Schweizer Nationalhymne – Leseprobe Kapitel 8 aus dem Buch: Zu Fuß als Ehepaar nach Jerusalem

„Unterwegs eine Wasch- oder Duschgelegenheit zu finden, wird wohl ziemlich schwierig sein.“ Vor unserer Reise bekamen wir solche Bedenken häufig zu hören. Am heutigen Tag könnte es nicht idealer sein. Pünktlich zur Mittagshitze entdecken wir in Beckenried ein öffentliches Strandbad. Halleluja! Die Dusche und die Abkühlung im See sind eine Wohltat für Körper und Seele. Mit neuem Elan machen wir uns zwei Stunden später wieder auf den Weg.

Verwundert blicken wir auf ein mit Kies gefülltes Schiff an einer Anlegestelle am Vierwaldstättersee. Zwei Männer steigen aus und kommen in unsere Richtung. Aus Neugier sprechen wir sie an: „Entschuldigung, wir haben eine Frage: Woher kommt denn dieser Kies und wo wird er hintransportiert?“ Bereitwillig gibt Patrik Auskunft. „Mit dem Schwimmbagger wird der Kies aus 180 Metern Tiefe aus dem See geholt, dann sortiert und später hauptsächlich für die Herstellung von Beton verwendet. Unser Schiff hat eine Nutzlast von 680 Tonnen. Damit bringen wir den Kies nach Horw.“

Interessant ist auch der zweite Teil des Gesprächs, als uns Patrik von seiner Lebenseinstellung und seinen Erfahrungen als Sterbebegleiter erzählt: „Viele Menschen sind der Meinung, man komme im Leben mit Lug, Trug und Untreue weiter. Aber irgendwann liegt man auf dem Sterbebett. Ein Sterbender blickt meistens auf sein Leben zurück. Man muss so leben, dass man immer bereit ist.“ Dann fährt er fort: „Schön, dass ihr euch gemeinsam auf diese Reise gemacht habt. Es gibt so vieles, was man miteinander besprechen kann. Dabei lernt man einander besser kennen. Ich höre oft Leute sagen: Ich kenne meine Frau. Aber im Grunde kennen sie nur ihren Namen. Wie sie reagiert und was sie fühlt – darauf gehen sie nicht ein. Weshalb auch? Sie haben ja einen Fernseher. Oder sonst irgendeine Ablenkung. Wer sieht die Natur denn heute noch? Bei euch ist das sicher anders. So könnt ihr am Ende eures Lebens einmal dankbar sein. Wenn man dankbar ist, kann man auch Schmerz und Krankheit viel besser annehmen. Manchmal wirft das Leben eben Fragen auf. Warum bin ich krank? Warum habe ich Rückenschmerzen? Mit einer dankbaren Haltung kann man so manche Widrigkeit besser ertragen.“ Über Patriks Aussagen müssen wir während des Aufstiegs nach Seelisberg noch länger nachdenken. Oben angekommen, finden wir eine Lagerhalle, in der wir unser Zelt aufstellen dürfen.

Auch am folgenden Tag diskutieren wir über Gott, das Sterben, die Natur und zwischenmenschliche Beziehungen. Neue Gedankenanstöße erhalten wir in Bauen. Vor dem Geburtshaus von Alberich Zwyssig stehen die Worte: „Trittst im Morgenrot daher“.

„Hier hat der Komponist der Schweizer Nationalhymne seine Kindheit verbracht“, stellen wir fest. Zwyssig (1808–1854) wirkte nach einigen Wanderjahren über sechs Jahre als Musiklehrer in Wurmsbach am Zürichsee und schuf zahlreiche geistliche und weltliche Kompositionen. Interessant ist, dass auch wir nach unserem Wanderjahr in unmittelbarer Nähe von Wurmsbach wohnen werden.

Noch ahnen wir nicht, dass uns am Ende unserer Reise die Landeshymne auf eine ganz besondere Art und Weise begegnen wird. Vorerst versuchen wir einmal mehr, uns den Text in Erinnerung zu rufen. „Wir können ihn immer noch nicht auswendig“, stellen wir fest. Bei der nächsten Gelegenheit suchen wir ihn im Internet. Ganz besonders gefällt uns, wie Gott im Liedtext beschrieben wird: „Du Hocherhabener, Herrlicher, Du Unergründlicher, Ewiger, Du Menschenfreundlicher, Liebender, Du allmächtig Waltender, Rettender!“

Siehe auch Artikel über die Landeshymne hier klicken

Einfach gewaltig! Das sagen wir auch am Abend, als uns in Erstfeld wieder ein netter Landwirt in seinem Stall übernachten lässt. Nachdem wir eine Stunde lang im Regen gewandert sind, können wir unsere nassen Jacken und Regenhosen an den vielen Haken aufhängen und unser Zelt einmal mehr an einem geschützten, trockenen Platz aufstellen.

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