Muslime in Pakistan greifen zur Selbstjustiz, obwohl es keine Beweise gibt

Eine aufgebrachte Menschenmenge hat im pakistanischen Lahore mindestens 40 Häuser von Christen in Brand gesetzt. Der Grund: Ein Muslim hatte einem 28-jährigen Christen vorgeworfen, sich häufiger beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Dafür gibt es allerdings keine Beweise. Nachdem Christ Sawan Masih am 7. März erneut etwas Abfälliges über den Propheten gesagt haben soll, wollte ihm ein aufgebrachter Muslim zusammen mit einigen Freunden einen Denkzettel erteilen. Als sie feststellten, dass der Gesuchte nicht zuhause ist, hätten sie zunächst Steine geworfen und auf dessen Vater eingeschlagen. Schließlich hätten einige der Randalierer das Haus angezündet. Daraufhin seien mehrere hundert Bewohner der Siedlung Joseph Colony geflüchtet aus Angst, Opfer von Selbstjustiz zu werden, die häufig auf solche Blasphemievorwürfe folgt. Der aufgebrachte Mob – die Polizei sprach von rund 3.000 Beteiligten – habe sich auch dann nicht beruhigen lassen, als Polizisten den gesuchten 28-Jährigen schließlich verhafteten – zu seinem eigenen Schutz, wie es hieß. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari zeigte sich schockiert über den Vorfall.

Berichte über Beleidigungen des Propheten führen in Pakistan immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Menschenrechtsaktivisten beklagen, dass die strikten Blasphemie-Gesetze oft dazu missbraucht würden, persönliche Streitigkeiten auszutragen. Auf Beleidigungen des Propheten Mohammed steht in Pakistan die Todesstrafe.

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