Verwirrung um Mursi

Verwirrung um den neu gewählten ägyptischen Präsidenten: Mohamed Mursi will angeblich die Beziehungen zum Iran wiederbeleben und den Friedensvertrag mit Israel überprüfen. Dies berichtete die amtliche iranische Nachrichtenagentur Fars im Iran am Montag.

Damit solle ein strategisches Gleichgewicht in der Region geschaffen werden, wurde Mursi im am Montag veröffentlichten Fars-Interview zitiert.

Mursi soll sich auch für das Rückkehrrecht der Palästinenser ausgesprochen haben, die in den Nahostkriegen fliehen mussten oder von Israel vertrieben wurden.

Am Sonntag hatte Mursi nach der Bekanntgabe seines Wahlsieges jedoch erklärt, die bestehenden Verträge – auch mit Israel – einzuhalten. Mursi hatte auch „sehr ausgewogene Beziehungen zu allen internationalen Faktoren“ versprochen.

Allerdings kam am Montagabend auch ein Dementi aus dem ägyptischen Präsidentenpalast: Mursi habe Fars nie ein Interview gegeben, wurde ein Sprecher des Präsidenten von der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena zitiert. Die von Fars publizierten Äusserungen Mursis entbehrten deshalb jeglicher Grundlage.

Fars hatte angegeben, das Interview mit Mursi kurz vor der Bekanntgabe seines Wahlsieges am Sonntag gemacht zu haben. Dieses löste am Montag vor allem in Israel einiges an Aufregung aus. Allerdings regierte Regierungschef Benjamin Netanjahu gelassen. Er erwarte eine Zusammenarbeit auf der Grundlage des Friedensvertrags, sagte er.

Das Abkommen mit Israel und die Islamischen Revolution 1979 im Iran hatten zum Abbruch der Beziehungen zwischen Kairo und Teheran geführt. Teheran möchte seit Jahren wieder normale Beziehungen.

Mursi ist weltgewandt und radikal zugleich. Studierte in den USA, ist Ingenieur und Islamist. Er gehört zu den „Muslimbrüdern“, einer radikalen Partei mit dem Slogan: „Der Islam ist die Lösung.“

Die israelische Zeitung „Maariv“ schreibt, mit der Wahl von Mursi werde der für Israel „schlimmste denkbare Alptraum“ wahr.

Im Wahlkampf forderten die Muslimbrüder ein Bikini- und Alkoholverbot. Ebenso wurde immer wieder gesagt, Mursi werde mit Millionen von Märtyrern nach Jerusalem ziehen (siehe: http://israelimpulse.wordpress.com/2012/05/08/jerusalem-als-hauptstadt-der-vereinigten-staaten-der-araber/).

Mursi ist Präsident mit verkürzter Macht. Denn inzwischen wurde die islamistisch beherrschte Nationalversammlung aufgelöst. Darüber hinaus wollen gut informierte Kairoer Beobachter wissen, dass in der letzten Woche zwischen der Stichwahl und der zögerlichen Bekanntgabe ihres Ergebnisses ein zähes Tauziehen zwischen dem Militärrat und dem Chef der Muslim-Bruderschaft, Muhammad Badia, im Gang war. Es ging vor allem um die Ausarbeitung der neuen Verfassung. Diese dürfe nur insoweit mit dem islamischen Religionsrecht konform sein, als sie damit westliche demokratische und menschenrechtliche Standards nicht verletze. So habe sich der oberste Moslem-Bruder verpflichtet, den Frieden mit Israel und die Glaubensfreiheit der christlichen Kopten zu achten. Muhammad Badia, von Beruf Tierarzt, soll gerade das letztere zugesichert und sich dabei auf seinen Vorgänger in den fünfziger bis siebziger Jahre berufen haben, Hassan al-Hudeibi. Dieser hatte sich von der Christenfeindlichkeit des Gründers der Bruderschaft, Hassan al-Banna, distanziert. Man darf weiter gespannt sein, was sich als wahr erweisen wird.

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