Strategie des Kopf-Abschlagens

Militante Islamisten haben auf der Sinai-Halbinsel erneut vier Ägypter wegen angeblicher Spionage für Israel enthauptet. Schon zuvor wurden 11 andere Personen aus demselben Grund enthauptet.

Ein entsprechendes Video habe die Terrorgruppe Ansar Beit al-Maqdis („Unterstützer Jerusalems“) im Internet veröffentlicht, berichtete die ägyptische Nachrichtenseite El Watan News. In dem 25 Minuten langen Video lassen die Islamisten ihre späteren Opfer aussagen, dass sie spioniert hätten. Im Anschluss werden die enthaupteten Leichen der Männer gezeigt.    mehr Informationen

Vergleiche auch Artikel: Muslimischer Mitarbeiter köpft Ex-Kollegin

taz.de ist den Spuren des Kopf-Abschlagens nachgegangen und kommt zu folgenden Ergebnissen:

Mit ihren Videos von Enthauptungen wollen sich die Dschihadisten des IS in die Tradition Mohammeds stellen. Denn mit der Art, wie man jemanden tötet, senden religiös oder weltanschaulich motivierte Killer immer auch eine Botschaft mit.

Das Enthaupten der Geiseln, westlicher wie einheimischer, wie es der IS praktiziert, wird nicht nur mit der islamischen Dschihad-Tradition legitimiert. Bereits vor zehn Jahren formulierte der irakische Al-Qaida-Anführer Abu Musab al-Sarkawi, also der Chef der IS-Vorläuferorganisation, anlässlich der Enthauptung des amerikanischen Technikers Nicholas Berg: „Ist es nicht an der Zeit für euch Muslime, den Pfad des Dschihad zu beschreiten und das Schwert des Propheten aller Propheten in die Hand zu nehmen?“ Und weiter: „Der Prophet, Gesegnet Sei Er, befahl, den Gefangenen in den Nacken zu schlagen und sie zu töten. Er gab uns selbst ein gutes Beispiel.“

Tatsächlich gibt es im Koran und in den Hadithen – den später verfertigten Nachrichten über das Wirken des Propheten Mohammed – genügend Stellen, die darüber berichten, dass der Begründer des Islams, der ja gleichzeitig ein Reichsgründer und Heeresführer war, die Enthauptung seiner Feinde anordnete und teilweise auch selbst ausführte.

So befahl Mohammed nach der Schlacht von Bakr die Enthauptung zweier Kriegsgefangener, weil diese sich Kriegsverbrechen schuldig gemacht hätten. In einer der berühmtesten unter den brutaleren Koranstellen wird ausgeführt, wie der Prophet befahl, zwischen sechs- und neunhundert jüdische Männer zu töten, weil die Juden Medinas mit den militärischen Gegnern Mohammeds paktiert hätten.

An einer anderer Stelle erhält Mohammed die Botschaft: „Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt oberhalb des Nackens und schlagt von ihnen jeden Finger“ Sure 8 Vers 12/13. An anderer Stelle heißt es: „Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt“ (Sure 47 Vers 4).

Das Köpfen blieb über die Jahrhunderte eine beliebte muslimische Praxis, sowohl gegenüber Nichtmuslimen als auch gegen innere Feinde, in Machtkämpfen und im religiösen Richtungsstreit. So wurde der Propheten-Enkel Hussein bin Ali, den die schiitische Minderheit im Islam seither als ihren größten Heiligen verehrt, 680 in Kerbala von den Soldaten des Kalifen enthauptet und sein Kopf auf einer silbernen Schale nach Damaskus gebracht. Die Geschichte des Islams ist voll von abgeschlagenen Köpfen, die auf Lanzen gespießt zur Abschreckung der Gegner ausgestellt wurden.

Die algerische Dschihad-Truppe „Islamische bewaffnete Gruppe“ hielt sich in den 90ern sogar einen hauptamtlichen Kopfabschneider. Momo le Nain – „Mohammed der Zwerg“ – soll allein in einer Nacht 86 Köpfe abgeschlagen haben. Im wahabitischen Saudi-Arabien ist die Enthauptung ohnedies die gängige Hinrichtungsart.

Die IS-Killer sind der Überzeugung, die zur Schau gestellte Brutalität würde ihnen nicht schaden, sondern nützen – und sie haben recht damit. Einerseits sind die Bilder eine Botschaft an ihre Kriegsgegner, die diese in Angst und Schrecken versetzen und damit lähmen sollen. Sie rennen in Panik davon. Andererseits sind die Videos eine Botschaft an potenzielle Sympathisanten, etwa junge Muslime im Westen: Die Brutalität ist der Beweis, dass der IS es ernst meint; dass er wirklich etwas tut. Je grausamer, desto entschlossener.

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