlass des römischen Kaisers Konstantin, der auf den 11. Dezember 321 datiert ist.

Das Dokument ist der einzige Beweis, dass im antiken Köln – und nördlich der Alpen – Juden gelebt haben. „Wir wissen sonst nichts bis zum 4. Jahrhundert, absolut nichts!“, sagt der Althistoriker Prof. Werner Eck. Bis heute wurden im Großraum Köln keine anderen antiken jüdischen Spuren gefunden: keine kultischen Gegenstände, keine Grabinschriften, keine hebräischen Schriftzeichen.

Aber warum haben sich die Juden Tausende Kilometer von ihrem jüdischen Kernland niedergelassen? Warum sind jüdische Familien von der Sonne in die nasse, kalte, regnerische römische Provinz Niedergermanien gezogen, deren Hauptstadt Köln damals war?

Nach der Niederschlagung der jüdischen Aufstände bis ins Jahr 130 n. Chr. wurden die römischen Truppen dem Rhein entlang verlegt. Mit ihnen kamen jüdische Sklaven. Die sich aber sehr schnell etablieren konnten.

Der Kaiserliche Erlass von 321 bezeugt, dass die Juden bereits einige Jahrzehnte am Rhein gelebt haben und zu Reichtum gekommen sein müssen.

Denn die Kölner Ratsherren müssen mit ihrem Vermögen für das notwendige Steueraufkommen haften. In der Wirtschaftskrise Anfang des vierten Jahrhunderts wird das Amt der Räte daher immer unattraktiver. So kommt die Idee auf, vermögende jüdische Gemeindemitglieder einzubeziehen. Entsprechend ergeht eine Bitte an Kaiser Konstantin.

Unklar ist, ob die Aufnahme in den Rat nur aus finanziellen Gründen angestrebt wurde oder die Juden durch politische Engagement auch gesellschaftlich aufgewertet werden sollten.

Es bleibt ein Rätsel. „Da gilt genauso wie bei der Geschichte der Juden in Köln vor 321: Wir wissen auch nach 321 schlicht nichts“, sagt der Althistoriker Werner Eck. Das Gesetz Konstantins bleibt bis ins frühe Mittelalter die einzige Quelle jüdischen Lebens in Mitteleuropa.

Eine Synagoge, ein Tanzhaus, ein Bad und viele Wohn- und Geschäftshäuser: In Köln sind die Fundamente eines kompletten jüdischen Viertels vor gut 1000 Jahren erhalten. Archäologen erforschen dort, wie Juden im Mittelalter gelebt haben. Und sie durchwühlen sogar die Latrinen.

Es gibt aschkenasische Juden und sephardische (spanische) Juden. Die Bezeichnung stammt vom biblischen Personen- und Gebietsnamen Aschkenas und meint deutsche Juden. Die einst verbreitetste Alltagssprache unter den Aschkenasim war Jiddisch und ist eine Mischung von Deutsch und hebräischen Wörtern.

 

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