Schlagwort-Archive: Schiiten

Muslime schlagen sich im Gedenken an Ali

Am 17.06.2018 gedachten rund 300 Schiiten aus ganz Deutschland in einem Trauermarsch zum Anlass des Todestages an Imam Ali. Sie sangen mit nackten Oberkörpern Trauerlieder, trugen eine Grabattrappe und schlugen sich mit den flachen Händen auf die Brust.

Mit dieser Matni juloos genannten Prozession erinnerten die Gläubigen an die Ermordung des vierten Kalifen Ali, Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Vor einem Geschäft hörten die überwiegend indisch- und pakistanischstämmigen Männer auf Decken sitzend barfuß einem Prediger zu. Später zogen sie durch die Gasse und schlugen sich rhythmisch mit den Händen auf die Brust. Auf die Geißelungen früherer Zeiten sollte verzichtet werden.

Zum öffentlichen Trauermarsch waren in diesem Jahr Muslime schlagen sich im Gedenken an Ali weiterlesen

Dürfen Muslime betrügen?

„Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen. […] Anders ist es, wenn ihr euch vor ihnen wirklich fürchtet.“ Sure 3 Vers 28

Der Koran verbietet in diesem Vers, Ungläubige anstelle von Gläubigen zu Freunden oder Alliierten zu erwählen. Dieselbe Botschaft Dürfen Muslime betrügen? weiterlesen

Der Krieg ist erst zu Ende, wenn der Islamische Staat die ganze Welt umspannt

Der IS-Sprecher Mohammed al-Adnani bestätigt offiziell in einer Audiobotschaft die Annahme vom Treueschwur «seiner Brüder» Boko Haram. Der Krieg sei erst vorbei, wenn der Islamische Staat die ganze Welt beherrsche. So sei dies eine «gute Neuigkeit der Ausweitung des Kalifats auf Westafrika». In der knapp 30-minütigen Aufnahme ruft Der Krieg ist erst zu Ende, wenn der Islamische Staat die ganze Welt umspannt weiterlesen

Al-Baghdadi: Lasst überall Vulkane des Dschihad ausbrechen

Mit einer am Donnerstag (13.11.2014) im Internet veröffentlichten Rede – angeblich von al-Baghdadi – tritt der IS Gerüchten entgegen, sein Führer sei verletzt oder getötet worden.

Al-Baghdadi verkündet: Alle ohne Ausnahme müssten Al-Baghdadi: Lasst überall Vulkane des Dschihad ausbrechen weiterlesen

Muslime aus aller Welt bekriegen sich selbst

Im Irak rüsten sich die Schiiten, mit tatkräftiger Unterstützung aus Iran, zur Schlacht gegen die von ihnen verhassten Sunniten. Auch aus Europa reisen Menschen an, um am Krieg zu beteiligen. Freiwillige in Bagdad melden sich zum Kampf gegen die auf die Hauptstadt vormarschierenden Isis-Kämpfer.

Während der Jahrzehnte der Diktatur Saddam Husseins wurde Muslime aus aller Welt bekriegen sich selbst weiterlesen

Schlacht mit apokalyptischer Dimension

Der deutsch-ägyptische Politologe, Historiker und Autor Hamed Abdel-Samad äussert gegenüber „die Welt“ einige interessante Beobachtungen. Hier einige Auszüge:

Zur Verurteilung von 529 ägyptische Muslimbrüdern zum Tode in Ägypten sagt er: Die Muslimbrüder profitieren am meisten von diesem Urteil, denn plötzlich redet die Welt nicht mehr über ihre permanenten Terroranschläge, sondern über das Unrecht, das ihnen widerfährt.

Zu den Wahlen: Al-Sisi gilt für viele Ägypter als der neue Heilsbringer, da Schlacht mit apokalyptischer Dimension weiterlesen

Jerusalem statt Mekka

Der Status der islamischen Heiligen Stätten ist Teil des Kampfes des Nahen Ostens geworden. Die Sunniten zerstören Stätten, die den Schiiten heilig sind, und umgekehrt zerstören Schiiten neben dem alawitischen Regime in Syrien Stätten in Syrien, die den Sunniten heilig sind.

