Palästinenser gegen Kameras auf dem Tempelberg

Warum hat sich die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) gegen Jordaniens Vorschlag ausgesprochen, auf Jerusalems Haram al-Sharif (Tempelberg) Kameras zu installieren?

Es war Jordaniens König Abdullah, der den Vorschlag zum ersten Mal unterbreitete. Kurz nachdem Israel die Idee akzeptiert hatte, beeilte sich die Palästinensische Autonomiebehörde, sie als „neuerliche Falle“ anzuprangern. Riad al-Malki, der Außenminister der PA, und andere Offizielle in Ramallah äußerten die Sorge, dass Israel die Kameras nutzen werde, um „Palästinenser unter dem Vorwand der Aufwiegelung zu verhaften“.

Um Juden daran zu hindern, das etwa 150.000 Quadratmeter große Areal zu betreten, haben die Palästinensische Autonomiebehörde und die Islamische Bewegung in Israel Dutzende von Männern und Frauen angeheuert, die jüdische Besucher und die sie begleitenden Polizisten drangsalieren. Die Männer werden Murabitoun genannt, die Frauen Murabitat (Verteidiger des Glaubens).

Filmaufnahmen zeigen, wie diese Männer und Frauen schreien und versuchen, auf dem Haram al-Sharif Juden und Polizisten anzugreifen. Solche Videobeweise möchte die Palästinensische Autonomiebehörde gern vermeiden.

Die Installation von Überwachungskameras wird das aggressive Verhalten der Murabitoun und Murabitat öffentlich machen und der ganzen Welt zeigen, wer in Wahrheit die heilige Stätte des Islam „entweiht“ und aus ihr eine Basis für tätliche Übergriffe auf jüdische Besucher und Polizisten macht.

Auch würden die Kameras wahrscheinlich die Behauptung entkräften, dass die Juden die Al-Aksa-Moschee „gewaltsam stürmen“ und auf dem Tempelberg Gebete abhalten. Die Kameras würden zeigen, dass Juden keineswegs die Al-Aksa-Moschee betreten, wie die Palästinenser immer wieder behauptet haben.

Ein weiterer Grund, weswegen sich die Palästinenser dem Vorschlag König Abdullahs widersetzen, ist die Angst, dass die Kameras enthüllen werden, dass die Palästinenser seit zwei Jahren Steine, Brand- und Rohrbomben in die Al-Aksa-Moschee schmuggeln.

Indem sie sich dem Vorschlag einer permanenten Videoüberwachung des Haram al-Sharif widersetzt, geht die Palästinensische Autonomiebehörde auf Kollisionskurs mit Jordanien. Jordanische Politiker und Kommentatoren haben mit Verärgerung auf die Haltung der PA reagiert.

Die regierungsnahe jordanische Zeitung Al-Ghad zitierte jordanische Politiker, die den Widerstand der Palästinensischen Autonomiebehörde gegen die Kameras als „unangemessen, tölpelhaft, unsensibel und unfair“ verurteilen.

Beobachtern in Ramallah zufolge muss der Widerstand der PA gegen die Kameras auch im Zusammenhang des Machtkampfes um die Kontrolle der heiligen Stätten des Islams in Jerusalem gesehen werden, der zwischen den Palästinensern und Jordanien tobt. Die Jordanier haben lange Zeit danach getrachtet, ihren Status als „Wächter“ der Al-Aksa-Moschee und anderer heiliger islamischer Stätten in Jerusalem zu bewahren. An diesem Status haben einige Palästinenser und die Islamische Bewegung in Israel in den vergangenen beiden Jahrzehnten versucht zu rütteln.

Der Widerstand der Palästinensischen Autonomiebehörde gegen die Videoüberwachung wird als Versuch gewertet, Jordaniens Stellung innerhalb der heiligen islamischen Stätten zu untergraben. Viele Palästinenser sind der Meinung, dass sie – und nicht die Jordanier – die Kontrolle über den Haram al-Sharif haben sollten.

Folglich könnte die Position der Palästinensischen Autonomiebehörde auch als Versuch gesehen werden, den dortigen Status quo zu ändern und die Jordanier zu vertreiben. mehr Informationen

Rundgang auf dem Tempelberg

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