Zur Debatte über das sogenannte „Kairos-Palästina-Dokument“

In einer theologischen Zeitschrift hat Rolf Schieder, Professor für Theologie an der Berliner Humboldt-Universität, im Blick auf die Debatte über das sogenannte „Kairos-Palästina-Dokument“ geschrieben: „Es ist die geschwisterliche Pflicht der europäischen Christen, ihre palästinensischen Schwestern und Brüder nachdrücklich auf die Gefahren eines theologischen Antijudaismus aufmerksam zu machen.“

Er hebt dabei darauf ab, dass dieses Dokument, verfasst von einigen palästinensischen Christen, eine problematische Linie der Enterbungstheologie und der gezielten Herabsetzung der Juden fortführt, obwohl derartiger theologisch-christlicher Antijudaismus in vielen Kirchen mit Recht in Misskredit gekommen ist.

Ebenso ist darauf hinzuweisen, dass dieser Text nur von Privatleuten verfasst und ausdrücklich nicht von einer kirchlichen Körperschaft veröffentlicht worden ist. Gleichwohl haben ihn Funktionäre des Weltkirchenrats und einzelne Regionalkirchen so lanciert, als handle es sich hier um eine offizielle Stellungnahme im Namen aller palästinensischen Christen.

Es wird immer wieder unterschlagen, dass im Unterschied zu den arabisch-muslimischen Ländern und auch im Unterschied zu den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde gerade in Israel Christen nicht bedrängt werden, sondern Religionsfreiheit geniessen und an absoluten Zahlen gemessen sogar stark zugenommen haben.

Ob ein „freies Palästina“ für Christen besser wäre, ist eine offene Frage. Seit die Israelis aus dem Gazastreifen abgezogen sind, ist ein rasanter Exodus der palästinensischen Christen entstanden.

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