Zuwanderung in verdaulichen Dosierungen ist positiv

Wirtschaftlich erfolgreiche Staaten verfügen über eine Kombination geeigneter ökonomischer, politischer und sozialer Institutionen sowie über eine geeignete Kultur sozialer Normen und Verhaltensweisen.

Paul Collier («Exodus», 2013) nennt diese Kombination ein Sozialmodell: Migranten ziehen von einem dysfunktionalen Sozialmodell, das die Ursache ihrer Armut ist, in ein erfolgreiches Sozialmodell. Sie wollen damit von öffentlichen Gütern profitieren, die andere während Generationen aufgebaut haben.

Weil ein Migrant allein dadurch, dass er aus einem dysfunktionalen in ein funktionierendes Sozialmodell auswandert, seine Produktivität vervielfachen kann und weil er diesen Produktivitätsgewinn einstreichen darf, entsteht ein enormer Anreiz zur Migration von armen zu reichen Ländern. Migration ist aber mit erheblichen finanziellen, psychologischen und sozialen Kosten verbunden. Deshalb migrieren nicht die Ärmsten dieser Welt, sondern die Wohlhabenderen der ärmsten Länder. Das führt zum Paradoxon, dass mit langsam steigendem Wohlstand in armen Ländern der Migrationsdruck nicht ab-, sondern zunimmt.

Migranten bevorzugen Zielländer, in denen schon eine Diaspora von Landsleuten existiert, weil dies die Kosten der Migration beträchtlich reduziert. Doch die Kontakte mit Einheimischen sind in einer kleinen Diaspora häufiger und intensiver als in einer großen. Deshalb verläuft die Assimilation in einer großenDiaspora harziger. Das Risiko problematischer Parallelgesellschaften nimmt damit zu.

Migration in assimilierbaren Dosierungen hat mithin positive Folgen für ein Land, aber von einer gewissen Schwelle an nehmen die negativen Folgen rasch zu. Kein Land kann alle Türen öffnen, ohne den eigenen Wohlstand und die eigene Stabilität aufs Spiel zu setzen. Es kann auch kein Recht geben, sich gratis an den Segnungen öffentlicher Güter zu beteiligen, die andere über Jahrzehnte erarbeitet haben.

Alle Erfahrung zeigt leider, dass lediglich ein sehr kleiner Teil der Migranten diese Integration in kurzer Zeit schafft. Große Migrationsströme würden zudem die Diasporagemeinden massiv vergrößern, damit deren Integrationstempo dämpfen und die Probleme verschärfen.

Entwicklungshilfe sei geradezu schädlich (NZZ 16. 6. 16). Nobelpreisträger Angus Deaton glaubt, dass es überhaupt unmöglich sei, ein Land von außen zu entwickeln. Der Abbau von Handelsrestriktionen, die Durchsetzung einer marktwirtschaftlichen Ordnung, die Errichtung von Niederlassungen erfolgreicher Firmen mit einer guten Firmenkultur, die qualifizierte Beratung beim Aufbau von funktionierenden Institutionen und die Rückwanderung von qualifizierten Migranten können weit mehr bewirken als Entwicklungshilfe.

Eine Pflicht ist der Schutz des eigenen erfolgreichen Sozialmodells. Diese Forderung mag unverbesserliche Anhänger des Multikulturalismus befremden. Aber trotz allem Respekt andern Kulturen gegenüber gibt es kulturelle Errungenschaften anderer Weltgegenden, die guten Sozialmodellen im Wege stehen. Ein Staat darf sich dezidiert gegen durch Migranten importierte kulturelle Eigenheiten wehren, die seinen tragenden Werten zuwiderlaufen. So darf ein Staat beispielsweise nicht tolerieren, wenn eine Diaspora die Scharia über die Verfassung stellt, Frauen systematisch diskriminiert oder Kinderehen ermöglicht.

Auszug aus einem Beitrag von Kaspar Villiger in der NZZ  mehr Informationen

Vergleiche auch Artikel:

Als Atheist glaube ich wirklich, dass Afrika Gott braucht.

Missionare, nicht Hilfsgelder, sind die Lösung für Afrikas größtes Problem – die erdrückende Passivität im Denksystem der Menschen Matthew Parris – The Times (UK Newspaper), 27. Dezember 2008.  (Übersetzung: Frank Schönbach) Vor Weihnachten kam ich nach 45 Jahren zurück in das Land, das ich als Junge unter dem Namen Nyassaland gekannt hatte. Heute heißt es Malawi, … weiterlesen

 

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