Saudi-Arabien strauchelt

Der Mord an Regimekritiker Jamal Khashoggi ist ein Zeichen der  Schwäche. Khashoggi war ein Freund von Osama bin Laden. Er unterstellte Israel den Anschlag auf das World Trade Centers (WTC) in New York ausgeführt zu haben. Doch warum musste er weg? War seine Verlobte eine versteckte Agentin? Es bleiben viele offene Fragen.

Khashoggis Familie gehört seit langem zur etablierten und erfolgreichen sunnitischen Bürgertum in Saudi-Arabien. Doch die politische Teilnahme wird ihnen durch Monarchie und Aristokratie seit jeher verweigert.

Sie dürfen die saudische Politik kommentieren, solange es, wie zunächst auch im Fall Khashoggi, genehm ist. Doch sie dürfen weder attackieren noch teilhaben.

So unterschiedlich die von bin Laden und Khashoggi gewählten Mittel – hier Reform und Partizipation, dort Terror und Revolution –, so ähnlich ihr Ziel: politische Teilhabe und Teilnahme.

Das zweite Fundamentalproblem in Saudi-Arabien: Die Einbeziehung der im Osten des Landes lebenden schiitischen Saudis, die sich immer mehr am Iran orientieren. Denn nur unter dem Boden des östlichen Landesteils gibt es Erdöl und Erdgas.  mehr Informationen

Die grausame Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi in Istanbul zeigt das wahre Gesicht der im Namen Allahs regierenden Gewaltherrscher in Riad. Dort lässt sich Kronprinz Muhammad Bin Salman nachsagen, dass er alle Finger, die gegen ihn zu schreiben wagen, gnadenlos abschneiden lässt – wie jetzt an Khashoggi praktiziert.

Die Eroberung der Muslim-Pilgerstätte Mekka und Medina sowie der Erdölsegen hat dazu beigetragen, Saudi-Arabien die islamische Führung zu verschaffen und es zu einer Weltwirtschaftsmacht werden zu lassen.

Doch der Reformer, Kronprinz Muhammad Bin Salman, bekannt unter dem Kürzel MBS, ist nicht so weltoffen, wie er sich gerne gibt. Die Emanzipation der weiblichen Welt blieb beim Autofahren und Kinobesuchen stecken, während Frauenrechtlerinnen bald wieder verhaftet wurden und jetzt sogar von Hinrichtung bedroht sind.

Im Gegenteil werden die Schiiten im erzsunnitischen Reich der Saudis unter Bin Salman jetzt schlimmer verfolgt denn je. Für die schätzungsweise fünf Millionen Gastarbeiter – meist evangelische westliche Fachkräfte oder katholische Hausangestellte aus den Philippinen, orthodoxe Eritreer oder Inder – bleiben sogar der Besitz einer Bibel, einer Ikone und gemeinsames Beten in Privaträumen streng verboten. Wer dagegen verstößt, wird mit Auspeitschung und menschenunwürdiger Haft bestraft.  mehr Informationen

Im eigentlich Sinne ist ein Streit über die Vorherrschaft des sunnitischen Islams entbrannt. Erdogan beansprucht ihn für sich. Doch die Saudis haben mit Mekka und Medina die muslimischen Zentren in ihrer Hand. Wie sich das weiter entwickeln wird, wird spannend werden. Beide Seiten sind korrupt und haben keine Hemmungen Gewalt anzuwenden.

Khashoggi gefährlicher Islamist

Der saudiarabische Kronprinz Muhammad bin Salman hat den getöteten Journalisten Jamal Khashoggi in Telefongesprächen mit Trumps Schwiegersohn und Sicherheitsberater in den USA als «gefährlichen Islamisten» bezeichnet. Das schreiben die «Washington Post» und die «New York Times».

Der Kronprinz soll gegenüber Jared Kushner und Sicherheitsberater John Bolton auch gesagt haben, Khashoggi sei Mitglied der der transnationalen, sunnitisch-islamistischen Muslimbruderschaft. Die Telefongespräche haben gemäss den Berichten am 9. Oktober, also nach dem Verschwinden Khashoggis, aber noch vor den Eingeständniserklärung Riads stattgefunden.

Saudiarabien bestreitet die Darstellungen der beiden US-Zeitungen. Khashoggi hatte für die «Washington Post» geschrieben. mehr Informationen

 

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