Welche Dschihadisten am Ende in Syrien siegen, ist ungewiss. Dass die Christen zu den Verlierern des Kriegs zählen, steht fest.

Der Präsident der Caritas Libanon, Simon Faddoul, sieht die Christen als „die größten Verlierer und Sündenböcke“ der Entwicklung im Nahen Osten. Besonders in Syrien gerieten Christen unter Druck. Das Vorgehen der Aufständischen dort trage inzwischen Züge eines islamischen „Heiligen Kriegs“, sagte der Caritas-Chef in einer von „Kirche in Not“ am Freitag verbreiteten Stellungnahme. Unter den Rebellen gebe es auch Christen, aber mittlerweile würden „alle Nicht-Muslime vom Freiheitskampf des Volkes ausgeschlossen“. Manche Regionen in Syrien stünden unter der Kontrolle islamistischer Gruppierungen, die von der christlichen Bevölkerung „eine Zwangssteuer für ,Ungläubige‘, eine Art ,Schutzgeld‘“ verlangten, so Faddoul. „Die Christen und alle anderen Nicht-Muslime sind in diesen Regionen heute Bürger zweiter Klasse.“

Zwar sei das Regime von Baschar al-Assad totalitär und müsse geändert werden. „Aber es ist bis jetzt völlig unklar, was danach kommt.“ Man wisse nicht einmal, „wer in Syrien gegen wen und für was kämpft“, sagte der Caritas-Leiter. Derzeit seien in Syrien über 100 verschiedene Gruppierungen in Kampfhandlungen verwickelt. Die Kämpfe könnten zu jeder Zeit auch zwischen den Rebellengruppen ausbrechen. Solange westliche Mächte nicht wahrhaben wollten, dass die Christen in dieser Situation verlören, werde es keine Fortschritte geben, sagte Faddoul.

Nach Angaben der katholischen Nachrichtenagentur „Asia News“ gibt es Kontakt mit den Entführern der beiden Aleppiner Metropoliten Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi. Die Agentur bestätigte, dass die Metropoliten am Montag auf dem Weg vom türkisch-syrischen Grenzkontrollpunkt am Bab al-Hawa nicht direkt Richtung Aleppo gefahren waren, sondern den Umweg über Mansoura genommen hatten, um über die Freilassung der beiden Priester Michel Kayyal (armenisch-katholisch) und Maher Mahfouz (antiochenisch-orthodox) zu verhandeln. Beide Priester waren am 9. Februar aus einem Linienbus entführt worden, der von Aleppo nach Damaskus fuhr. Seit Monaten gebe es in Syrien auch eine Diktatur der falschen Informationen, die Verwirrung stiftet und zu falschen Hoffnungen Anlass gibt. Syrien werde nicht nur „von den Bomben, sondern auch von dem durch die Lügen genährten Hass“ heimgesucht.

Die Entführung der Metropoliten ist ein „schwerwiegendes Verbrechen“ gegen geistliche Führungspersönlichkeiten, die immer nur „zum Frieden und zur Brüderlichkeit“ aufgerufen häben. Es sei tragisch, dass ein solches Verbrechen auf syrischem Boden möglich war, wo geistliche Führungspersönlichkeiten immer „mit größtem Respekt“ behandelt worden sind.

Nach Angaben des syrischen Menschenrechtsaktivisten Wail Malas geht die Entführung auf das Konto der Abteilung „Chair-ed-din az Zarkali“ der islamistischen „Al Nusra“-Front. Die Mitglieder dieser Abteilung sollen tschetschenischer Herkunft sein. Die Metropoliten hätten versucht, die „Chair-ed-din az Zarkali“-Leute zu veranlassen, die zwei Priester aus Aleppo freizugeben, die am 9. Februar aus dem Linienautobus Aleppo-Damaskus entführt worden waren. Nach vielen Kontakten sei den Metropoliten versichert worden, dass man die Priester freigeben werde. Als die Bischöfe zum vereinbarten Treffpunkt kamen, seien sie dann ihrerseits gekidnappt worden. Malas fürchtet, dass den Christen in Syrien ein ähnliches Schicksal bevorsteht wie im Irak. Im hauptsächlich von Christen bewohnten Wadi al-Nasara würden fast täglich Drohbriefe ankommen, in denen die Empfänger vor die Alternative „konvertieren, flüchten oder sterben“ gestellt werden.

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