Schlacht mit apokalyptischer Dimension

Der deutsch-ägyptische Politologe, Historiker und Autor Hamed Abdel-Samad äussert gegenüber „die Welt“ einige interessante Beobachtungen. Hier einige Auszüge:

Zur Verurteilung von 529 ägyptische Muslimbrüdern zum Tode in Ägypten sagt er: Die Muslimbrüder profitieren am meisten von diesem Urteil, denn plötzlich redet die Welt nicht mehr über ihre permanenten Terroranschläge, sondern über das Unrecht, das ihnen widerfährt.

Zu den Wahlen: Al-Sisi gilt für viele Ägypter als der neue Heilsbringer, da Husni Mubarak und Mohammed Mursi die Wünsche nach Stabilität und Wohlstand nicht erfüllen konnten. Die Zeit der Diktatur ist vorbei. Aber die Abwesenheit von Diktatur bedeutet nicht automatisch die Ankunft der Demokratie.

Abdel-Samad attestiert dem Islam faschistoide Züge. Er meint: Für Deutsche klingt das vielleicht plakativ und provokant. Aber was ist Faschismus? Er ist eine politische Religion, mit Wahrheiten, mit Propheten, mit einem charismatischen Führer, der mit einem vermeintlich heiligen Auftrag ausgestattet ist, die Nation zu einen und die Feinde zu besiegen. Das ist der Islam auch, haargenau. Der Faschismus teilt die Welt auf in Freund und Feind, beim Islam sind es Gläubige und Ungläubige. Die Verschwörungstheorien im Faschismus, das Gefühl der Erniedrigung und des Zukurzgekommen-Seins, diese Rachlust und die Entmenschlichung der Feinde, sind allesamt im Islam zu finden, besonders in der Sprache des politischen Islam. Die Mischung von Minderwertigkeitskomplex und dem Streben nach Weltherrschaft; zwischen Ohnmacht und Allmachtsfantasien, das verbindet Islamismus und Faschismus. … Alles was den Islamisten fehlt, ist die Vernichtungsmaschinerie wie sie dem Stalinismus und dem Nationalsozialismus zur Verfügung stand. Der Islamismus erlitt mehrere Niederlagen, wurde aber nie vernichtend geschlagen – anders als der Faschismus in Deutschland und Italien.

Wir werden eine Schlacht apokalyptischer Dimension erleben. Die Islamisten werden einen Rachefeldzug gegen die Ungläubigen führen. Man kann das im Kleinen dort beobachten, wo Islamisten die Macht in einem syrischen Ort übernehmen. Menschen werden dann getötet, nur weil sie Christen sind, sogar Kinder. Das ist purer Faschismus, dass Menschen nur aufgrund ihrer religiösen oder nationalen Zugehörigkeit hingerichtet werden. Wir können das überall dort beobachten, wo Islamisten die Macht übernehmen, im Irak, in Afghanistan, in Somalia, im Sudan, in Nigeria – egal wo.

Und zum moderaten Islam: Wir hatten lange Zeit dieses Paradebeispiel eines angeblich moderaten Islams in der Türkei mit Recep Tayyip Erdogan an der Spitze. Der politische Opportunismus des Westens hat verhindert, dass dieses System sein wahres Gesicht zeigen musste. Erst jetzt, in der Krise und im wirklichen politischen und demokratischen Test, erkennen wir auch dort faschistische Tendenzen … Der Islamist, der an die Macht kommen will, ist an Demokratie nicht interessiert. Er glaubt nicht an sie, er glaubt an die Herrschaft Gottes … Das ist das Einzige, was ihn motiviert, in die Politik zu gehen. Er respektiert menschlich geschaffene Strukturen wie Parlament und Justiz nicht, weil Gott die Gesetze für ihn schon vor 1400 Jahren festgelegt hat. Sie müssen nur noch angewandt werden … Dialog ist in dieser Hinsicht eigentlich Zeitverschwendung. Es ist ja mit Erdogan ein Dialog geführt worden, aber er hat den Westen ausgetrickst. Seine so genannten Reformen glichen eher Ermächtigungsgesetzen und die ganze Zeit versteckte er sich hinter Europa. „Moderater Islam“ ist eine Erfindung westlicher Islamwissenschaftler. Moderat und Islam ist ein Paradoxon, sie passen nicht zusammen.

Seine Kritik an den Islamisten: Es geht um die chronischen Krankheiten der arabischen Gesellschaften: fehlende Bildung, mangelhafte wirtschaftliche Strukturen, Korruption, Paternalismus...die Liste ist lang. Sie sind von der modernen Welt Lichtjahre entfernt. Es ist viel einfacher für sie, sich auf eine ideologische Ebene zurückzuziehen, anstatt die Probleme anzupacken und zu lösen. Ein Prediger, der im Westen als moderat angesehen wird, meinte ernsthaft, der wirtschaftliche Niedergang habe erst eingesetzt, seit wir den Dschihad nicht mehr ernst nehmen. Er schlägt ernsthaft neue Eroberungskriege gegen christliche Länder vor, Kopfsteuer für Christen und Juden, Versklavung der Gegner.

Wir steuern auf einen Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten von globaler Dimension zu. Und wir können nur hoffen, dass wir danach dann auch eine Reformation haben werden wie es in Europa der Fall war. Wir kommen daran nicht vorbei, aber der Preis wird hoch sein.

Der Krieg gilt als Chance der Wiedergeburt, bei Faschisten wie auch bei Islamisten. Der Frieden auf der Welt könne nur wieder hergestellt werden, wenn alle Menschen dem Islam angehören. Das ist nicht Islamismus, das steht schon im Koran.

Wir werden sehen ob er Recht hat.

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