Wie erkenne ich Gottes Reden?

Gott spricht selten akustisch zu Menschen. Schon zur biblischen Zeit sprach Gott Menschen nur vereinzelt direkt an. Es ist keine alltägliche Erfahrung (vgl. Paulus vor Damaskus Apg 9,5 / Apg 8,26 und König Nebukadnezar Daniel 4,27-34, Mose und verschiedene Propheten).

Gott spricht durch den Heiligen Geist punktuell zu allen Menschen (Joh 16,8). Doch nur Menschen die Gott ihr Leben anvertrauen, empfangen dauernd die Leitung durch den Heiligen Geist (Joh 14,17 / 16,12-14).

Der Heilige Geist führt und leitet uns auf verschiedene Arten. Gottes Geist spricht wann und wie er will und nicht auf unsere Befehle (2.Kor 12,7-9).

Gott gibt uns meistens Aufträge und nicht einzelne Instruktionen. Er rechnet mit unserer Eigeninitiative und mit unserem Verstand.

Gott gibt uns genügend Hinweise, damit wir gute Entscheidungen treffen können, die seinem Willen entsprechen (vgl. Diakonenwahl Apg 6,2-4).

Wie spricht Gott zu uns?

Der Heilige Geist redet …

1. durch die Bibel
Zu manchen Dingen hat Gott seine Meinung schon in der Bibel gesagt. Deshalb können wir uns an den Aussagen der Bibel orientieren. Oft redet Gott zu uns, indem uns Bibelstellen plötzlich ansprechen und wir eine Antwort in unser Leben hinein erhalten. So geschah es beim Finanzminister aus Äthiopien als er mit Philippus im Buch Jesaja las (Apg 8,28-35).

2. durch das Wissen und Gewissen
Gottes Geist gibt uns innere Gewissheit (Rö 8,16). Wenn wir unserem inneren Wissen nicht folgen, meldet sich unser Gewissen. So kann uns Gott eine Last auf’s Herz legen oder wir wissen auf einmal, was wir tun sollen (Apg 16,7).
Das Gewissen muss sich aber an den Aussagen der Bibel orientieren. Wenn unser Gewissen abgestumpft ist, ist dies kein Freipass, gottlose Dinge zu tun.
Gott redet normalerweise nicht allein durch Gefühle. Gefühle sind unseren Stimmungen unterworfen und können Gottes Reden unterstützen (Rö 9,1) aber auch hindern.

3. durch die Gedanken (innere Stimme)
Gott kann uns beim Beten etwas sagen, indem er unsere Gedanken durch den Heiligen Geist leitet (Apg 13,2). Er gibt uns dann eindeutige, genaue und angemessene Informationen für unser Leben (vgl. Philippus auf der Strasse nach Gaza Apg 8,29 und Apg 10,19). Während des Betens haben wir auch eigene Gedanken. Darum müssen wir prüfen, woher diese Gedanken kommen.

4. durch Träume
Der Heilige Geist kann Träume benutzen, um uns etwas aufzuzeigen. Wichtig ist, dass man die Deutung von Gott erbittet (1.Mose 40,8). Träume haben die verschiedensten Ursachen. Viele Träume spiegeln unsere innersten Gefühle und Gedanken wieder.
Paulus hatte einen Traum. Gemeinsam kamen Paulus und seine Reisegefährten zur Überzeugung, dass Gott sie nach Mazedonien ruft (Apg 16,9-10).

5. durch Situationen
Gott lenkt unser Leben oft mehr, als wir es wahrnehmen. Er antwortet auf unsere Gebete, indem er in unsere Situation hineinwirkt (Joh 17,7.24) oder Dinge verhindert (Apg 16,6).

  • Lassen wir Gott die Freiheit, auf die verschiedensten Arten zu uns zu reden?
  • Suchen wir die Führung und das Reden Gottes oft in einer bestimmten Art, anstatt sie in unserem Alltag wahrzunehmen?

Woran erkennen wir, dass Gott zu uns spricht?

Die folgenden fünf Fragen helfen uns, unsere Eindrücke einzuordnen.

1. Entspricht es den biblischen Aussagen?
Gott hat seinen allgemeinen Willen durch die ganze Bibel offenbart. Deshalb lesen wir immer wieder die Bibel, um unseren Verstand zu schärfen (Rö 12,2).

2. Fördert es meine Beziehung zu Gott?
Gott möchte, dass wir geistlich wachsen. Alle Gedanken, die unsere Beziehung mit Gott zerstören wollen, sind nicht von Gott.

3. Fördert es meine Beziehung zu den Mitmenschen
Gott möchte mit uns eine neue Gemeinschaft aufbauen (1.Kor 12,7). Darum wird uns Gott in diese Richtung ermutigen.

4. Geht es nur um meine Ehre und Anerkennung?
Gott möchte, dass ER durch unser Leben verherrlicht wird (Eph 1,6.12.14). Um wen dreht es sich nur noch in meinem Leben?

5. Was sagen andere Christen dazu? Haben wir eine geistliche Einheit?
Da Gott all seinen Kindern den Heiligen Geist geben hat, ist die Bestätigung durch andere Christen, die in einer tiefen Beziehung zu Gott leben, eine Hilfe, sich selbst nicht zu überschätzen. Ein geistlicher Austausch mit anderen Christen bringt uns weiter (Apg 15,25 / 16,10).

Schlussbemerkungen:

  • Führung von Gott müssen wir nicht suchen, sondern in unserem Alltag wahrnehmen.
  • Führung ist mehr eine Haltung als ein Ereignis (vgl. Joh 17). Denn der Heilige Geist führt uns, wenn wir dazu bereit sind.
  • Wenn Gott spricht und führt, fordert er uns auf, göttliche und menschliche Beziehungen wieder herzustellen.
  • Viele Fragen um Gottes Willen entstehen, weil wir Menschen nicht tun wollen, was wir eigentlich wissen oder weil wir uns nicht entscheiden möchten, damit wir keine Verantwortung vor Gott und Menschen übernehmen müssen. Gott berät uns bei unseren Entscheidungen, aber er nimmt sie uns nicht ab.
  • Lerne aus den Fehlern. Was nicht eintrifft, war nicht von Gott (1.Sam 9,6).

Es gibt zwei Extreme, das Reden Gottes falsch zu verstehen.
Passiv sein : Man tut nichts mehr, ohne eine besondere Weisung zu empfangen. Dabei lehnt man die Eigenverantwortung ab, die Gott uns Menschen für unser Leben gegeben hat.

Aktiv sein: Man überschätzt sich selbst und vertritt seine eigenen Wünsche als Gottes Willen. Jedes Prüfen erscheint überflüssig und wird abgewehrt, indem man sagt: Gott hat mir klar gesagt …

Wer nach Gottes Willen leben möchte, der will seinen Gott besser kennen lernen und interessiert sich deshalb für seinen Brief an uns, die Bibel.

In der Bibel folgen Menschen den Anweisungen Gottes, bis er ihnen einen neuen Weg zeigt und sie neue Weisungen von ihm empfangen. Gott zeigt uns meistens den Weg nur Stückweise (vgl. Apg.8).

Gott drängt nie zu vorschnellem Handeln.

Text: Hanspeter Obrist

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