Im Dezember 2011 bereitete sich Bashir al-Assad auf eine grosse Rede vor. Gleichzeitig bereitete die Assad gegenüber loyale Fraktion der Muslimbruderschaft eine Kampagne zur „Befreiung von Al-Aqsa“ unter der Federführung von Assad vor. Ein Thema, das für Assads Rede besprochen wurde, war, dass Jerusalem und nicht Mekka die richtige Gebetsrichtung (qibla) im Islam sei.

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Das wurde bekannt, nachdem Jerusalem statt Mekka weiterlesen

Kalifat des Schreckens in Syrien und im Irak

Abu Bakr al-Baghdadi hat in Syrien und im Irak mit brutaler Gewalt ein kleines Kalifat errichtet. «Von Diyala bis nach Beirut!» Das ist der Traum, den Abu Bakr al-Baghdadis Anhänger auf Twitter verkündeten. Er und seine Anhänger träumen von einem Reich, das sich vom Zweistromland des Irak bis zum Mittelmeer erstreckt. Die Einheimischen nennen seine Horden die «Armee der Masken» oder die «schwarze Macht». Die Vision, welche die stets schwarz maskierten und schwer bewaffneten Kämpfer antreibt, ist eine uralte: eine aus der goldenen Zeit der ersten islamischen Kalifate.

Von 661 bis 750 regierten die Omajjaden von Damaskus aus ein erstes islamisches Grossreich. Um diesen historischen Anspruch zu unterstreichen, hat Baghdadi seine Organisation letztes Jahr in «al-Qaida im Irak und der Levante» (Isis) umgetauft. Die Levante ist seit alters ein Begriff für den «fruchtbaren Halbmond» am Mittelmeer, der neben dem historischen Syrien Teile des heutigen Irak, Jordaniens, des Libanon, Israels und der Palästinensergebiete umfasst.

Seit der Gründung der al-Qaida Kalifat des Schreckens in Syrien und im Irak weiterlesen

Jagd auf Christen in Ägypten

Szenen einer blutigen Menschenjagd spielten sich am 5. Juli in der oberägyptischen Ortschaft Naga Hassan ab. Ein Mob von radikalen Islamisten, bewaffnet mit Äxten und Stöcken, trieb den koptischen Christen Emile Nassim und seinen Neffen durch die Straßen. Am Ende holten sie sie ein. Nassim erschlugen sie, der Neffe kam schwer verletzt davon. Zwei Tage nach der Entmachtung des gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi ließen aufgepeitschte Muslime ihre Wut an den Kopten in Naga Hassan aus.

«Emile war mein Freund», sagt der Kopte und Demokratie-Aktivist Mina Thabet aus Kairo. Emile sammelte Unterschriften für die Petitionsliste der neuen Protestbewegung Tamarud (Rebellion), die den Massenprotesten gegen Mursi am 30. Juni vorausging. Der Mob begnügte sich nicht mit seiner Ermordung. Auch Häuser anderer Kopten wurden geplündert und in Brand gesteckt.

Immer wieder richtete sich die Gewalt des islamistischen Mobs gegen Menschen, die nicht dem in Ägypten dominierenden sunnitischen Islam anhängen, so etwa gegen Kopten und Schiiten. «Man kann sagen, dass in 80 Prozent der Fälle die Predigt eines Hassredners aus dem Umfeld der Islamisten der Gewalt vorausging, sie ausgelöst hat», meint Thabet. Mursi, der aus der islamistischen Muslimbruderschaft kommt, habe sich nie von diesen Predigern distanziert.

Im Internet-Kanal YouTube tauchten Videos auf, in denen aufgebrachte Mursi-Anhänger damit drohten, die Christen mit Terror zu überziehen oder sie «abzufackeln». Tatsächlich brannten in zahlreichen Orten die christlichen Viertel, bis zu zehn Kopten wurden getötet, sagt der Aktivist Thabet. Für besonderes Aufsehen sorgten auch zwei Fälle auf der Halbinsel Sinai. Extremisten erschossen dort einen Priester vom fahrenden Motorrad aus. Ein christlicher Ladenbesitzer wurde entführt – seine enthauptete Leiche fand man im Straßengraben.

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„Gott ist groß! Das sind schiitische Hunde! Gott ist groß! Das ist euer Ende, ihr Hunde!“

ruft der Kämpfer. Mit „Ende“  meint er die Leichen, die zu seinen Füßen liegen. Es sind zwei von angeblich 60 schiitischen Bewohnern des syrischen Dorfes Hatlah, die einem Massaker sunnitischer Rebellen zum Opfer gefallen sein sollen. Dies behauptet jedenfalls die in London situierte, eigentlich oppositionsnahe „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte„. Aus dem Kampf gegen Diktator Bashar al-Assad ist längst ein konfessioneller Bürgerkrieg geworden.

