Terror nicht ohne Ideologie

Ahmad Mansour Psychologe und Autor in einem Interview im Tagesspiegel

Die Politik hat bislang kein Konzept für den Kampf gegen die Radikalisierung.

Wir werden immer wieder Einzeltäter sehen. Ob sich jemand entscheidet, das allein zu machen oder Anschluss an eine Gruppe sucht, hängt von der Persönlichkeitsstruktur ab.

Ein labiler Mensch würde Selbstmord begehen. Diese Aggressivität, mit der man wahllos Menschen ermordet, kann man nur mit einer Ideologie erklären. Diese Ideologie müssen wir benennen.

Das Internet kann sicherlich ein Beschleunigungsmittel sein. Doch an der Radikalisierung sind eigentlich immer andere, reale Personen beteiligt. Damit es dazu kommt, dass jemand andere Menschen ermordet, muss eine sehr gefestigte Ideologie da sein, die das Gegenüber total entmenschlicht.

Bei der Radikalisierung spielen alle drei Ebenen – die psychologische, die gesellschaftliche und die religiöse – zusammen. Ein Faktor allein erklärt den Terror nicht.

Die Muslime werden als Opfer dargestellt. Wenn Leute das verinnerlichen, dann sehen sie den IS und Al Qaida als Bestätigung ihres Weltbildes: Die Muslime sind schwach, und der Terror ist ihr letztes Mittel, sich zu wehren. Die Muslime müssen sich unbedingt von dieser Liebe zum Tod und der Verachtung des Lebens befreien.

Die Frage ist nicht, ob hier Anschläge passieren, sondern wann und wie.

„Europäischer Islam“ – das ist in konservativen muslimischen Kreisen in Deutschland ein Schimpfwort. Wir können nicht sagen: Das hat nichts mit unserer Religion zu tun, wenn manche muslimische Verbände und Organisationen täglich diese Feinbilder pflegen. So hat sich etwa der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mayzek, nach den Terroranschlägen von Brüssel geäußert. Das ist unverschämt – die Opfer und die Ursachen der Gewalt interessieren sie nicht! Sie wollen ihre Religion beschützen. Aber eine Religion, die beschützt werden muss, ist eine schwache Religion.

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