Mit Scheichs gegen Islamisten

Neuerdings gehen Kairos Rechtsgelehrte statt in die Moschee in die Kaffeehäuser. Sie sind Teil eines neuen Programms der Al-Azhar mit dem Ziel, die Menschen an ihren Freizeitstätten zu erreichen. „Die Idee ist, dass wir alle Menschen erreichen, nicht nur die, die in eine Moschee gehen“, erklärt Scheich Ahmad Nagib die Initiative, die nun schon seit mehreren Wochen in verschiedenen Vierteln angelaufen ist.

Für die Scheichs geht es in diesem Programm auch darum, radikalen und militanten Islam-Interpretationen an der Kaffeehaus-Front Einhalt zu gebieten. „Wir wollen die Saat der Radikalität in den Menschen eliminieren. Wenn es keine Saat gibt, die aufgehen kann, dann gibt es auch keine Radikalität. In den Cafés finden wir vielleicht jene, in denen die Saat vielleicht vorhanden, aber noch nicht aufgegangen ist. Aber die überzeugten Militanten hängen dort nicht ab“, erklärt Scheich Nagib.

Die Al-Azhar hat diese Initiative begonnen, weil ihr Kritiker immer wieder vorgeworfen haben, nicht eindeutig gegen radikale islamistische Positionen Stellung zu nehmen. Einige ihrer konservativen Scheichs und von ihr gelehrte Schriften seien selbst Teil des Problems, heißt es immer wieder. Seit Monaten findet in Ägypten eine Debatte über die Frage statt, ob IS-Terroristen von der Al-Azhar zu Ungläubigen erklärt werden sollen. Sie entbrannte nach mehreren blutigen Anschlägen auf Kirchen und im November letzten Jahres bei einem Attentat auf eine Moschee im Nordsinai, bei dem 311 Menschen ums Leben kamen. Eine Woche nach dem Anschlag hielt Ahmad al-Tayyeb, der Großscheich der Al-­Azhar, in der gleichen Moschee im Nordsinai demonstrativ die Freitagspredigt und verurteilte die Anschläge des IS.

Der ägyptische Autor und Al-Azhar-Kritiker Ahmad Abdu Maher richtet eine klare Forderung an die Scheichs. „Erklärt den IS und alle die dazugehören zu Ungläubigen, denn sie geben vor, im Namen des Islam zu sprechen“, verlangt er.

Muhammad Abdel Fadil leitet in der Al-Azhar eine Abteilung, die die Internetdiskussion. Er verteidigt die Position der Al-Azhar. „Mit jedem Anschlag wächst der Druck auf die Al-Azhar, die terroristischen Gruppen zu Ungläubigen zu erklären“, so Fadil. Doch das habe Al-Azhar abgelehnt. „Al-Azhar distanziert sich von terroristischen Gruppen und sagt, dass diese sich von den islamischen Prinzipien und dem Geist des Islam entfernt haben“, sagt Fadil. Sie habe sogar mehrmals unterstrichen, dass gegen den IS ein Krieg geführt werden müsse, weil dieser unschuldige Zivilisten töte. Die Entscheidung aber, wer gläubig und wer ungläubig ist, liege nicht bei den Menschen – sondern einzig bei Gott. Für ihn ist die Kategorie „ungläubig“ eine theologische, die im Kampf gegen Terror nichts zu suchen hat.

Diesen Unterschied zwischen Tat und Täter will der Al-Azhar-Kritiker Ahmad Abdu Maher nicht gelten lassen. „Ungläubig, das ist eine Tat, die einen Täter hat. Jeder, der Ungläubiges tut, ist ein Ungläubiger“, meint er. Jemand, der angeblich im Namen der Gemeinschaft spricht, müsse von dieser auch ausgeschlossen werden können. „Solange jemand im Namen des Islam spricht und unislamisch handelt, ist es mein Recht zu sagen, dass er vom Islam abgefallen ist. Der IS, das sind Ungläubige, gerade weil sie im Namen meiner Religion sprechen“, begründet Maher.

Doch das ist eine Ebene, auf die sich die Al-Azhar nicht einlassen will. „Wir kritisieren die Terroristen, weil sie aus ihrer Laune heraus alle möglichen Menschen zu Ungläubigen erklären. Wir wollen nicht das Gleiche tun“, erklärt Scheich Abdel Fadil. Ein wichtiger Einwand. Der IS bezeichnet nicht nur Christen als Ungläubige, sondern auch alle Muslime, die nicht ihrer radikalen Lesart des Islam folgen. „Es besteht auch die Gefahr dass das darauf hinausläuft, jeden, der anders denkt, als Terroristen zu bezeichnen – und damit auch als Ungläubigen“, fürchtet Fadil.

Statt mit Begriffen wie „Ungläubige“ um sich zu werfen, müsse die Al-Azhar den Umgang mit den islamischen Quellen selbst reformieren, fordert der Scheich von seiner Institution. Vieles, mit dem die militanten Islamisten heute argumentieren, hätte in einem bestimmten historischen Kontext durchaus seine Bedeutung gehabt. Es müsse mehr daran gearbeitet werden, die Interpretation der historischen Quellen des Islam an die heutige Zeit anzupassen. mehr Informationen

Der Islam wird Europa erretten – denken einige

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