Die „Beobachtungsstelle“ veröffentlichte ein Video, das Bewaffnete zeigt, die in einem Dorf in der Provinz Deir al-Zor verstümmelte Leichen und brennende Häuser vorführen. Laut ihren Angaben hätten zunächst schiitische Kämpfer einen Posten der Rebellen angegriffen. Zur Vergeltung hätten dann die sunnitischen Kämpfer das Dorf Hatlah überfallen und dort rund 60 Bewohner getötet sowie zahlreiche Häuser niedergebrannt. „Gott ist Groß, alle Häuser der Schiiten wurden in Brand gesteckt“, sagt eine Stimme in dem Video.

Man sollte sich gut überlegen, ob man sich in diesen Krieg einmischt. Das Ergebnis könnte wieder ein Aufruf zum Jihad gegen die „Kreuzzügler“ und Imperialisten sein. Alle Kriege der letzten Jahrzehnte in den muslimischen Gebieten entwickelten sich zum Krieg zwischen Sunniten und Schiiten. Es geht um die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten.

Auch in Europa haben sich vor 400 Jahren Katholiken und Protestanten im Namen des wahren Glaubens massakriert – diese Phase durchleben jetzt anscheinend die Muslime. Und wenn alle dort genug gelitten haben werden sie hoffentlich zur Besinnung kommen – so wie in Europa nach dem 30-jährigen Krieg. Ich weiss zwar nicht recht, da war noch ein Erster und Zweiter Weltkrieg, der dann mit anderen Motiven geführt wurde …

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Für die Christen Syriens wird das Leben zur Hölle

sagt der Journalist Martin Durm, der über den arabischen Frühling berichtet. Er macht sich Sorgen über den drohenden Exodus der Christen aus dem Irak und aus Syrien.

Der arabische Frühling entwickelt sich in eine Richtung, mit der er nicht gerechnet hatte. Es bewahrheitet sich, dass in Revolutionen jene Kräfte die Überhand gewinnen, die am besten organisiert sind.

Hauptfeind der sunnitischen Islamisten sind zwar die Schiiten, darunter die Alawiten Syriens. Die Bürgerkriege in Syrien und im Irak sind Schauplatz vom grossen inner-islamischen Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran. Die Christen stehen dazwischen. Sie sind leichte Opfer, weil sie weder im Irak noch in Syrien über Milizen verfügen – und nicht in Stammesverbänden organisiert sind. Christen kann man sozusagen gefahrlos angreifen. Auch bevorzugen Christen eher eine säkulare als eine islamische Diktatur, weil sie so ihren Glauben frei ausüben können. Sie fürchten sich vor einem Szenario à la Irak, wo innert zehn Jahren im muslimischen Konflikt tausend Christen getötet, über eine Million in die Flucht getrieben und siebzig Kirchen niedergebrannt wurden.

Für die Christen ist das Leben im Irak die Hölle, für jene in Syrien zeichnet sich diese ab. Es ist empörend, dass sogar Amnesty, das sonst bei jeder verfolgten Minderheit Alarm schlägt, nicht von Christenverfolgung sprechen will.

Syrien und Irak werden nach Ende der Bürgerkriege weiterhin muslimisch sein. Die christliche Minderheit hingegen, die hier lange vor der Islamisierung schon ansässig war, wird dann praktisch nicht mehr existieren.

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Eschatologische Fragen beschäftigen gläubige Menschen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise

Im islamischen Zusammenhang sind diese Fragen vor allem mit der Rolle des Mahdī verbunden. Damit werden automatisch die Schiiten assoziiert, obwohl die Mahdī-Figur auch in der sunnitischen Theologie existiert. Najla al-Amin stellte die Vorstellungen der Mahdī-Figur aus der schiitischen und sunnitischen Sichtweise dar und vergleicht sie miteinander.

Der arabische Name Mahdī bedeutet „der Rechtgeleitete“. Die Zwölferschiiten oder Imamiten führen ihren Mahdī auf den elften Imam Ḥasan al-ʿAskarī zurück, wodurch er in direkter Genealogie zum Propheten Muḥammad steht. Aber auch die sunnitische Theologie kennt einen Erlöser mit dem Namen Mahdī, der zu gegebener Zeit die Gerechtigkeit auf der Welt herstellen soll.

