Juden, Christen, Muslime – ein Gott

Es ist wichtig, dass wir jede Religion so nehmen, wie sie sich selbst versteht. Alle drei Religionen berufen sich auf den gleichen Urvater Abraham. Alle haben ein monotheistisches Weltbild. Das bedeutet, dass es eine göttliche Macht gibt und nicht verschiedene Götter, die nebeneinander existieren. Doch die drei Religionen unterscheiden sich darin, wie dieser Gott ist und wie er sich offenbart.

Im Judentum ist Gott eins. Adonai echad (eins 5.Mose 6,4). Gott ist heilig (erhaben, abgesondert). Er ist unsichtbar da und offenbart oder manifestiert sich manchmal sichtbar, so wie bei Mose bei der Einweihung des ersten Tempels. Gott ist so heilig, dass man seinen Namen nicht aussprechen darf. Dieser Gott erklärt sich als der Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks und verbindet sich mit dem jüdischen Volk. Die Worte Gottes, die Thora, sind heilig; ebenso auch alle Gegenstände, auf denen der Name Gottes geschrieben steht. Die Schechina Gottes (Gegenwart Gottes) wird an den Orten erwartet, wo sich Gott zuletzt offenbart hat. Das geschah in Jerusalem, bei der Tempeleinweihung von Salomo (2.Chronik 5,14).

Für Muslime ist die Kernaussage: „Allah ist größer.“ Nicht groß, sondern größer als alle anderen Götter. Er ist sogar größer als sein eigenes Wort. Er kann seine Aussagen jederzeit ändern (Sure 2,106). Er entscheidet unabhängig, so wie er will (Sure 5,18 / 16,93). Allah ist der Herr und die Muslime sind seine Knechte oder Sklaven, die sich ihm täglich unterwerfen. Allah hat 99 Namen. Allah hat zuletzt durch Mohammed gesprochen, deshalb orientiert sich ein Muslim in allem an dem, was Mohammed getan hat. Das Bekenntnis zu Allah als den größeren Gott als alle anderen ist das Zentrum des muslimischen Glaubens.

Für Christen offenbart sich Gott, als Vater, Sohn und durch den Heiligen Geist. Christen verstehen die Bibel so, dass Gott sich an seine Versprechungen gebunden hat. Himmel und Erde werden vergehen, seine Worte nicht (Matthäus 24,35). Deshalb kann man sich auf Gott verlassen. Er offenbart sich als ein Gott, der die Menschen liebt (Johannes 3,16) und ihnen die Freiheit lässt, mit ihm zu leben oder sich von ihm abzuwenden (Johannes 6,67). Jesus als das Mensch gewordene „Wort Gottes“ hat die maßgebende Auslegung aller vorhergehenden Schriften gebracht. Im Glauben darf der Mensch Gott als seinen Vater ansprechen und eine Vater – Kind Beziehung mit ihm pflegen (Matthäus 6,9; Römer 8,15). Durch den Heiligen Geist leitet Gott auch heute individuell jeden einzelnen Menschen in seiner persönlichen Situation. Er gibt nicht grundsätzlich neue Offenbarungen, sondern persönliche Wegweisung.

Text: Hanspeter Obrist

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Text: Hanspeter Obrist

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