Toleranz-Preis für Erdogan?

Am Samstag soll der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan in Bochum den „Steiger Award“ in der Kategorie „Europa“ erhalten. Eigentlich steht der Preis für Offenheit, Menschlichkeit, Geradlinigkeit und Toleranz. Kein Wunder also, dass sich gegen diese Entscheidung immer mehr Widerstand regt.

Nach dem Protest der Armenier in Deutschland wenden sich nun auch der Zentralverband der Assyrischen Vereinigung sowie die Alevitische Gemeinde gegen die Ehrung Erdogans. So spreche der assyrische Verband unter anderem von der schlechten Situation der Pressefreiheit in der Türkei, Misshandlung und Folter türkischer Gefangener, fehlender Minderheitenrechte für Assyrer und der Verweigerung elementarer Existenzrechte für Christen. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Erdogan den Preis erhalten soll.

Auch der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschlands, Ali Dogan, übte dem Bericht zu folgt scharfe Kritik. Er nannte die Preisverleihung an Erdogan „einen Schlag ins Gesicht aller Minderheiten in der Türkei, die staatlich organisierter Intoleranz und Unmenschlichkeit ausgesetzt sind“. Der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag, Mehmet Killic, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Ich bin fassungslos, mit welcher falschen Sensibilität die Veranstalter Erdogan loben. Das ist vollkommen fehl am Platz.“ Nach seiner Einschätzung entferne sich unter Erdogan die Türkei von der EU, anstatt sich ihr anzunähern.

Nach Angaben der Initiatoren des Preises wird er „an Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland verliehen, die geradlinig ihren Weg verfolgen und dabei nach den Grundwerten der Steiger handeln. Diese sind nach Einschätzung der Jury Offenheit, Menschlichkeit, Geradlinigkeit, Toleranz“. Auf ihrer Internetseite verwahren sich die Initiatoren gegen die Kritik und weisen darauf hin, dass „Erdogan die Auszeichnung stellvertretend für das türkische Volk für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft in Empfang nimmt. Die Auszeichnung ist ausdrücklich keine Bewertung der innen- und außenpolitischen Aktivitäten des türkischen Ministerpräsidenten“.

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