Die schiitische Lehre akzeptiert nur eine Führung der Muslime durch die Herrschaft eines  Nachkommens des Propheten Muḥammads und betrachtet jede andere Führung als illegitim. Die Erde kann nicht ohne religiöse Führung bestehen.

Nach ihren Vorstellung befindet sich der zwölfte Imam in der großen Verborgenheit. Keiner weiß, wo er sich aufhält und wann er erscheinen wird. Diese Tatsache  stellt die Schiiten bis heute vor Schwierigkeiten.

Im Zuge der islamisch-iranischen Revolution entwickelte Khomeini die Theorie der „Herrschaft des Rechtsgelehrten“, welche den höchsten anerkannten schiitischen Rechtsgelehrten legitimiert, die Gemeinde während der Abwesenheit des zwölften Imams zu führen.

Das Verständnis der Mahdī-Figur in der sunnitischen Tradition ist erheblich einfacher, da er erst zu gegebener Zeit geboren wird und die Problematik der Verborgenheit somit ausbleibt. Er wird unter dem Namen Aḥmad bekannt sein, aber auch den Beinamen Abū ʿAbdullāh tragen.

Die Zeichen für die Rückkehr des zwölften Imams ist eine Zeit von unvorstellbarem Leid und unmoralischen Taten, die durch Intrigen geprägt sein wird. An der Seite des Mahdī wird eine Person namens al-Yamani kämpfen, die die Menschen zur Rechtleitung aufrufen wird. Die sunnitische Tradition ergänzt die Erscheinung des Mahdī durch die Wiederkehr einer für alle Buchreligionen zentralen Persönlichkeit, nämlich Jesus. Darüber hinaus sollen einige Personen dem Mahdī seine Aufgabe erschweren, wie beispielsweise al-Dajjāl oder al-Sufyānī. Al-Sufyānī ist ein Gegenspieler des Mahdī, der aus Syrien kommen wird und dann mit gelben Fahnen aus dem Westen ziehen wird. Dies im Gegenspiel zu den schwarzen Bannern aus dem Osten, die ursprünglich als Zeichen der Ahl al-Bayt eingeführt wurden. Der zweite Gegenspieler al-Dajjāl, der sowohl von sunnitischer als auch von schiitischer Sicht überliefert wird, steht für den „Betrüger“. Seine Hauptaufgabe ist es, die Menschen irre zu führen. Er soll vor dem Ende der Zeit erscheinen und die Welt mit Tyrannei erfüllen.

Bezüglich der äußerlichen Erscheinung des Mahdī herrscht zwischen den sunnitischen und schiitischen Quellen weitgehend Konsens. Er soll Muttermale auf dem Rücken besitzen und eine Lücke in den Vorderzähnen aufweisen. Des Weiteren ist seine Nase durch eine Erhöhung gekennzeichnet. Zusätzlich wird seiner Person eine herausragende Stärke zugewiesen, die durch einen robusten Körperbau sichtbar wird.

Sunniten und Schiiten glauben an eine Erlöser-Figur, die am Ende der Zeit erscheinen und mit verschiedenen Personen auftritt, die teils mit und teils gegen ihn kämpfen werden. Der wesentlichste Unterschied liegt wohl in der Geburt des Mahdī. Der Vorstellung der Schiiten, dass er bereits geboren und nun verborgen ist, können sich die Sunniten nicht anschließen.

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Vergleiche auch Artikel: Gott hält sich nicht an unseren Endzeitplan

http://jerusalemimpulse.wordpress.com/2012/06/11/gott-halt-sich-nicht-an-unseren-endzeitplan/

Waffenlieferungen in Syrien an «Nicht-Extremisten», aber gibt es die?

Waffenlieferungen werden den EU-Mitgliedsstaaten überlassen. Dies wurde als «grosser Sieg» gefeiert. Nüchtern betrachtet, dürfte das Ende des EU-Waffenembargos zunächst nur wenig Veränderungen bringen.

