Warum sehen Israelis Deutschland immer positiver und Deutsche Israel immer negativer?

Laut einer Umfrage sieht die israelische Bevölkerung Deutschland zunehmend positiv, während die Einstellung der Deutschen gegenüber Israel immer negativer wird. Die Shoah (Holocaust) stellt sowohl für die israelische Gesellschaft als auch für die deutsche ein identitätsstiftendes Element dar und steht für beide Länder als negativer Gründungsmythos. Doch in Deutschland hat heute jeder zweite ein negatives Bild von Israel. Im Gegensatz dazu hat ein Großteil der Israelis ein positives Bild von Deutschland.

Moshe Zimmermann, emeritierter Professor für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, meint: „Zwar nimmt die Shoah im Bewusstsein der Israelis einen immer höheren Stellenwert ein und bildet mittlerweile einen Grundpfeiler der jüdisch-israelischen Identität, jedoch gibt es eine klare Trennung zwischen dem Deutschland von damals und dem von heute. Diese Entwicklung bewertet Zimmermann als positiv. „Das heißt ja nicht, dass die Vergangenheit vergessen wird. Bei den Deutschen wiederum gibt es diese Barriere zwischen damals und heute nicht. Sie haben beim Thema Israel immer die Vergangenheit im Hinterkopf. Das ist ein Problem.“   mehr Informationen

Dennis Prager, ein jüdischer Autor aus Los Angeles schrieb: „Im Judentum aber kann man nicht im Namen eines anderen vergeben. Nur derjenige, der verletzt wurde, kann vergeben. Wenn jemand meinem Freund etwas Böses zufügt, darf nicht etwa ich an seiner Stelle dem Übeltäter verzeihen. Deshalb kann kein Jude den Deutschen im Namen der von den Nazis Ermordeten vergeben. … Das Thema der Vergebung ist kein Thema für uns. Es ist nicht unsere Aufgabe, dafür zu sorgen. Weder Deutsche noch Juden sollten auch nur einen Gedanken daran verschwenden. Das wirkliche Thema lautet: Was haben wir aus dem Holocaust gelernt?“ mehr Informationen

Die Europäer müssen lernen zu akzeptieren, dass wir mit Erinnern, damit es nie mehr passiert, mit den Israelis weiterkommen und sich selbst nicht ständig in der Schuldigkeit der Vergangenheit zu drehen, sondern mit dem Erinnern einen Gegenpool zu setzen. Denn wer aus der Geschichte nichts lernt, wird sie wiederholen.

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