Mormonen im Fokus wegen Mitt Romney

In Deutschland leben knapp 39.000 Mormonen. Die Kandidatur des Mormonen Mitt Romney bringt Aufmerksamkeit – auch unerwünschte. Der auffällige Kinderreichtum der Mormonen ist ein Grund dafür, dass die Glaubensgemeinschaft mit jedem Jahr wächst, während den Katholiken und Protestanten hierzulande die Mitglieder davonlaufen. Inzwischen sind weltweit 14,4 Millionen Menschen Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie der volle Name der Glaubensgemeinschaft offiziell lautet.

Die Mormonen glauben, dass der Gründer ihrer Kirche, Joseph Smith jr., im Jahr 1823 das sogenannte Buch Mormon auf Goldplatten von einem Engel erhielt. Sie glauben, dass der Präsident ihrer Kirche seine Eingebungen direkt von Gott bekommt, dass Familien auch nach dem Tode zusammenbleiben und dass gute Mormonen über verschiedene Stufen des Himmels letztlich selbst wie Gott werden können. Vor allem aber sind sie überzeugt, der einzig wahren Kirche anzugehören.

Seit Mitt Romney die amerikanische Politik aufmischt, sind die Mormonen neu in den Fokus geraten. Wenn er gewählt wird, kann es durchaus sein, dass sein wichtigster politischer Gegenspieler ebenfalls Mormone ist: Harry Reid, Demokrat und derzeit Mehrheitsführer im US-Senat. Wenn also nicht alles täuscht, dann sind die Mormonen vom buchstäblichen Rand der Gesellschaft – aus der Wüste des US-Staates Utah – im Zentrum der Macht angekommen.

Mormonen haben viel in ihrer Kirche gelernt. Jeder kennt jeden beim Namen, man redet sich mit „Bruder“ und Schwester“ an. Auch im Gottesdienst steht menschliches Miteinander im Vordergrund. Ein strenger Verhaltenskodex verbietet nicht nur außerehelichen Sex und den Konsum von Drogen, sondern auch Alkohol, Tabak und Kaffee. Zehn Prozent ihres Einkommens treten Mormonen an ihre Kirche ab. Von Kirchenmitgliedern wird erwartet, dass sie sich engagieren. Sie putzen ihr Gemeindehaus, planen den Gottesdienst und helfen Missionaren. Mormone ist man ganz oder gar nicht.

Nachdem Joseph Smith jr. die Kirche gegründet hatte, siedelten sie sich im US-Staat Missouri an, wo Smith den Gottesstaat „Zion“ errichten wollte. Doch unter den Einheimischen machten sie sich vor allem durch Polygamie unbeliebt. Smith selbst soll insgesamt 32 Frauen geheiratet haben, einige von ihnen jünger als 16 Jahre. Die Mormonen wurden immer wieder gewaltsam vertrieben, im Jahr 1844 wurde Smith von einem wütenden Mob erschlagen. Der mormonische Wüstenstaat Utah im Westen des Landes wurde im Jahr 1857 gewaltsam in die USA integriert, doch halbwegs salonfähig wurden die Mormonen erst 1890, als sich der damalige Kirchenpräsident offiziell von der Polygamie distanzierte.

Ihre Disziplin gilt vielen als Grund für den Erfolg. Auch heute hält man zusammen gegen eine potenziell feindselige Umwelt. Weltweit gibt es etwa 55.000 Missionare. Sie tragen einen Anzug mit Namensschild und arbeiten ehrenamtlich. Von jedem männlichen, unverheirateten Mormonen über 19 Jahren wird erwartet, dass er der Kirche zwei Jahre lang als Missionar dient. Sie lächeln freundlich, aber verkaufen ihren Glauben so müde und emotionslos, als sei er ein Staubsauger. Jeden Tag stehen sie um 6.30 Uhr auf, um bis spät abends Passanten anzusprechen und an Türen zu klingeln. Die Disziplin, die zur Mission gehört, gilt vielen als Grund für den Erfolg der Mormonen in Politik und Wirtschaft der USA.

Etwa 80 Prozent der US-Mormonen wählen die Republikaner. Dennoch versucht die Kirche, jede Assoziation mit dem Kandidaten Romney zu vermeiden. Politik und Religion sollen getrennt bleiben. In den USA stemmen sich die Mormonen seit langem laut- und finanzstark gegen die Homo-Ehe und waren in den 70er-Jahren Gegner des „Equal Rights Amendment“, das Frauen gesetzlich gleichstellen sollte. Bis zum Jahr 1978 gab Gott den Kirchenpräsidenten zudem ein, dass Schwarze die Nachfahren Kains seien und keine Priester werden dürften. Homosexuelle könnten Mitglieder der Kirche sein, solange sie sich an deren Grundsätze hielten. „Über ein bestimmtes Verhalten zu urteilen steht uns nicht zu, sondern nur Gott“, sagt sie. Es gibt zwar homosexuelle Mormonen, doch sie sollen ihre Sexualität nicht offen ausleben. Auch Schulden können sündhaft sein. Für Romney ist Obamas schuldenfinanzierter Stimulus ein gigantisches Glas Wein. Zwar macht es kurzfristig etwas fröhlicher, aber der Kater folgt bestimmt.

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