Trump-Tochter Ivanka wirbelt in Israel Staub auf

Ultraorthodoxe sehen den Übertritt Präsidententochter zum Judentum skeptisch an. Für Israel symbolisiert sie ein Problem, das seine Existenz gefährdet, berichtet Welt.de.

Es geht um den immer tiefer werdenden Riss zwischen Israels religiösem Establishment und dem Judentum in den USA. Israels Rabbinat wird immer fundamentalistischer und verprellt so die Glaubensbrüder in den USA, nicht zuletzt einen von Trumps engsten Beratern, seinen orthodoxen jüdischen Schwiegersohn Jared Kushner. Denn manchen israelischen Rabbinern ist Trumps Tochter nicht koscher genug.

Der Angriff auf Ivanka befremdet auch die US-Gemeinde.

Für Dov Zakheim sind es deutliche Anzeichen, dass es in Zukunft schwierig wird zwischen Israels staatlichen Rabbinern und der jüdischen Diaspora in den USA – so schwierig, dass die Israel „in naher Zukunft den Rücken kehren wird“. (Zakheim ist Vorsitzender der Jewish Religious Equality Coalition (JREC) – ein Zusammenschluss jüdischer Organisationen verschiedenster Ausrichtungen in den USA, Kanada und Großbritannien, die zusammen über eine Million Mitglieder vertreten). Diese Vertrauenskrise „bedroht Israels nationale Sicherheit“, so Zakheim. „Die zwei größten jüdischen Gemeinden der Welt – Israel und das US-Judentum – entfernen sich voneinander.“

Hintergrund ist ein Streit darüber, wer Lizenzen zum Übertritt zum Judentum geben kann. In Israel dürfen nur 33 Rabbiner die jährlich rund 1800 Übertritte lizensieren. „Wer den Konvertierungsprozess kontrolliert, hat die Deutungshoheit darüber, wer Jude ist“, erklärt der orthodoxe Rabbiner Shaul Farber, der in Jerusalem das Jewish Information Center leitet. Das Judentum ist weltweit in unzählige Strömungen zersplittert: Es gibt nicht nur große Bewegungen wie das Reformjudentum oder die konservative Bewegung, die versuchen, Jahrtausende alte Bräuche an das moderne Leben anzupassen.

Auch innerhalb der orthodoxen Richtung streiten die Anhänger um die richtige Interpretation der heiligen Schriften. Die Ultraorthodoxen, die heute an den Hebeln der Macht sitzen, wollen ihre spezifische ihre Form des Glaubens „vor anderen Strömungen schützen“. Darunter leiden vor allem Konvertiten. Religiöse Staatsbeamte annullieren deren Übertritt, wenn er vor Rabbinern anderer Parteien stattfand: „Im Jahr 2010 haben sogar Abteilungen der staatlichen Konversionsbehörde Übertritte anderer Abteilungen derselben Behörde nicht anerkannt“, sagt Farber der „Welt“.

Für US-Juden, von denen nur 15 Prozent orthodox sind, ein Riesenproblem: „Israels Rabbinat will zum Glaubensführer werden, die Diaspora unterordnen“, sagt Farber. Einst betraf das nur Reformgemeinden, doch inzwischen werden auch liberale orthodoxe Strömungen Opfer von Israels Hardlinern – wie Haskel Lookstein, laut „Newsweek“ der „einflussreichste Rabbiner der USA“.

Jared Kushner betet in seiner Synagoge regelmäßig, weshalb Ivanka Trumps Übertritt wohl auch in Looksteins Synagoge begann. Doch in Israel ist der Star-Rabbiner manchen nicht streng genug: „Hier heißt es: Wenn seine Konvertitin Ivanka solche kurzen Röcke trägt, samstags mit dem Auto zur Kirche fährt und im Weißen Haus Fotos schießt, kann er kein guter Rabbiner sein“, so Farber.

Vergangenes Jahr annullierte ein Rabbinergericht den Übertritt einer anderen Konvertitin Looksteins. Das bedroht auch Ivankas Status. Sie ist kein Einzelfall: Laut Farber wurden Hunderte Konversionen im Ausland vom Rabbinat annulliert. Das will allein diktieren, welcher der schätzungsweise 10.000 Rabbiner weltweit koscher ist. Es gebe sogar Pläne, „ein internationales Judenregister anzulegen, um festzulegen, wer dazugehört und wer nicht. Ein Affront!“, beklagt Farber und schätzt: „Das würde 90 Prozent der jüdischen Welt ausschließen.“

Zakheim beteuert, er werde „Israel immer unterstützen. Aber bei meinen Enkeln ist es anders. Sie sind liberal, identifizieren sich eher mit den Schwächeren, also den Palästinensern.“ Dass Israels Rabbinat nun 85 Prozent der Diaspora zu „Juden zweiter Klasse“ erkläre, vertiefe diesen Bruch: „Immer öfter sagen mir junge Menschen: Wir sind stolz, Juden zu sein, aber schämen uns für Israel.“ Wenn der Trend so weitergehe, „werden eines Tages nur noch evangelikale Christen zum Judenstaat stehen“.

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