Der Papst möchte den Katechismus ändern

Der Papst möchte den Katechismus nach dem neuen Verständnis der christlichen Wahrheit ändern.

Schon Johannes Paul II. und Benedikt XVI. widersprachen dem Katechismus der katholischen Kirche mit Blick auf die Todesstrafe. Jetzt will der amtierende Papst eine Änderung des Katechismus.

Der Katechismus ist die verbindliche Richtschnur für jeden Katholiken. Dass ein amtierender Papst etwas anderes sagt als der Katechismus, ist deshalb eigentlich nicht vorgesehen. Doch im Fall der Todesstrafe war es in den vergangenen 25 Jahren genau so: Johannes Paul II. prangerte die Todesstrafe ebenso als unchristlich an wie sein Nachfolger Benedikt XVI.

Die Todesstrafe sei „unzulässig“ und stehe im „Gegensatz zum Evangelium“, sagte der Papst am Mittwochabend 11.10.17 im Vatikan. Selbst ein Mörder verliere nicht seine persönliche Würde. Dies müsse im Katechismus der katholischen Kirche „angemessener und konsequenter Raum finden“, so Franziskus.

Die Aussagen des Katechismus zur Todesstrafe waren bereits unmittelbar nach dessen Veröffentlichung 1992 auf Kritik gestoßen. In dieser ursprünglichen Fassung hieß es, der Schutz des Gemeinwohls erfordere es, dass ein Angreifer außerstande gesetzt werde zu schaden. Die bis heute maßgebliche überarbeitete Fassung des Katechismus von 1997 griff die Kritik auf und ergänzt einschränkend, die Todesstrafe werde nicht ausgeschlossen, „wenn dies der einzig gangbare Weg wäre, um das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen„.

Franziskus äußerte sich nun vor der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, die sich in diesem Jahr mit dem Katechismus befasste. Franziskus selbst erinnerte am Mittwoch daran, dass die Todesstrafe im kleinsten Staat der Welt erst 1969 durch Paul VI. abgeschafft wurde. Franziskus räumte auch selbstkritisch ein, dass der Kirchenstaat im 19. Jahrhundert keine Skrupel hatte, sich der Todesstrafe zu bedienen. Der als „Henker des Papstes“ bekannte Scharfrichter Giovanni Battista Bugatti richtete zwischen 1797 und seiner Pensionierung 1864 insgesamt 516 Verbrecher hin. Die letzte Hinrichtung im Kirchenstaat erfolgte 1868, zwei Jahre vor dessen Untergang.

Die harmonische Entwicklung der Glaubenslehre verlange jedoch, „Positionen zur Verteidigung von Argumenten hinter uns lassen, die nun entschieden im Gegensatz zum neuen Verständnis der christlichen Wahrheit erscheinen“.

Franziskus ist jedoch nicht nur wie seine Vorgänger für ein Verbot der Todesstrafe. Er fordert darüber hinaus auch eine Abschaffung lebenslanger Haftstrafen. Diese kritisierte er bereits 2014 als eine „heimliche Todesstrafe“. Dazu äußert sich der Katechismus allerdings nicht.  Mehr Informationen

Die Frage ist, ob auch andere Themen geändert werden sollen. Denn Papst Franziskus hat, nachdem ihm darin Johannes XXIII. und Paul VI. vorausgegangen waren, auch die Orte abgeschafft, in denen die Seelen nach dem Tod gehen sollten: Hölle, Fegefeuer, Paradies.

Papst Franziskus hat in persönlichen Gesprächen mit Eugenio Scalfari geäußert (La Repubblica, 10. Oktober 2017), dass es keine Bestrafung des Bösen gebe, kein Fegefeuer und keine Hölle. Wer bewußt Böses tue und nicht bereue, dessen Seele lösche sich mit dem Tod aus. Der Vatikan dementierte bisher nicht.

Die ersten Interviews wurden inzwischen vom Vatikanverlag als Buch herausgegeben, die jüngeren wurden vollinhaltlich vom Osservatore Romano veröffentlicht.  mehr Informationen

Ist Jesus bald noch der Einzige, der an die Hölle glaubt?

In der modernen Theologie blendet man ein „Verloren gehen“ aus. Alles wird irgendwann transformiert und das Böse überwunden. Gott habe sich bereits versöhnt und der Mensch habe keinen Einfluss auf sein Heil. Die Kirche sei Demonstration von Gottes transformierender Herrschaft.

Auch Sünde ist zu einem diffusen Begriff geworden. Dr. Marcus Weiand vom  Institut für Konflikttransformation (ComPax) sagte zu Livenet:In der Gemeinde fällt der Begriff «Sünde» oft gar nicht mehr.“  „Heute wird gar nicht mehr in der Kategorie gedacht, dass man an etwas Schuld hat. Es geht eher um die Frage der Überforderung. Man schafft Dinge nicht mehr, und damit entschuldigt man möglicherweise auch das Tun. Es steckt ganz tief in uns drin, dissonantes Verhalten zu entschuldigen, anstatt sich den Dingen zu stellen.“   mehr Informationen

In der katholischen Theologie kommt man heute zum Schluss: „Nicht der Himmel ist die Ausnahme, sondern die Hölle“ Gleichwohl gibt es die Hoffnung, dass die Hölle aufgrund der Gnade Gottes quasi leer ist. Dr. Markus Schulze  weiterlesen

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