Kritische Stimmen zu einem Krieg mit dem Iran

Der israelische Schriftsteller Amos Oz meint zur aktuell Lage in einem Interview mit „Die Welt“: „Es ist fast unmöglich, einen Israeli zu finden, der mit einem anderen Israeli einer Meinung ist. Es ist ja schon schwierig, dass ein Israeli mit sich selbst einig ist.“

„Der Iran ist ein fanatisches Regime, das ganz offen davon spricht, Israel auslöschen zu wollen, den israelischen Staat zu vernichten. So etwas hat es nie gegeben, dass ein UN-Mitglied von einem anderen ganz offen bedroht wird. Ich persönlich bin gegen einen bewaffneten Angriff des Iran … Die Iraner besitzen das Know-how, um Nuklearwaffen zu bauen, und ein Know-how kann man nicht bombardieren.“

„Der Nahe Osten ist eine der explosivsten Regionen in der Welt. Die Ereignisse in der arabischen Welt haben weltweite Bedeutung und betreffen die gesamte internationale Gemeinschaft. Der Westen kann natürlich nicht direkt in diese Entwicklung in der arabischen Welt eingreifen. Aber kann er zuschauen, wenn eine brutale Diktatur wie die des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad täglich das Blut der eigenen Bürger vergießt? Sobald ein Regime Hunderte Menschen ermordet, ist es für den Rest der Welt an der Zeit, sich einzumischen.“

„Ich befürchte, dass Syrien sich in ein loses Konglomerat von Stämmen und ethnischen Gruppen auflösen wird. Für die Zukunft bin ich sehr pessimistisch.“

Shimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland meint auf sueddeutssche.de: „Die israelische Führung zeigt sich entschlossen, Irans Atomprogramm in den kommenden Wochen militärisch zu stoppen.“

„Der ehemalige Mossad-Chef Efraim Halevy hat kürzlich in einem Interview gesagt: „Als Iraner wäre ich sehr besorgt.“ Nach Halevys Auffassung könnte es bald zu einem israelischen Militärangriff kommen.“

„Wenn man bedenkt, dass das Ziel der Außenminister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien vor fast neun Jahren darin bestand, Teheran von diesem Anreicherungsprogramm abzubringen, kann man nur zu dem Schluss gelangen, dass der Versuch, Iran auf diplomatischem Weg von seinem Vorhaben abzubringen, einstweilen gescheitert ist.“

„Die EU und die USA bestreiten Irans Recht auf ein nukleares ziviles Programm nicht, gleichzeitig besteht man jedoch darauf, dass Teheran Beweise hinsichtlich des zivilen Charakters des Programms liefert. Das ist bis heute nicht geschehen.“

„Erst wenn Iran in seinem gegenwärtigen Verhaltensmuster keinen Vorteil mehr sieht, wird die Diplomatie eine Chance bekommen. Dafür hat man leider viel zu langsam den Druck durch Sanktionen erhöht.“

„Manche Beobachter deuten die iranische Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Gespräche im letzten April als ein Zeichen dafür, dass Israels militärische Drohung sowie die spürbaren Sanktionen die iranische Führung zu einem Nachdenken bewegt hätten. Trotz des anfänglichen Optimismus ist die gegenwärtige Runde der Gespräche auf der offiziellen Ebene ohne erkennbaren inhaltlichen Erfolg zu Ende gegangen, wohl aber mit der Bereitschaft, im Gespräch zu bleiben. Israels Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Barak halten die Fortsetzung der Gespräche für aussichtslos.“

„Auch bei einem erfolgreichen militärischen Angriff ist Israel auf die USA, die Europäer und andere Staaten angewiesen, um weiter Druck auf Iran auszuüben… Eine solche Unterstützung ist nach einem israelischen militärischen Alleingang zu diesem Zeitpunkt längst nicht garantiert.

Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass Obama den iranischen Versuch, nukleare Waffen zu erwerben, als inakzeptabel beschrieben hat. Um das Ansehen, die Glaubwürdigkeit und vor allem die Interessen der USA in der Region nicht weiter erodieren zu lassen, wird Obama – sollte er wiedergewählt werden – zu den Waffen greifen müssen, falls es nicht spätestens 2013 zu einer diplomatischen Lösung kommen sollte. Israel bleibt nichts anderes übrig, als auf die USA zu warten. Jede andere Entscheidung würde verheerende Konsequenzen nach sich ziehen.“

Zu Artikel in Die Welt     Zu Artikel Die Sueddeutsche

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