Frankreich, die USA und Grossbritannien hatten in den letzten 12 Monaten das Waffenembargo der EU umgangen, indem man mit Kroatien ein Nichtmitgliedsland der Union als Waffenlieferanten der Rebellen einspannte. Mehr als 140-mal flogen riesige Frachtflugzeuge von Zagreb in die Türkei und Jordanien. Die Waffen, darunter auch moderne Panzerabwehrwaffen, sollten an sogenannt moderate Kräfte geliefert werden. Der amerikanische Militärexperte Eliot Higgins konnte auf seinem Weblog «Brown Moses» jedoch nachweisen, dass auch die mit al-Kaida verbündete Nusra-Front und andere Extremisten in den Genuss der kroatischen Waffenhilfe kamen.

Das will die EU ab sofort verhindern. Als Empfänger wurden erneut «moderate Kräfte» genannt, welche es bei näherer Betrachtung auf den Schlachtfeldern Syriens eigentlich gar nicht gibt. Laut «New York Times» hat der Westen Salim Idriss, den Kommandanten der Freien Syrischen Armee (FSA), als Bündnispartner in Syrien ausgewählt. Sein Sprecher Abdel-Hamid Zakaria drohte vor einigen Tagen mit ethnischen Säuberungen in Syrien, falls die Assad-Armee die Rebellenhochburg Al Kusair einnehmen sollte. Schiiten und Alawiten, verkündete der FSA-Funktionär im Fernsehsender al-Arabija wörtlich, würden dann «von der Landkarte getilgt».

So wie die «FSA» argumentieren und handeln alle Kriegsparteien in Syrien. Die Gegner werden ausnahmslos als «Abschaum» und «Ratten» verunglimpft und auch so traktiert. Gefangene werden nicht gemacht. Kleine und grosse Massaker sind an der Tagesordnung. Einziger Unterschied zwischen moderaten und extremistischen Kräften ist, dass Letztere ihren Feinden auch die Köpfe abtrennen. Ein vermeintlich gemässigter Rebellenkommandant schnitt unlängst einem getöteten syrischen Offizier Herz und Lunge heraus und biss vor laufenden Kameras in die Körperteile hinein.

Je länger der Aufstand gegen das Assad-Regime dauert, desto tiefer werden die Gräben. Nutzniesser der Uneinigkeit ist das Assad-Regime, das seine anhaltenden militärischen Erfolge vor allem den Machtkämpfen seiner Gegner zu verdanken hat.

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Droht ein ausgeweiteter Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten?

Im Nahen Osten droht ein Krieg der Religionen. Zwei Jahre nach dem Beginn des Volksaufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al Assad wirkt der Bürgerkrieg in Syrien zunehmend auch als Katalysator einer blutigen regionalen Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten. Die Konflikte zwischen den beiden großen islamischen Glaubenslagern schwelen seit langem.

In Katar goss der prominente Prediger Yussef Qaradawi neues Öl ins Feuer und rief die Sunniten aller Welt zum Dschihad gegen das Regime in Damaskus und seine Hisbollah-Helfer auf.

Im Irak dreht sich die Spirale der Gewalt wieder heftig.  Allein im Mai wurden nach UN-Angaben durch Attentatsserien zwischen Schiiten und Sunniten 1045 Menschen getötet und 2400 verletzt.

Nun geriet erstmals auch die Hisbollah-Hochburg Baalbek in der libanesischen Bekaa-Ebene unter Raketenbeschuss. Auch in der nordlibanesischen Hafenstadt Tripoli, die überwiegend von Sunniten bewohnt wird, beschießen sich Anhänger und Gegner Assads seit zehn Tagen mit schweren Waffen. Hier haben mittlerweile 30 Menschen ihr Leben verloren.

In Katars Hauptstadt Doha warf der Prediger Yussef al Qaradawi, der als geistlicher Patron der Muslimbruderschaft gilt, dem Iran vor, er plane weitere Massaker an Sunniten.

Die Hisbollah und den Iran bezeichnete der 86-jährige Hardliner als „Feinde des Islam“ und nannte sie „schlimmere Falschgläubige als Christen und Juden“.

Sunniten bezeichnen ihre schiitischen Gegner als „Dreck“ und als „Hunde“. Prediger betiteln die Hisbollah, was übersetzt „Partei Gottes“ heißt, als „Partei des Teufels“.

Umgekehrt verspotten schiitische Kämpfer die Sunniten als „Ratten“ oder als „Beduinen“, was sie als primitiv und zivilisatorisch rückständig denunzieren soll.

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