Muslime geißeln sich im Gedenken an Ali

2017:  25.6.2017

In der Bonner Innenstadt haben sich etwa 200 muslimische Männer getroffen, um mit nacktem Oberkörper durch die Straßen zu ziehen und sich selbst zu geißeln. Mit dem Trauermarsch gedenken die schiitischen Gläubigen jedes Jahr zum Ende des Ramadans ihres verstorbenen Imams Ali.

Rhythmisch zur Musik schlugen sich die Männer dabei immer wieder mit der flachen Hand so heftig auf die Brust, dass ihnen Tränen kamen. Wir nehmen Dein Leid auf uns, wollen die Männer mit den Schlägen auf die Brust bekunden, sagte Pressesprecherin Samina Haider. Bei aller Gewalt, die sie sich selbst mit ihren Schlägen antun, wollten sich die Gläubigen gleichzeitig ganz deutlich von jeglichem Terror und Terrorgruppen distanzieren, ergänzte Haider. Man trauere nicht nur um Ali, sondern lehne mit dem Trauermarsch gleichzeitig „jeglichen Terror und jegliches Unrecht“ ab, hieß es dazu auf dem Handzettel.

In Imam Ali sehen die Schiiten den eigentlichen rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed. Ali wurde vor circa 1400 Jahren beim Morgengebet des 19. Ramadan in der Moschee mit einem Schwert ermordet.

Dem getöteten Imam zu Ehren finde deshalb jedes Jahr am Ende des Fastenmonat eine solche Prozession statt, bei dem die Männer zuerst Vorträge anhörten. Dann wird ein symbolischer Sarg getragen und mehrere weiße Tauben wurden als Friedenszeichen freigelassen. Am Schluss würden sie gemeinsam essen.

Das Treffen wird von der Schiitischen Gemeinde Deutschlands organisiert  und fand bereits zum sechsten Mal in Bonn statt.

Die Männer, die an der rituellen Selbstgeißelung teilnehmen, sind zumeist pakistanischer Herkunft und reisten nach Angaben des Veranstalters aus mehreren europäischen Ländern an.

Mit der Zeremonie am Ende des Ramadan verehren die Schiiten den Imam Ali. In ihm sehen sie den rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed. Er soll Überlieferungen zufolge vor etwa 1400 Jahren mit einem Schwert ermordet worden sein.

Auffällig viele Rücken der Trauernden waren mit Narben übersät. „Das sind die Male einer anderen Form der Selbstgeißelung. Dabei schlagen sich Gläubige mit einem kleinen Messer an einer Schnur auf den Rücken“, sagte ein Teilnehmer dem „Bonner Generalanzeiger“ (siehe Aschura Fest).

Sorgen um eine eventuell notwendige ärztliche Versorgung von erlittenen Wunden oder Verletzungen müssen sich Teilnehmer, die in Deutschland gesetzlich versichert sind, übrigens nicht machen.

Christopher Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) sagt: „Kein Arzt lässt eine Wunde unversorgt, wenn ein Patient damit zu ihm kommt.“ Gesetzlich Versicherte hätten einen grundsätzlichen Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist.

Sollte sich jemand selbst verletzen, kann die Krankenkasse jedoch den Versicherten an den Kosten ganz oder teilweise beteiligen. „Die Beurteilung der Angemessenheit liegt dabei im Ermessen der jeweiligen Krankenkasse“, schreibt die KVNO.   mehr Informationen

 

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