Kirchen ohne Pfarrer

In der Anglikanischen Kirche von Neuseeland wird das Konzept «Local Shared Ministry» angewendet. Das heisst, dass die Dienste und Ämter in einer Kirchgemeinde zwischen angestellten und freiwilligen, aber offiziell eingesetzten Mitarbeitenden verteilt werden. Dahinter steckt die Idee des «Allgemeinen Priestertums aller Gläubigen». In der Anglikanischen Kirche von Neuseeland hat das Konzept ermöglicht, dass viele arme Landgemeinden, die weder einen Priester fanden noch einen bezahlen können, wieder zum Blühen gekommen sind.

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich erklärt, dass das Erfolgsgeheimnis der neu florierenden Gemeinden in Neuseeland darin liege, dass sie angefangen hätten, den «Laien» zuzutrauen, dass sie das Evangelium bezeugen, die Menschen segnen und ihnen dienen können. Und sie haben erkannt, dass Kirche dort ist, wo Menschen auf Gottes Wort hören und zusammen Gottesdienst feiern. Sie hätten das Geheimnis erkannt, dass es eine Mündigkeit der Gläubigen mit Christus in der Mitte gibt.

Kunz erläutert, dass es auch nach der Reformation eine Tendenz der Kirche zu einer Machtkirche und Heilsanstalt, mit dem Pfarramt im Zentrum, gegeben habe. Local Shared Ministry mache damit Schluss. Das Pfarramt wolle verschiedene Gaben und Dienste in einer Person verbinden, LSM basiere dagegen auf der Berufung von verschiedenen Gabenträgern.

Laut Kunz muss die Landeskirche von der noch immer dominierenden Professionalisierungs- und Zentralisierungsstrategie wegkommen. Es gebe inzwischen genügend Alternativen zum Professionalisierungsmodell. Es gelte jetzt, solche auszuprobieren. Das geteilte Pfarramt sei eine Form der Gemeinde, die es in den Schweizer Landeskirchen noch nicht gibt. Um dieses zu fördern, brauche es eine Rückbesinnung auf das Wesen der christlichen Gemeinde. Er wies darauf hin, dass in der Anglikanischen Kirche schon heute 50% der Geistlichen «Laienpriester» sind.  mehr Informationen 

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