Muslime schlagen sich im Gedenken an Ali

Am 17.06.2018 gedachten rund 300 Schiiten aus ganz Deutschland in einem Trauermarsch zum Anlass des Todestages an Imam Ali. Sie sangen mit nackten Oberkörpern Trauerlieder, trugen eine Grabattrappe und schlugen sich mit den flachen Händen auf die Brust.

Mit dieser Matni juloos genannten Prozession erinnerten die Gläubigen an die Ermordung des vierten Kalifen Ali, Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Vor einem Geschäft hörten die überwiegend indisch- und pakistanischstämmigen Männer auf Decken sitzend barfuß einem Prediger zu. Später zogen sie durch die Gasse und schlugen sich rhythmisch mit den Händen auf die Brust. Auf die Geißelungen früherer Zeiten sollte verzichtet werden.

Zum öffentlichen Trauermarsch waren in diesem Jahr Gäste aus Frankreich, Spanien, Dänemark, den Benelux-Ländern und sogar aus den USA angereist. Ein ganzer Bus kam aus Italien.  mehr Informationen

Im Jahr 2017 waren es ca. 200 muslimische Männer, die sich auch zum Teil auch  selbst geißelten. Mit dem Trauermarsch gedenken die schiitischen Gläubigen jedes Jahr zum Ende des Ramadans ihres verstorbenen Imams Ali.

Wir nehmen Dein Leid auf uns, wollen die Männer mit den Schlägen auf die Brust bekunden, sagte Pressesprecherin Samina Haider. Bei aller Gewalt, die sie sich selbst mit ihren Schlägen antun, wollten sich die Gläubigen gleichzeitig ganz deutlich von jeglichem Terror und Terrorgruppen distanzieren, ergänzte Haider. Man trauere nicht nur um Ali, sondern lehne mit dem Trauermarsch gleichzeitig „jeglichen Terror und jegliches Unrecht“ ab, hieß es dazu auf dem Handzettel.

In Imam Ali sehen die Schiiten den eigentlichen rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed. Ali wurde vor circa 1400 Jahren beim Morgengebet des 19. Ramadan in der Moschee mit einem Schwert ermordet.

Dem getöteten Imam zu Ehren finde deshalb jedes Jahr am Ende des Fastenmonat eine solche Prozession statt, bei dem die Männer zuerst Vorträge anhörten. Dann wird ein symbolisches Grab getragen und mehrere weiße Tauben wurden als Friedenszeichen freigelassen. Am Schluss würden sie gemeinsam essen.

Das Treffen wird von der Schiitischen Gemeinde Deutschlands organisiert  und fand 2017 bereits zum sechsten Mal in Bonn statt.

Die Männer, die an der rituellen Selbstgeißelung teilnehmen, sind zumeist pakistanischer Herkunft und reisten nach Angaben des Veranstalters aus mehreren europäischen Ländern an.

Auffällig viele Rücken der Trauernden waren mit Narben übersät. „Das sind die Male einer anderen Form der Selbstgeißelung. Dabei schlagen sich Gläubige mit einem kleinen Messer an einer Schnur auf den Rücken“, sagte ein Teilnehmer dem „Bonner Generalanzeiger“ (siehe Aschura Fest).  mehr Informationen

 

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