Eine neue Art von Terror in Israel

Seit einigen Wochen kommt es auf den Straßen Israels beinahe täglich zu tödlichen Angriffen. Palästinenser attackieren Passanten und Soldaten mit Messern und Schraubenziehern und werden daraufhin häufig von israelischen Sicherheitskräften erschossen. Touristen sind bis jetzt davon nicht betroffen.

Das Land in Israel war in allen Zeiten umkämpft und es kam immer wieder zu Gewaltausbrüchen zwischen den hier lebenden Gruppierungen.

Die jüngste Folge begann mit der Entführung von drei israelischen Teenagern im Juni 2014 nahe Hebron im Süden des Westjordanlands. Um die drei zu finden, durchsucht die israelische Armee über 800 palästinensischer Häuser. Bei den Durchsuchungen kommt es zu Zusammenstößen mit jungen Palästinensern. Vier Palästinenser werden in dieser Zeit von israelischen Soldaten erschossen.

In der Folge gibt es Attacken aller Art und im Juli 2014 einen neuen Gazakrieg, nachdem die Hamas aus dem Gazastreifen auf Israel schoss.

Im Oktober 2014 fordert die nationalreligiösen Partei „Jewish Home“, dass Juden auf dem Tempelberg beten dürfen. Mit Jordanien gibt es seit Jahrzehnten die Einigung, dass Juden den Tempelberg zwar betreten, aber Gebete und religiöse Handlungen unterlassen müssen. Kurz darauf wird ein Rabbiner bei einer Konferenz in Jerusalem angeschossen, der sich ebenfalls dafür einsetzt, dass Juden auf dem Tempelberg beten dürfen. Nach dem Anschlag sperrt Israel den Tempelberg für Juden und Muslime, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ruft daraufhin für den kommenden Tag einen „Tag des Zorns“ aus. An diesem Tag bleibt es aber weitgehend ruhig. Nun erhält der Konflikt auf einmal eine religiöse Dimension.

Als am 19. November 2014 die israelische Armee ein Haus in Ost-Jerusalem zerstört, dass der Familie eines Attentäters gehört, gehen Palästinenser auf die Straßen und rufen: „Die Intifada hat begonnen.“ Die dritte Intifada wurde schon oft ausgerufen, im Sommer 2014 und auch im Oktober 2015 ist von einer Intifada die Rede. Doch niemand will die Gewaltspirale offiziell als eine Intifada bezeichnen.

Zwischen Juni 2014 und August 2015 sterben dabei nach UN-Angaben 46 Palästinenser beziehungsweise israelische Araber und 16 jüdisch-israelische Zivilisten. Im Oktober gab es 48 Messerattacken, 5 Attacken mit einem Auto, 5 Schiessereien, 11 Israelis starben und 132 wurden verletzt.

Am Vorabend des jüdischen Neujahrsfests, am 14. September 2015, kommt es wieder zu Ausschreitungen auf dem Tempelberg. Palästinensische Jugendliche verschanzen sich in der Al-Aqsa-Moschee und liefern sich eine Schlacht mit israelischen Soldaten.

Kurz darauf beginnen die spontanen, beinahe täglichen Attacken auf israelischen Straßen. Mit Messern oder Schraubenziehern stechen die Angreifer auf ihre Opfer ein. Viele der Angreifer sind noch Minderjährig, der jüngste erst 13 Jahre alt. Und die meisten Angreifer werden von israelischen Polizisten, Soldaten oder auch Zivilisten erschossen. Die palästinensischen Angriffe erhöhen das Misstrauen gegenüber Palästinenser. Neu ist, es kann jederzeit und überall passieren.

Mahmoud Abbas sagte Ende September 2015 vor der UN-Vollversammlung in New York, er fühle sich nicht mehr an das Friedensabkommen von Oslo gebunden und ermutigt damit indirekt zum offenen Konflikt.

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Benjamin Netanjahu beteuert zwar, dass sich am Status Quo des Tempelbergs nichts ändern soll. Diese Beteuerungen können aber die jahrelange offene und verdeckte Dämonisierung auf beiden Seiten nicht aufheben.

In dieser Region gab es noch nie eine lange Zeit des Friedens. An vielen Orten gibt es jedoch mehr Tote – doch da meistens aus kiminellen Gründen.

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